Baden
Atmen und Hauchen – Schauspieler benutzen Luft als darstellendes Mittel

In der Stanzerei führten die Musik-, Wort- und Schauspielkünstler Hansruedi Zeder, Fredi Spreng und Werner Bodinek ihr Stück «Vom Winde verweht» auf. Das lyrische und lautmalerische Stück sollte die Zuschauer anregen, über Luft und Stille nachzudenken.

Salomé Meier
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«Vom Winde verweht»: Das Stück wurde von drei Künstlern in der Stanzerei aufgeführt. Salomé Meier

«Vom Winde verweht»: Das Stück wurde von drei Künstlern in der Stanzerei aufgeführt. Salomé Meier

Salomé Meier

Solange wir leben, atmen wir. Meistens unbewusst, jedoch manchmal auch ganz bewusst. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «CarteBlanche» von «Endlich Mittwoch!» der Stanzerei präsentierten die drei Musik-, Wort- und Schauspielkünstler Hansruedi Zeder, Fredi Spreng und Werner Bodinek ein Stück, dass ganz dem Atmen, der Luft und dem Wind gewidmet ist.

Die Luft zum Schwingen bringen

«Vom Winde verweht» nennt sich die künstlerische Inszenierung über das leichte Element Luft. Ihr Wesen kommt mal stürmisch und mal still schweigend daher. Mal erzeugt sie sanfte Bewegung, bleibt unsichtbar und hat doch die Neigung, sich überall aufzuhalten und mitzumischen.

So geschieht das auch im Stück: Immer wieder wird die Luft auf unterschiedliche Weise ins Schwingen gebracht. Hansruedi Zeder spielt im einen Moment noch eine leise und ruhige Improvisation von Bach auf dem Clavichord – dem leisesten aller Tasteninstrumente – um wenig später das chaotische und stürmische «Luftklavier» von Berio anzustimmen.

Werner Bodinek schwebt mithilfe seiner Kollegen durch die Lüfte und Fredi Spreng experimentiert mit dem offenen Flügel. Er macht aus dem Instrument eine Geige, eine Trommel oder eine Harfe.

Das ganze Stück ist lautmalerisch und lyrisch aber auch witzig. Die Schauspieler sinnieren über Menschen, die nicht richtig atmen, über den letzten Atemzug sowie über Stürme und luftige Gezeiten. «Was halten Sie von heisser Luft?», fragt Bodinek in Reportermanier seine beiden Luftspezialisten, worauf diese mit stimmlosen Worten, Hauchen und Pusten antworten.

Trotzdem bleiben diese Antworten ohne Aussage; sie sind nichts anderes als heisse Luft.

Eine Wetterprognose, sarkastisch heruntergelesen, nimmt immer wieder unerwartete Wendungen: «Nun kommen wir zu den weiteren Aussichten: Luftige Aussichten. Von trocken bis nass. Luftig, duftig, puffig.» Das sorgt für Schmunzeln.

Das Stück endet mit dem Blick nach draussen: Auf die Fensterscheibe wird ein fliegender Vogel projiziert. An der Decke bewegen sich aufgehängte Zettel durch die leicht zirkulierende Luft, während Hansruedi Zeder das Clavichord spielt. Dann ist Stille.

Stück will interpretiert werden

«Vom Winde verweht» ist kein gewöhnliches Stück mit Anfang oder Ende. Auch ein roter Faden ist schwerlich zu finden. Deswegen lässt es sich kaum einem vorher schon da gewesenen Stil zuordnen. Am Ende steht der Zuschauer vor vielen einzelnen Mosaiksteinchen, die er selbst zu einem ganzen Bild zusammenstellen kann – sofern er das denn will.

Nach der Vorführung herrscht ein reges Interesse, sich an der Bar noch über das Stück zu unterhalten und Interpretationen auszutauschen. Nur wenige verlassen die Stanzerei direkt am Ende der Inszenierung. Das Stück sei eine Aufforderung, über Stille und Ruhe nachzudenken, meint Werner Bodinek: «Hier in der Stanzerei kann Stille – eine Eigenschaft des Windes und der Luft – funktionieren.

Für die heutige Gesellschaft ist es schwierig, das Gut Stille auszuhalten. Wir fordern die Menschen auf, dieses Gut auch anzunehmen.»

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