Remetschwil
Auch die Coronakrise stoppt ihn nicht: Dieser Aargauer spendet zum 200. Mal sein Blut

Seit rekordverdächtigen 52 Jahren geht Anton Götschi zum Blutspenden. Auch in der aktuellen Situation sieht er keinen Grund, das Kantonsspital Baden zu meiden.

Alexander Wagner
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Rekordverdächtig: Hier spendet Anton Götschi zum 200. Mal sein Blut.
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Anton Götschi lässt sich sein Blut seit 52 Jahren abnehmen, seit 40 Jahren im Kantonsspital Baden.
Anton Götschi ohne Maske im Freien. Der 71-Jährige wohnt in Remetschwil.
Rund ein halber Liter wird einem beim Blutspenden abgenommen.

Rekordverdächtig: Hier spendet Anton Götschi zum 200. Mal sein Blut.

Alex Wagner

Anton Götschi erinnert sich genau an sein «erstes Mal» beim Blutspenden. «Es war in der Rekrutenschule in Liestal am 8. August 1968, ein Datum, das man nicht vergisst», erzählt der rüstige und im Geiste hellwache Pensionär mit einem schalkhaften Lächeln. Inzwischen sind 52 Jahre ins Land gezogen.

Götschi ging seither alle drei Monate zum Blutspenden, seit über 40 Jahren im Kantonsspital Baden. «Aus Hilfe und Respekt gegenüber den Mitmenschen», erklärt er seine Motivation, der im solothurnischen Laupersdorf aufwuchs und seit Jahrzehnten in Remetschwil wohnt.

So ging er kürzlich, am Geburtstag seines Vaters, zum 200. Mal ins Spital, um den Lebenssaft zu spenden. «Anfänglich war mir das nicht derart bewusst, dann wurde mir aber klar, dass Blutspenden bedeutet, solidarisch zu sein mit Patienten», erklärt der Rentner, ehe bei ihm sein Studium als Historiker durchschlägt und er augenzwinkernd ergänzt: «Das Blutspenden dient auch der Blutauffrischung wie der Aderlass zur Zeit des berühmten Schweizer Arztes Paracelsus im 16. Jahrhundert.»

Die Solidarität des 71-Jährigen zeigt sich auch darin, dass er die Geschenke der Stiftung Blutspende SRK Aargau-Solothurn zu seinen jeweiligen Blutspende-Jubiläen der Kinderkrebsforschung in Aarau spendet.

Mittlerweile hat Anton Götschi 13 Blutspende-Ausweise voll – rekordverdächtig. Dass er routiniert ist, merkt man schnell. Der regelmässige Kinogänger legt sich hin, die vielen Einstiche in die Venen sind leicht zu sehen. Ein kurzer Stich, und schon fliesst sein Blut. Rund 450 ml werden Götschi und allen anderen Blutspendern jeweils abgenommen. Dazu kommen vier kleine Teströhrchen, was insgesamt knapp einen halben Liter ergibt:

Alex Wagner

Nach sechs bis acht Wochen hat der Körper diesen Verlust wieder ausgeglichen. Und nach drei Monaten können alle Männer wiederkommen – so wie Götschi. «In all den Jahren ist Blutspenden für mich eine Leidenschaft geworden», meint der Liebhaber klassischer Musik, der lange in einem Korrektorat und Lektorat arbeitete und früher auch mal kurz Latein auf dem Mutschellen unterrichtete.

Grosse Veränderungen hat der leidenschaftliche Sänger in all den Jahren nicht bemerkt, abgesehen natürlich von neueren, präziseren Geräten. «Aber anzapfen ist und bleibt anzapfen», meint er lächelnd, als die Prozedur nach einigen Minuten vorbei ist. Er ergänzt:

Ich bin dankbar, dass ich aufgrund meiner Gesundheit diese Hilfe schon seit so vielen Jahren anbieten kann.

Und dies auch in komplizierten Zeiten von Corona: Er hat keine Sekunde überlegt, aufgrund der Situation das Blutspenden einzustellen. «Ich gehe jeden Tag raus», betont er. «Ich will mich nicht abkapseln.» So wird er aller Voraussicht nach im März 2021 wieder im Kantonsspital Baden stehen – zum 201. Mal.

Trotzdem ist in wenigen Jahren Schluss: Mit 75 Jahren fällt die Altersguillotine. Bei Götschis Schnitt wären dies noch rund ein Dutzend weitere Blutspenden. Er hofft, dass er viele Nachfolger findet. Eindringlich erklärt er: «Mein Appell lautet: Wer gesund ist und sich wohlfühlt, soll bitte Blut spenden.»

Informationen zur Blutspende finden Sie unter: www.blutspende-ag-so.ch

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