Die Werkstatt im Demuth-Areal, in der Simona Hofmann einen Teil ihrer Bühnenprojekte entwickelt, erinnert mit seinem heruntergekommenen Interieur etwas an ein Londoner Underground-Theater. Die 37-Jährige sitzt für das Interview auf einem alten Holzstuhl, der auch schon bessere Zeiten hatte. Hofmann schaut das Gegenüber mit ihren grossen dunklen Augen erwartungsvoll an und vermittelt ihm das Gefühl, im Moment das Allerwichtigste für sie zu sein.

Mit ihrer Herzlichkeit und dem vereinnahmenden Charme gewinnt die Künstlerin viele Menschen für sich. Ablehnung hat sie praktisch noch nie erlebt. Herausstechend an Hofmann ist auch die Intensität, mit der sie jeden Augenblick lebt. Ihre absolute Präsenz im Hier und Jetzt kommt ihr als Schauspielerin auf der Bühne zugute: «Wenn ich auftrete, bin ich nur auf meine Rolle fixiert und muss alles andere ausblenden.»

Ausblenden muss sie während des Gesprächs mit der Journalistin ziemlich viel. Die vier Vorführungen im ThiK, welche jeweils das Highlight ihres vor fünf Jahren gegründeten Kindertheaters «Lampefieber» sind, waren innert 48 Stunden ausverkauft. Mit Circus Balloni, für den sie seit vielen Jahren arbeitet, tourt sie das ganze Jahr in «Das Zelt» durch die Schweiz und fungiert als clowneske Moderatorin, wenn Kids mit Schlangenfrau Nina Burri und anderen Berühmtheiten auftreten.

Die heute dunkelhaarige Simona Hofmann war als Kind noch strohblond. (Privatarchiv)

Die heute dunkelhaarige Simona Hofmann war als Kind noch strohblond. (Privatarchiv)

Des Weiteren bespielt sie mit Claudia Faes die Theaterbühnen. In der Eigenproduktion «Die Glücklichen» macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Glück. Die Zuschauer können per Fragebogen kundtun, was sie wirklich happy macht. Ihre Angaben werden direkt ins Stück mit einbezogen. (Vom 25. bis 28.4. ist das Zweifrauenstück in Baden im alten Demuth-Areal zu sehen.)

Immer auf dem Teppich geblieben

Die Absolventin der Gymnastik Diplom Schule Basel und der Scuola Teatro Dimitri tanzt auf zahlreichen Hochzeiten. Neues anzureissen, macht sie euphorisch. «Aber langsam wird es zu viel. Je älter ich werde, desto mehr Tiefgang strebe ich an. Irgendwann muss ich gewisse Sachen loslassen, um besser fokussieren zu können», ist sich die Multitaskerin gewiss. Im zweiten Halbjahr will sie es ruhiger nehmen. Das sagte sie schon 2016 und 2017. «Weil ich seit je selbstständig bin und nie einen festen Job hatte, muss ich ständig neue Projekte an Land ziehen. So habe ich stets Arbeit, auch wenn mal was bachab geht», erklärt Hofmann ihre Umtriebigkeit. Seit einigen Jahren läuft alles gut, was immer sie auch anpackt. Sie kann von ihrer Kunst leben. Früher musste sie zwischendurch auch mal im Service einen Batzen dazuverdienen. Zu schade dafür fühlte sich die Kulturschaffende nie. «Ich habe beim Bedienen der Leute enorm viel beobachten können. Das war Futter für meine Rollen.» Und während andere Künstler die Vision von einer grossen Karriere haben und sich verkannt und frustriert fühlen, wenn ihre Träume nicht in Erfüllung gehen, blieb Simona Hofmann auf dem Teppich. Berühmt zu werden, war nie ihr Ziel.

Eltern liessen sie machen

«Wenn ich ein Projekt initiiere, sehe ich nur die positiven Seiten. Mit Negativem konfrontiere ich mich dann, wenn es wirklich passiert», erzählt Hofmann. Ihre optimistische Lebenseinstellung und schier unerschöpfliche Energie führt die Aktrice hauptsächlich auf ihre Kindheit zurück. Die Eltern Anita und Hans Hofmann stehen voll hinter ihr und hatten die Stärke, sie und ihrem Bruder Andi nicht die eigenen Ansichten aufzuoktroyieren, sondern ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen. Dadurch entwickelte sich ein solides Grundvertrauen. «Ich sage meinem Spiegelbild jeden Morgen mit Überzeugung: Wir schaffen das», verrät Simona Hofmann, und ihre feuerrot geschminkten Lippen verziehen sich zu einem breiten Lachen. Doch auch ein Sonnenkind wie sie kennt Schattenseiten. 2013 erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und musste sich psychologische Hilfe holen. «Ich war total überfordert mit meiner Selbstständigkeit und konnte zu nichts Nein sagen, was sich mir bot. Bis ich kollabierte», erinnert sie sich. Momentan lebt Hofmann in einer Partnerschaft, welche ihr neben grossen Freiheiten auch tiefe Inspiration bietet. Nach ihrer kürzlich abgeschlossenen Weiterbildung in Design Thinking möchte sie das erweiterte Wissen künftig im Theater-Bereich und anderen, neuen Gebieten anwenden. «Da kommt noch ganz viel», äussert sich die gebürtige Badenerin überzeugt. Sie vertraut auf ihre Stärken und sieht positiv in die Zukunft. Auch wenn sie noch nicht genau weiss, wohin ihr Weg führen wird.