«Levi Bo gibt sein einziges Konzert im Aargau bei uns im Prima Vista», war auf der Programmfahne des Badener Musiklokals zu lesen. Dabei wohnt der Künstler doch sozusagen um die Ecke in Kirchdorf? Will er sich in seiner Heimat rarmachen? «Nein», meinte Bo vor dem Gig lachend, «aber die sonst als langsam bekannten Berner waren dieses Jahr schneller als die Aargauer und haben mich bereits für mindestens 30 Konzerte gebucht.» Der 42-Jährige, der gerade mit seinen «Bluesaholics» ein Album einspielt und in verschiedenen Formationen oder solo auftritt, ist begehrt. Warum, zeigte er im Prima Vista mit der illustren Band, die er um sich versammelt hatte.

Neben ihm auf der Bühne standen Marc Gerber, Ex-Gitarrist von Polo Hofer, Markus Stephani, ehemals Krokus und Jungle sowie Pädu Ziswiler, der einst bei der verstorbenen Apaches-Legende Angi Burri den Takt schlug. Zusammen stellten die gestandenen Musiker ihre Professionalität und Vielseitigkeit unter Beweis und spielten sich quer durch die Pop- und Rockgeschichte der letzten 50 Jahre. Schon das Anfangsstück «Take it Easy» von den Eagles brachte es auf den Punkt. Eingängige Songs, sozusagen Gassenhauer, die jeder jenseits der 40 kennt, bestimmten das Programm. Ob Mani Matters «Hemmige», «I schänke Dr mis Härz» von Züri West oder Jahrhundertsongs wie «Stand by me» und «Sweet home Alabama»: Die vierköpfige Band stand mit ihren solide dargebotenen Coverversionen den Originalen in Nichts nach.

Gerber brillierte immer wieder mit virtuosen Gitarrensoli, für die es Extraapplaus gab. Bo (bürgerlich Bozdogan) zeigte sich trotz Erkältung stimmstark und wagte sich sogar an Joe Cockers Version von «With a little help from my friends», für die er allerdings einen Whiskey orderte. Das Publikum tanzte, klatschte und sang lautstark mit. Sogar die Bedienung wippte mit ihren Tabletts im Takt, während sie sich durch das vollgepackte Lokal schlängelte. Immer wieder schwang Levi seine langen Haare, an denen er ganz offensichtlich Freude hat, und bezirzte die Zuhörer und Zuhörerinnen mit der mitreissenden positiven Energie, die er ausstrahlt.

«Bin nicht mehr so beweglich»

Kein Mensch würde vermuten, dass er vor einem halben Jahr nach einem schweren Sturz mit zwei gebrochenen Halswirbeln im Spital lag, noch heute 50 Prozent krankgeschrieben ist und sagt: «Seit dem Unfall bin ich nicht mehr so beweglich wie früher.» Anmerken lässt er sich im Rampenlicht nichts und gibt Gas wie immer. The Show must go on.