Baden
Auch die Stars lieben das Bluesfestival Baden

Beim Zehn-Jahr-Jubiläum des Bluesfestivals Baden zeigten sich die Musiker am Wochenende in Hochform. Der Besucheraufmarsch wird immer grösser, die Künstler sind immer häufiger grosse Namen.

Marc Reinhard
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Jaimoes Jasssz Band
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Impressionen vom Bluesfestival in Baden
Jaimoes Jasssz Band
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Jaimoes Jasssz Band
Jaimoes Jasssz Band
Jaimoes Jasssz Band
Jaimoes Jasssz Band
Marie-Therese Thut-Senn und Willy Sutter
Blueskidz-Publikum
Blueskidz (Bass: Marco, Drums: Allessandro, Gitarre: Noah, Gesang: Rahel und Simona)
Blueskidz (Bass: Marco, Drums: Allessandro, Gitarre: Noah, Gesang: Rahel und Simona)
Blueskidz (Bass: Marco, Drums: Allessandro, Gitarre: Noah, Gesang: Rahel und Simona)

Jaimoes Jasssz Band

Marc Reinhard

«Jetzt ists aber auch mal gut mit der Jammerei», sagt die Frau, deren Bluesfestival-T-Shirt man unter der geschlossenen Winterjacke kaum erkennt an die Adresse der nörgelnden Kollegen.

Sie will nichts mehr übers Wetter hören, steht im Aussenbereich des Nordportals, schlotternd zwar, aber bestens gelaunt.

Dort draussen passierte eben erst heftigst, was Jaimoe’s Jasssz Band drinnen auf der Bühne gerade spielt: «Rainy night in Georgia». Ein traditioneller Alltime-Classic, der zum Festivalwetter passt. Man könnte auch sagen: Cold ’n’ rainy days ’n’ nights in Baden.

Und was sich drinnen so herzerwärmend intensiv musikalisch äussert, daran verzweifeln alle, die sich auf eine einmalige frühsommerliche Meet-and-chill-Ambiance im Freien gefreut hatten: Barbecue-Takeaways, Zigarren- und Whiskeylounge, Bar-Bus und Stehtischchen reihen sich um die kleine Outdoor-Bühne.

Schon oft in den vergangenen zehn Jahren war der Nordportal-Vorplatz ein fröhlich sprühendes, reich bevölkertes Apéro-Areal zur Pflege der Vor- und Nachfreude. Dieses Jahr jedoch wirkt der Platz verlassen.

Sogar von der doch ansehnlichen Publikumstraube, die sich rund um die Blueskidz gebildet hat, lösen sich viele vorzeitig wieder – und zwar nicht, weil ihnen die Musik nicht gefällt.

Mitreissender Sound aus Österreich

Aber eben: Das Thema Wetter soll gedeckelt werden, «wir nehmens wies kommt!», sagen die Leute und lassen sich die Bluesstimmung nicht verderben. Drinnen kommts gut, sehr gut.

Was die Mojo Blues Band schon am Stadtfest in Baden angerissen hat, führt sie am Bluesfestival fort: Die Österreicher begeistern mit ihrem mitreissenden Sound von Beginn weg und bringen die Stimmung mit ihrem eigenständigen European Blues in Schwung.

Jaimoe’s Jasssz Band, eine persönliche Empfehlung von Gregg Allman an die Veranstalter und so etwas wie eine Allstar-Band in der Bluesszene, ist zweifellos ein Highlight.

Auch wenn der in die Jahre gekommene Drummer und Perkussionist Jaimoe kaum verständlich ins Mikrofon brabbelt und ausgerechnet während seines Solos den Trommelstock verliert: Das feine Gewebe aus Blues, Soul und Funk ist ein Erlebnis, sämtliche Solo-Einlagen sind von absoluter Weltklasse.

Und faszinierend ist, wie Gitarrist Junior Mack seine Gibson zum Singen bringt: Ein selten gehörter luftiger Sound, der in seiner Leichtigkeit eigentlich mehr gute Laune produziert, als dass er Bluesstimmung aufkommen lässt. Seine Stimme dann aber wieder röhrig, klagend, tief und trotzdem fast ohne Bass: der pure Blues.

Kein bisschen weniger glänzt die Sensation des Samstagabends, das Heritage Blues Orchestra: Bill Sims Junior (Gitarre) und seine Tochter Chaney (Gesang) können alles, so scheints, und das in jeder Besetzung und Variation.

Schwer zu sagen, wo die im Nordportal exklusiv neunköpfig spielende Combo musikalisch zu Hause ist: ein Crossover zwischen treibendem 30er-Jahre-Chicago-Blues und Südstaaten-Tradition, akustisch frisch kombiniert.

Begeisterung allenthalben aber auch schon zur Pause, weil zuvor der Brite Eddie Martin und seine Big Blues Band ein grandioses Set hingelegt hatten.

Qualität steht über der Grösse

Zehn Jahre Bluesfestival Baden: Der Besucheraufmarsch wird immer grösser, die Künstler sind immer häufiger «Big Names» und selbst Nebenschauplätze wie die Nachwuchsförderung (Blueskidz), die Blues-Workshops oder das Warm-up auf den Badener Strassen sind nicht mehr wegzudenkende Selbstläufer geworden.

Macht da die Routine nicht müde, macht der Erfolg nicht satt? «Nein», sagt Präsidentin Susanne Slavicek, für die der Event inzwischen Teilzeitberuf geworden ist, «mehr denn je gibt es diese Magic Moments, wo alles mucksmäuschenstill ist im Publikum.»

Diese Highlights liegen an der Qualität des Gebotenen, und sie sind die Essenz für die Macher des Bluesfestivals. Nicht die schiere Grösse machts, sondern die Qualität, im engen Baden sowieso.

Physisch soll die erreichte «kleine Grösse» bleiben, wie sie ist, der Qualität setzt das Renommee keine Grenzen mehr. Solange das Budget stimmt, kommen Blues-Superstars nach Baden – dank dem Booking-Team Roberto Amsler und Thomas Slavicek.

«Wir konnten uns in zehn Jahren stetig steigern, auch wenn wir selbst nicht mehr glaubten, dass das möglich ist.»

Künstler empfehlen Festival weiter

Unter den Künstlern wird das Bluesfestival Baden als Tipp gehandelt und weiterempfohlen: Gastfreundschaft, Organisation und die gebotene Infrastruktur seien einmalig in Baden, hört man.

«Der Kampf ums Geld ist überall», sagt Marketing-Chef Beni Oehrli zwar, aber das Bluesfestival ist momentan mit treuen Sponsoren auch hier auf der Gewinnerstrasse. Nicht einmal mehr Mitarbeiter muss das OK noch gross suchen – über hundert Helferinnen und Helfer meldeten sich dieses Jahr freiwillig zum Einsatz, eine klare Aussage zum Image des Bluesfestivals.

Der Präsidentin merkt man die Müdigkeit durchgearbeiteter Blues-Nächte am Sonntagmittag kaum an. Sie ist glücklich, ein bisschen stolz und überzeugt: Das Bluesfestival geht in die nächste erfolgreiche Dekade.

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