Baden

Asylunterkunft für 100 junge Männer liegt neben der Schule – Eltern besorgt

Im «La Cappella» ziehen im August rund 100 Asylbewerber ein. Alex Spichale

Im «La Cappella» ziehen im August rund 100 Asylbewerber ein. Alex Spichale

100 Asylbewerber werden ab August im Hotel La Cappella untergebracht – gegenüber liegt eine Schule. Das sorgt für Fragen aus der Bevölkerung. Die zuständige Stadträtin nimmt Stellung.

Das ehemalige Hotel und Restaurant Kappelerhof wird ab August zu einer kantonalen Asylunterkunft mit 100 Plätzen. Einziehen werden Männer aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und Somalia.

Quartiervereinspräsidentin Cornelia Haller ist von Stadträtin Regula Dell’Anno (SP) persönlich über die Pläne des Kantons informiert worden. Der Quartierverein wolle sich nicht querstellen, sagt Haller, im Gegenteil: «Ich denke, es gehört zur Aufgabe unserer Gesellschaft, Asylbewerbern einen Platz anzubieten, wenn sie bereits in unserem Land sind.»

Ungünstig sei aber mit Sicherheit die Lage, weil sich auf der anderen Strassenseite eine Primarschule befinde. Es brauche Massnahmen wie bei der Unterkunft beim Kantonsspital, wo bis März rund 200 Asylbewerber lebten und eine Art Rayonverbot ausgesprochen wurde, sagt Haller. Sie habe diesbezüglich einige besorgte Reaktionen erhalten, vor allem von Eltern, deren Kinder die Primarschule oder den Kindergarten besuchen. Sie befürchten, die Asylbewerber könnten sich oft auf dem Schulgelände aufhalten. Am Wochenende versammelte sich ein gutes Dutzend Eltern bei der Schule, um sich zur neuen Situation auszutauschen.

Stadträtin Regula Dell’Anno bestätigt: «Die Lage der Liegenschaft gleich vis-à-vis der Schule hat zu Fragen geführt. Es wird aber kein ‹Rayonverbot› geben.» Wie in allen Unterkünften würden die Bewohner von den Betreuungspersonen angehalten, die Verhaltensregeln einzuhalten. «Ebenso werden wir eine Begleitgruppe ins Leben rufen, in der auch die Schule und die Eltern vertreten sein werden, damit sie deren Anliegen direkt einbringen können.»

Quartiervereinspräsidentin Haller ist zuversichtlich: «Ich will nichts schönreden, ich habe Verständnis für Sorgen der Bevölkerung. Doch ich bin überzeugt, dass unser Quartier und unsere Stadt diese Aufgabe, vor allem betreffend Sicherheit der Quartierbevölkerung, bewältigen können.»

Das Schweigen der SVP

Ruhig hat bisher die Politik auf die neue Asylunterkunft reagiert. Nicht einmal von der SVP war bisher ein kritisches Statement zu hören. Präsident Serge Demuth sagt auf Anfrage: «Wir sind klar dagegen, dass 100 mehrheitlich junge, alleinstehende Asylbewerber in ein Familienquartier wie den Kappelerhof einziehen. Nur ist es schwierig, dagegen Widerstand zu leisten, weil es eine Privatperson ist, die dem Kanton ihre Liegenschaft vermietet.»

Anders sei die Situation beim ehemaligen Restaurant Metropol, das der Stadt gehöre und ebenfalls ab August zu einer Unterkunft für rund 15 Asylbewerber wird. «Wir werden die Forderung stellen, dass angesichts der 100 Asylbewerber im Kappelerhof wenigstens auf die Unterkunft im Metropol verzichtet werden könnte», so Serge Demuth.

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