Es riecht nach Kuchen, die Kaffeemaschine läuft. Der Raum ist gefüllt mit Menschen, die verteilt an Tischen sitzen, miteinander reden, Schach spielen oder deutsche Vokabeln lernen. Seit dem 26. September bietet sich dieser Anblick jeden Samstag in den Räumen des ökumenischen Zentrums in Dättwil. Mit «Café Contact» schafft die katholische und reformierte Seelsorgestelle Dättwil Rütihof eine Begegnungszone für Bewohner des Quartiers und Asylsuchende, die unterirdisch in den geschützten Operationsstellen (GOPS) im Kantonsspital Baden untergebracht sind. Die Flüchtlinge haben die Möglichkeit, mit den Seelsorgern, über 20 Helfern und interessierten Anwohnern Deutsch zu lernen, Gesellschaftsspiele zu spielen, Gespräche zu führen oder über den Internetzugang Kontakt mit Familie und Bekannten aufzunehmen. «Es geht darum, Berührungsängste zu beseitigen und Hilfestellung zu geben», erklärt Diakon Andreas Bossmeyer.

An der Infoveranstaltung Anfang August, an der der Stadtrat gemeinsam mit dem Kanton die Anwohner über die Unterbringung der Flüchtlinge unterrichtete, standen die Ängste der Bevölkerung im Vordergrund. «An diesem Anlass waren Interesse und willkommen heissen kein Thema», sagt Karin Klemm, freiwillige Helferin aus dem Dorf. «Mit «Café Contact» möchten wir ein Willkommenszeichen setzen», so Klemm. «Ich kriege mit, dass Ängste in der Bevölkerung herrschen», sagt Anwohnerin Klara Flügel. Man höre so viel im Fernsehen und lese in der Zeitung, doch das sei alles zu abstrakt. Im «Café Contact» könne man den Flüchtlingen ganz konkret begegnen und feststellen, dass sie Menschen wie du und ich sind. «Ich bin überwältigt, wie wissbegierig, fleissig und hilfsbereit sie sind», erzählt Flügel. Auch Susanne Widmer aus Rütihof, die gerade einer Gruppe junger Eritreer Deutsch beibringt, ist sich sicher, dass die Begegnung hilft, Ängste abzubauen: «Was man kennt, bekämpft man nicht.»

Nicht nur für Asylsuchende

Das Begegnungs-Café, welches jeden Samstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet ist, wird vor allem von den Asylsuchenden rege besucht. Vergangenen Samstag fanden sich gegen 40 Personen ein. Eine Woche davor waren es sogar 80. «Wir erhalten gutes Feedback von den Flüchtlingen. Sie finden es sogar schade, dass es nur einmal wöchentlich stattfindet», berichtet Klemm. Viele Asylsuchende nutzen den Ort, um soziale Kontakte zu pflegen. «Ich komme gerne jeden Samstag hierher. Die Leute sind gastfreundlich und unterstützen uns. Dafür bin ich sehr dankbar», sagt der 44-jährige Ahmed Jehad aus Syrien, der seit einem Monat in der GOPS lebt. Das Angebot richtet sich jedoch nicht nur an die Asylsuchenden, sondern auch an die Bevölkerung, betonen die Organisatoren. «Ich wünsche mir, dass an diesem Anlass mehr Einheimische vorbei kommen», sagt Alfred Messerli aus Dättwil. Am 26. Dezember möchten die Organisatoren ausserdem ein Weihnachtsfest für Asylsuchende und Anwohner veranstalten, um den Kontakt noch mehr zu fördern.