Die Konturen des ockerbraunen Spitalgebäudes sind an diesem Vormittag nur undeutlich durch die Nebelschwaden erkennbar. Abgesehen von einzelnen Menschen, die ihre Hunde Gassi führen, ist rund ums Kantonsspital Baden wenig los.

Vor gut drei Wochen hat das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) in Aarau bekannt gegeben, dass Asylsuchende unter anderem in den Geschützten Operationsstellen (Gops) im Kantonsspital Baden untergebracht werden.

Am 19. August ziehen die ersten Männer in die unterirdischen Räume ein. Gestaffelt werden bis zu 200 Männer im Spitalbunker einquartiert. Sie wohnen jeweils für einige Wochen dort. Die Gops wird voraussichtlich einige Monate in Betrieb bleiben. Das sagte Balz Bruder, Kommunikationsleiter des kantonalen Departements Gesundheit und Soziales.

Die Dättwiler Bevölkerung ist skeptisch: «Ich bin gar nicht begeistert», sagt eine ältere Frau, die gerade ihren braunen Langhaardackel ausführt. «Ich habe nichts gegen die richtigen Flüchtlinge, aber man hört halt so viel Negatives», sagt eine andere.

Eine junge Passantin sieht den Plänen des Kantons gelassener entgegen: «Natürlich hätte man die Menschen lieber nicht vor seiner Haustüre, aber jeder muss seinen Beitrag leisten.» Sie frage sich viel mehr, wie die Unterbringung genau funktioniert.

Was machen sie den ganzen Tag?

Unterdessen hat sich der Nebel aufgelöst, die Sonne scheint auf den Platz vor dem Eingang zum «Spar». Zwei junge Mütter mit Kinderwagen treffen sich. Auch ihnen sind die Pläne des Kantons bekannt.

Man spreche darüber im Dorf. Sie haben «gar keine Freude»: «Vor allem, weil nur Männer kommen. Familien wären etwas anderes.» Sie machen sich Sorgen, was die Asylsuchenden den ganzen Tag machen werden. «Wer keine Aufgabe hat, kommt eher auf dumme Ideen oder lungert herum.» Sie bemängeln zudem, dass die Stadt Baden die Bevölkerung erst «so kurz vorher informiert hat».

In Dättwil wohnt auch der Präsident der SVP Baden Serge Demuth. Er hat aus der Zeitung erfahren, dass Asylsuchende im Untergrund des Kantonsspitals einquartiert werden. Vor allem Nachbarn hätten ihn gefragt, ob seine Partei etwas unternehme.

Demuth hat vorerst abgewartet. «Aber als gut zehn Tage nach der Bekanntgabe durch das Departement von Regierungsrätin Susanne Hochuli von der Stadt Baden keine Infos kamen, habe ich mich per E-Mail an den Stadtrat gewandt.» Unterdessen hat der Stadtrat die Bevölkerung in einem Schreiben informiert.

Er werde in seiner Sitzung am Montag «Beschäftigungsmöglichkeiten in der Stadt» besprechen, sagte Stadträtin Regula Dell’ Anno.
Das DGS lädt am Montag um 19.30 Uhr im Hörsaal des Kantonsspitals Baden an eine Info-Veranstaltung ein. Bis Montag tappen die Anwohner des Kantonsspital Baden noch im Nebel. Oder machen es wie eine Mutter, die sich «jetzt noch keine Gedanken macht» und «erst mal abwartet, wie es sein wird».