Wettingen
Atheistin Kafi Freitag predigt jetzt in der reformierten Kirche

Die Atheistin Kafi Freitag schreibt nicht nur eine Kolumne im kirchennahen Magazin «bref». Das schon verärgert einige Kirchenvertreter. Nun folgt die nächste Provokation: Kafi Freitag bekommt nun auch Gelegenheit, in der Kirche Wettingen zu predigen.

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Bloggerin und Atheistin Kafi Freitag bewegt die Gemüter. zvg

Bloggerin und Atheistin Kafi Freitag bewegt die Gemüter. zvg

Kafi Freitag heisst eine Kolumne in einem der reformierten Landeskirche des Kantons nahestehenden Magazin namens «bref», aber auch die Verfasserin, deren Name laut eigener Aussage so in ihrem Pass steht. Im März war der «Freitags-Kafi» dem Kölliker Kirchenpflege-Präsident Matthias P. Müller sauer aufgestossen. Die Kolumnistin bezeichnete sich in einem Interview in der Sendung «Zwischenhalt» von Radio SRF als Atheistin und lobt das «bref» für seine Offenheit.

Was reformiert ist, davon habe sie keine Ahnung, dafür viel Lebenserfahrung und nehme «kein Blatt vor den Mund», sagte Freitag, die eine Kolumne bei watson.ch hat und dort beispielsweise erklärt, wie man Sex von Liebe trennen kann. Im «bref» vom März hatte sie im «Wir-Ton» den Reformierten im Zusammenhang mit der Ausschaffungsinitiative die Leviten gelesen.

Für erneut erhöhten Puls bei Teilen der Reformierten Kirchgemeinde Kölliken sorgt die jüngste Kolumne. Weniger deren Inhalt als die Fussnote: «Am 29. Mai predigt Kafi Freitag um 9.30 Uhr in der reformierten Kirche Wettingen.» Aus Sicht von Müller «schlägt das dem Fass den Boden heraus».

Kafi Freitag

Kafi Freitag

Kafi Freitag

Der Ortspfarrer entscheidet

Was meint man bei der Landeskirche? Auskunft gibt Frank Worbs, Leiter Kommunikation: «Der jeweilige Ortspfarrer respektive die für den Gottesdienst verantwortliche Pfarrerin ist für die Gestaltung und den Inhalt des Gottesdienstes verantwortlich.» Er oder sie entscheide auch darüber, wen sie als Gast in einen Gottesdienst für einen Beitrag, sei es künstlerischer oder textlicher Art, oder eine Predigt einladen.

«Sie sind allenfalls ihrer Kirchenpflege gegenüber verantwortlich. Die Landeskirche äussere sich zur Gestaltung von lokalen Gottesdiensten nicht, weil sie «die Zuständigkeit der lokalen Kirchgemeinde und des Ortspfarrers oder der Ortspfarrerin respektiert».

Worbs betont, «bref» sei keine Zeitung der Aargauer Landeskirche. Seine Organisation gebe zwei Publikationen in eigener Verantwortung heraus: «Reformiert», das alle Kirchenmitglieder erhalten, und «A+O», das sich an Mitarbeitende richte. «bref» hingegen sei ein Magazin der «Reformierten Medien». Der Verein Reformierte Medien kümmere sich um Onlineauftritt und Social Media der Landeskirchen, organisiere Weiterbildungen und engagiere sich für die kirchlichen Gefässe in den Kanälen von SRF. Präsidiert wird der Verein von Christoph Weber-Berg, Theologe mit Doktortitel, der auch dem Aargauer Kirchenrat vorsitzt. (bkr)