Seit September 2017 wird das ehemalige Hotel La Cappella im Badener Quartier Kappelerhof als Asylunterkunft genutzt. Bereits vor dem Einzug der Asylsuchenden war klar, dass diese Nutzung nur als Zwischenlösung angedacht ist: Ab nächstem Jahr wird das Gebäude einer Wohnüberbauung weichen. Nun steht fest, wie das Projekt im Detail aussehen wird.

Drei Wohnblöcke, die Platz für insgesamt 70 bis 80 Mietwohnungen bieten, umfasst das Bauvorhaben. Die Wohnungen sollen im Herbst 2020 bezugsbereit sein. «Wir warten noch auf die Baubewilligung, und wenn nichts mehr dazwischenkommt, legen wir am Tag der Arbeit los», sagt Christoph Schoop mit Blick auf den voraussichtlichen Spatenstich am 1. Mai 2019. Der Badener Immobilienunternehmer ist Chef der Tinoph AG. Die Firma ist seit Juli 2017 im Besitz des Areals, auf dem das «La Cappella» steht.

«Alle Wohnungen werden alters- und behindertengerecht ausgestaltet», erklärt Schoop. Man habe bei der Auswahl der Wohneinheiten darauf geachtet, eine Mischung zwischen verschiedenen Grössen zu erreichen. So finden sich im Projekt 4,5- und 3,5-Zimmerwohnungen, aber auch viele 2,5-Zimmerwohnungen und Studios wider. Ganz im Sinne der Ausrichtung, wie Christoph Schoop sagt: «Wir wollen weniger Familien und mehr Singles und Pendler ansprechen.» Für diese Zielgruppe sei die Lage im «Kappi» mit der Nähe zum Bahnhof Baden prädestiniert. Neben dem Bau von Mietwohnungen sieht das Projekt auch zwei Gewerbeflächen vor. Diese sollen zeitnah zur Vermietung ausgeschrieben werden.

Quartierbeiz mit reicher Geschichte

Anfang Jahr lag das Baugesuch für die Wohnüberbauung bei der Stadtverwaltung auf. Gegen das Projekt seien keine Einwendungen eingegangen, sagt Schoop, der sich freut, dass im Kappelerhof bald ein «neues, kleines Quartier» entsteht. «So geschichtsträchtig das ‹La Cappella› auch ist und so fest es zum Kappelerhof dazugehört hat, muss man festhalten, dass das Gebäude seit ein paar Jahren in einem desolaten Zustand ist.»

Das Hotel-Restaurant im Kappelerhof blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Anfang der Siebzigerjahre lief es im Gastrobetrieb mit seiner Minigolf-Anlage, dem Restaurant und der Bar bestens. Doch in den Neunzigerjahren verschlechterte sich die Situation, das Restaurant hielt sich nach mehreren Wirtewechseln noch über Wasser, wenig später ging die Besitzerin, die Hotel Kappelerhof AG, in Konkurs.

Danach stiegen die Gastronomen-Brüder Toni und David Rexhaj, die zurzeit die Brasserie Schwanen in Ennetbaden führen, ein. Sie bauten die einstige Quartierbeiz neu auf und machten sie auch als beliebtes Speiselokal bekannt.

2007 kauften die beiden dann die Liegenschaft. Das Lokal wurde in «La Cappella» umbenannt. Im selben Jahr geriet das Restaurant in die Schlagzeilen, als ein Amokläufer im Lokal um sich schoss, dabei einen Mann tötete und mehrere Menschen verletzte. Letztes Jahr schloss das Restaurant seine Türen endgültig.

Fokus auf erneuerbaren Energien

Das in die Jahre gekommene Erscheinungsbild des Quartiers, das durch das «La Cappella» geprägt wurde, erhält mit der Wohnüberbauung einen modernen Anstrich. Modern auch deswegen, weil auf die Nutzung erneuerbarer Energien gesetzt wird. Die drei Häuser werden nach Minergie-Standard gebaut, sind unter anderem mit Photovoltaikanlagen ausgestattet und energetisch autark.

Das bedeutet: «Die Gebäude müssen nicht an ein Elektrizitätsnetz angeschlossen werden. 70 bis 75 Prozent des Energiebedarfs während eines Jahres können selbstständig produziert werden», so Christoph Schoop. Was die Photovoltaikanlagen nicht decken können, stellt ein mit Methanol betriebenes Blockheizkraftwerk zur Verfügung. Punkto alternativer Energie weiss Schoop, wovon er spricht: Dasselbe Konzept hat die Tinoph AG dieses Jahr bereits bei einer Wohnüberbauung in Rütihof angewandt.