Baden

Auch Badener Hoteliers wollen touristisch ein Teil von Zürich bleiben

Baden rüstet sich etwa mit dem geplanten Trafo 2 für die touristische Zukunft – die sich weiter an Zürich anlehnen soll.

Baden rüstet sich etwa mit dem geplanten Trafo 2 für die touristische Zukunft – die sich weiter an Zürich anlehnen soll.

Ab nächstem Jahr bildet der Kanton bei Schweiz Tourismus eine eigene Region. Hoteliers und Gastronomen aus Baden begrüssen, dass die Stadt touristisch in der Region Zürich bleiben will. Das hat mit ihren Gästen zu tun.

Es ist kein Geheimnis: Baden fühlt sich viel eher Zürich als dem Aargau zugehörig. Neustes Beispiel: Die Stadt Baden zeigt der neuen Tourismusregion Aargau die kalte Schulter.

Obwohl der Kanton ab nächstem Jahr bei Schweiz Tourismus eine eigene Region bildet – heute ist der Aargau auf vier Tourismusregionen aufgeteilt –, verbleibt Baden bei der Region Zürich (az vom 17. Mai). «Wir halten uns somit die Türe für unsere primäre Zielgruppe offen», begründet Standortförderer Thomas Lütolf die Haltung der Stadt.

Dass das Standortmarketing mit dem Entscheid, touristisch bei Zürich angeschlossen zu bleiben, nicht alleine dasteht, zeigt eine Umfrage bei Badener Hoteliers, Gastronomen und Investoren.

«Das ist der einzig richtige Entscheid», sagt Werner Eglin, Investor und unter anderem Betreiber der Hotels Blue City, Limmathof oder des «Hirschen» in Ennetbaden. Erstens gehöre Baden faktisch zu Zürich; dank nur 15 Minuten Zugverbindung könne gar von einem Vorort Zürichs gesprochen werden.

Zweitens räumt er der neuen Tourismusregion nicht allzu viel Kredit ein beziehungsweise äussert Zweifel über deren Realisierung. «Klar, ich habe Verständnis dafür, dass sich der Aargau touristisch aus seinem Schattendasein herauslösen will.»

Doch der Aargau sei ein sehr verzettelter Kanton. Eglin glaubt deshalb nicht, dass der Aargau als eine von fünf Tourismusregionen etwas ausrichten könne. «Und ich habe ernsthaft Zweifel, ob man die nötigen Mittel für eine solch neue Tourismusregion wird aufbringen können.»

Ähnlich skeptisch tönt es bei Patrik Erne, Hotelier des Hotel «Blume» im Bäderquartier und seit Anfang Jahr Präsident der IG Hotel Baden. «Ich bin gespannt, wie die neue Tourismusregion längerfristig finanziert werden soll; die 1 Million Franken aus dem Lotteriefonds sind nur ein Tropfen auf den heissen Stein.»

Die Haltung der Stadt Baden erachtet er momentan als absolut richtig. Durch die Nähe der Stadt Baden zu Zürich sei diese Anbindung fast zwingend. «Klar klammern wir die Tourismusregion Aargau nicht aus. Wir sind bei einigen Kooperationen wie E-Bike Touren oder Wasserwelten mit dabei», sagt Erne. Doch der Fokus richte sich nach Zürich, das über einen starken Brand verfüge.

Trafo: Bis 80 Prozent Zürcher Gäste

Auch Roberto Scheuer, Direktor des «Trafo – Hallen + Hotel», äusserst sich positiv: «Als Tagungs-, Konferenz- und Meetingzentrum sind wir ganz klar nach Zürich ausgerichtet.»

So arbeite man schon heute intensiv mit Zürich Tourismus zusammen; 70 bis 80 Prozent aller Gäste kämen aus dessen Einzugsgebiet. «Baden ist das Tor zu Zürich; es ist wichtig, dass wir touristisch weiterhin dieser Region angehören», ist Scheuer überzeugt.

«Wir sind auch ganz klar Richtung Zürich ausgerichtet», sagt Marianne Wanner, Geschäftsführerin des Hotel Linde. Deshalb erachtet sie den Entscheid der Stadt als richtig. «Es ist gut, wenn Badens Tourismus weiterhin nahe bei Zürich dran bleibt.» Ihr Hotel gehöre zwar dem Aargauer Hotelier-Verband an, Zusammenarbeit und Austausch würden sich aber sehr in Grenzen halten. «Das liegt aber sicher auch daran, dass wir uns nicht übermässig einbringen», so Wanner.

Das neue Vorhaben des Kantons begrüsst sie gleichwohl: «Wir sind offen für diese neue Tourismusregion und es ist immer gut, wenn sich in Sachen Tourismus etwas tut.»

Fakt sei aber: «Wenn etwas beim Flughafen Zürich passiert – Beispiel Flugausfälle wegen eines Vulkanausbruches – oder auch in Basel eine grosse Veranstaltung stattfindet, dann spüren wir das viel eher, als wenn zum Beispiel in Aarau etwas Wichtiges passiert.»

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