Klatschnass steht Cortina hinter dem Festzelt und wiehert, was das Zeug hält. Der schweisstreibende Parcours, die unerwartete Frühsommerhitze, und jetzt auch noch dieser Journalist, der unablässig Fotos macht und von der Dame, die eben noch hoch oben im Sattel auf dem Rücken ihres Pferdes Cortina sass, wissen will, was denn eine gute Springreiterin ausmacht: «Kraft, Kondition, Feingefühl und vor allem viel Zuneigung und Verständnis für das Pferd», erzählt die Kreuzlinger Reiterin Valerie Jud und verpasst Cortina eine weitere kühlende Dusche mit der Pferdebrause.

Dass das alles nichts nützt, wenn das Pferd nicht bei der Sache ist, wird beim Anblick der schnaubenden Cortina auch dem Laien klar. «Ein Springpferd durchläuft eine lange Ausbildung, muss Wille und Leistung zeigen, bevor es überhaupt an einem Turnier wie hier in Kirchdorf auflaufen kann», erklärt Valerie Jud und führt die kräftige Cortina zurück zu ihrer Box. «Aber auch gut ausgebildete Pferde können Lampenfieber haben und nervös werden vor grossen Auftritten. An manchen Tagen hilft da nicht einmal gutes Zureden», lacht die Thurgauerin und streicht ihrem Pferd durch die schwarze Mähne.

Eigene Infrastruktur gewünscht

Neben Cortina waren an den vom Reitverein Lengnau und Umgebung (RVLU) organisierten Pferdesporttagen Kirchdorf rund 400 weitere Springpferde aus der ganzen Schweiz zu bewundern. Das tolle Wetter, die zufriedenen Besucher und die sportlichen Leistungen auf dem Parcours stimmten OK-Präsident André Weber sehr zufrieden. «Unser viertägiger Pferdesportanlass ist hier im Siggenthal ein Markenzeichen. Mit attraktiven Pferdesportevents, unserem Festzelt und mit der abwechslungsreichen Abendunterhaltung sind wir in den vergangenen Jahren zu einem richtigen kleinen Volksfest mutiert», freut sich Weber.

Trotzdem: Im Zentrum der Pferdesporttage Kirchdorf stand nach den grossen Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum des RVLU im letzten Jahr heuer wieder der sportliche Aspekt. «Wir haben zahlreiche Amateurreiter aus der Region am Start, freuen uns aber auch über einige professionelle Top-Reiter, die uns mit ihrem Besuch jedes Jahr beehren», erklärt Weber. Stolz ist er besonders darauf, dass der RVLU dieses Jahr zum ersten Mal die R/N 135-Prüfungen durchführen darf. Bei diesem Parcours werden die zu überspringenden Hindernisse auf 135 Zentimeter Höhe gelegt.

Höher wirds im Amateur-Pferdesport nicht. «Als Reitverein freut es uns besonders, dass man uns zutraut, Wettbewerbe mit diesem Schwierigkeitsgrad durchzuführen.» Das Einzige, was dem Reitverein Lengnau und Umgebung zu seinem Glück noch fehlt, ist eine eigene Infrastruktur. Bisher konnte sich der Verein keine eigenen Parcours-Geräte leisten und musste stets alles zumieten. «Alles, was wir haben, sind unsere Pferde, eine grüne Wiese und ein unglaubliches Fieber für den Reitsport», lacht André Weber und hofft, dass Cortina & Co. bei zukünftigen Pferdesporttagen in Kirchdorf bald über vereinseigene Hürden springen können.