Nackt-Selfies

Auch FDP-Stadtrat Huber war informiert - so erlebte er Geri Müllers Chatpartnerin

«So einer dürfe doch nicht ungeschoren davonkommen.», sagte die Chat-Gespielin Müllers in einem Telefonat mit Roger Huber, Stadtrat von Baden, im Vorfeld der Affäre im Mai 2014.

«So einer dürfe doch nicht ungeschoren davonkommen.», sagte die Chat-Gespielin Müllers in einem Telefonat mit Roger Huber, Stadtrat von Baden, im Vorfeld der Affäre im Mai 2014.

Der Badener Stadtrat Roger Huber wurde ebenfalls von Geri Müllers Chatpartnerin kontaktiert. Sie bot ihm «schwer belastendes Material» an. Gegenüber der az schildert der FDP-Politiker jetzt, was die Frau genau wollte und wie er damit umging

Die «Neue Zürcher Zeitung» machte heute Freitag publik, dass Roger Huber «als Müllers Konkurrent um das Stadtammannamt ebenfalls angegangen wurde» von der Frau, die mit Geri Müller den verhängnisvollen Chat- und Bilderaustausch hatte. Auch «Blick» brachte Hubers Kontakt zu Müllers Chatpartnerin in Spiel.

Gegenüber der az erklärt Huber nun, was wirklich geschah.

«Am Abend des 2. Mai 2014 hatte ich Gäste im Haus und stand in der Küche, als sich die Frau auf meinem privaten Telefonanschluss meldete. Sie tönte am Anfang angenehm und ruhig. Sie teilte mir mit, dass sie sich an mich wende in meiner Funktion als Stadtratskollege von Geri Müller. Sie sprach von 'schwer belastendem Material', das sie gegen Geri Müller in der Hand habe, und das dessen Integrität beschädigen würde. Ich kam kaum zu Wort. Sie sprach schlecht über Geri Müller und sagte, so einer dürfe doch nicht ungeschoren davonkommen. Die Sexgeschichte hat sie nicht erwähnt, aber es war offensichtlich, dass sie mich als politischer Kontrahent Müllers für sich gewinnen wollte. Schliesslich sagte die Frau, sie werde von Geri Müller bedroht.»

FDP-Stadtrat Huber erläutert, wie er auf die Vorwürfe der Frau reagiert hat:

«Darauf habe ich ihr geantwortet, dass ich für solche Anschuldigungen nicht der richtige Adressat sei, ich liesse mich nicht einspannen. Wenn sie effektiv bedroht werde, solle sie sich direkt an die Polizei beziehungsweise die Staatsanwaltschaft oder die Opferhilfe wenden. Ebenso teilte ich der Frau mit, dass ich meinen Stadtratskollegen Geri Müller über dieses Telefonat informieren würde. Noch am selben Abend habe ich Geri Müller am Handy erreicht und über das Telefonat und dessen Inhalt in Kenntnis gesetzt. Wir haben zwar politisch das Heu nicht immer auf derselben Bühne, aber menschlich haben wir ein gutes Verhältnis. Er hat sich bei mir für den Anruf bedankt, ohne mir mehr über die Geschichte zu erzählen, die jetzt ans Tageslicht gekommen ist. Ich sagte ihm, dass dieses ganze Sache vertraulich bleibe und für mich beendet sei.»

«Energie lieber für die Arbeit im Stadtrat einsetzen»

Weitere Personen habe er nicht über das Telefonat informiert, betont Huber. Mit der klaren Antwort an die Frau und der Information an Geri Müller sei die Angelegenheit für ihn damals erledigt gewesen. «Ich hatte ausser besagtem Telefonat keine Kontakte mit der Frau, weder telefonisch noch persönlich.»

Als am Sonntag die Story publik wurde, habe er sich sofort an das Gespräch mit der Frau erinnert, so Huber. Kurz vor der Stadtratssitzung am Sonntagabend habe er sich mit Geri Müller kurz besprochen. Gemeinsam hätten sie danach den Stadtrat informiert, dass sich die Frau auch bei ihm telefonisch gemeldet habe.

Im Vorfeld der heutigen Stellungnahme habe er mit Geri Müller telefonischen Kontakt gehabt, sagt Huber. «Geri Müller gab mir sein Einverständnis, dass ich den Inhalt des Telefonats mit der Frau öffentlich machen darf.»

Er würde seine Energie lieber für die Arbeit im Stadtrat einsetzen statt für diesen Nebenschauplatz, sagt Roger Huber. «Besonders in dieser schwierigen Situation müssen wir im Stadtrat jetzt die Stadt tragen und die Verwaltung unterstützen, die ihre Arbeit sehr gut macht.»

Er habe sich noch nicht überlegt, wie es weitergehen würde, wenn Geri Müller seinen Rücktritt erklären würde. Über eine allfällige Kandidatur als Stadtammann habe er sich noch keinerlei Gedanken gemacht.

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