In der Küche der Zivilschutzanlage «Wiemel» kneten die beiden afghanischen Asylsuchenden Mohammad und Karim den Teig für Naan-Brot. Sie sind eingepackt in dicke Winterjacken, obwohl im «Wiemel» lauschige 20 Grad herrschen. Doch Mohammad und Karim, wie auch die anderen asylsuchenden Männer, die ab Ende November in die Asylunterkunft im «Wiemel» eingezogen sind, sind sich aus ihrer Heimat viel wärmere Temperaturen gewohnt. Die jungen Männer stammen unter anderem aus Afghanistan, Eritrea, Mali, Somalia, Sri Lanka oder dem Sudan und sind zwischen 18 und 30 Jahre alt.

Mohammad und Karim sind zwei von insgesamt 22 vorläufig aufgenommenen Männern, die in der unterirdischen Asylunterkunft in Würenlos in den vergangenen zwei Monaten einquartiert wurden. «Inzwischen haben sie sich eingelebt und verstehen sich gut miteinander», sagt Samuel Friedli von ABS Betreuungsservices AG. Friedli betreut die Asylsuchenden und die Unterkunft halbtagesweise. Über zwei Drittel der Asylsuchenden besuchen einen Deutschkurs und haben täglich Unterricht. «Daneben haben wir Ämtli und Zuständigkeiten für die verschiedenen Räume verteilt», sagt Friedli. Die jungen Männer haben je einen eigenen Garderobenschrank. Geschlafen wird im Massenschlag, wo doppelstöckige Betten in zwei Reihen stehen. Für seine Mahlzeiten ist jeder selber zuständig. «Manchmal tun sich ein paar zusammen und kochen gemeinsam, aber die unterschiedliche Herkunft und Esskultur erschwert das Ganze», sagt er. Nicht so bei Mohammad und Karim, die sich im «Wiemel» kennen gelernt und gleich Freundschaft geschlossen haben.

Töggelikasten gesucht

Seit mehreren Wochen steht auch die geplante Containeranlage auf der kleinen Anhöhe bei der Zivilschutzanlage. Die Gemeinde hat sie errichten lassen, damit die Asylsuchenden einen Aufenthaltsort mit Tageslicht haben. Nun fehlt nur noch das Aussendach, das die Zivilschutzanlage mit der Containeranlage verbindet und eine neue Treppe auf die kleine Anhöhe. «Bisher nutzen die Asylsuchenden diese Anlage, um dort ihre Deutschaufgaben zu machen.» Doch dabei soll es nicht bleiben. «Wir stehen in engem Kontakt mit der Gemeinde und haben angefragt, ob man einen Pingpongtisch oder Töggelikasten organisieren könnte», sagt Friedli.

Jeden Dienstag sitzt er mit den Behörden zusammen und bespricht die aktuelle Situation. Würenlos sei sehr engagiert: «Die Beteiligten sind enorm hilfsbereit, gut organisiert und die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut», betont Friedli, der schon seit über 20 Jahren Asylsuchende betreut. «Auch sind wir via Gemeinde in Kontakt mit Sportvereinen.» Es wäre grossartig, wenn die Asylsuchenden hin und wieder zum Beispiel mit dem FC Fussballspielen könnten. Vizeammann und Leiter des Ressorts Soziales, Anton Möckel (parteilos), bestätigt: «Auch seitens der Vereine haben wir Angebote für Sportabende erhalten, die wir nun koordinieren müssen.»

Möckel war von der Solidarität der Bevölkerung überrascht. Er musste die Würenloser im Oktober informieren, dass in wenigen Wochen 22 Asylsuchende in die Zivilschutzanlage einziehen. Für den Gemeinderat und die Einwohner kam die Nachricht vom Kanton unverhofft, rechnete man doch damit, dass die Aufnahmepflicht im Verbund mit Neuenhof, Killwangen, Ober- und Niederrohrdorf sowie weiteren Gemeinden erfüllt werden könnte. Denn in Neuenhof steht eine kantonale Asylunterkunft, deren Plätze den Verbundsgemeinden angerechnet werden könnten. Davon zumindest gingen die Gemeinden aus. Doch laut Kanton können kantonale Unterkünfte lediglich der Standortgemeinde angerechnet werden. Eine Einsprache der betroffenen Gemeinden zu diesem Kantonsentscheid ist beim Regierungsrat hängig.

Die Gemeinden treffen sich heute zu einer Diskussionsrunde darüber, wie es mit dem Verbund weitergeht. «Ungeachtet des regierungsrätlichen Entscheids wollen wir den regionalen Gedanken weiterpflegen und verschiedene Möglichkeiten besprechen, wie es weitergehen soll», sagt Möckel.

Damals im Oktober, als die Gemeinde mit der neuen Asylsituation konfrontiert worden war, kamen aus der Bevölkerung auch kritische Fragen und Bedenken wegen der Sicherheit. «Doch seit die Asylunterkunft bewohnt ist, gab es keine negativen Meldungen aus der Bevölkerung», sagt Möckel. Dennoch patrouilliert die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal regelmässig beim «Wiemel». Repol-Chef Roland Jenni ist zufrieden: «Alles läuft sehr geordnet und wir machen gute Erfahrungen.»