Wettingen

Auf der Antiquitätenmesse fanden sich Raritäten und Kuriositäten

Die festlichen Kronleuchter und Lichterketten vom Neujahrskonzert hingen am Wochenende noch an der Decke des Tägerhardsaals und verliehen dem Trödel und der Kunst eine besondere Note.

Das neue Jahr mit Stöbern in alten Sachen zu beginnen, hat mit der 27. Grossen Antiquitätenmesse schon lange Tradition. Allein schon die Suche nach köstlichen Trouvaillen und kostbaren Raritäten macht Spass. Wenn der Eine und die Andere dann auch fündig wird und der Inhalt des Portemonnaies zum Fund passt, steht gar so manchem Glück nichts mehr im Wege.

Milchkännchen für 3600 Franken

Wem der Sinn und das Herz nach Kristallgläsern, Silberbestecken stand, hatte die Wahl der Qual. Besonders reich war auch die Auswahl an Porzellangeschirr aus namhaften Manufakturen von Rosenthal, Langenthal über Hutschenreuther, Nymphenburg bis Meissen. Tee-, Kaffee- und Wasserkanne, Zuckerdose, Milchkännchen und Tablett - komplett und aus Silber - war für 3600 Franken zu haben und trotzdem ein Schnäppchen, weil nur «wie» neu: Richtig neu, verriet der Händler, koste dasselbe beim Juwelier Meister an der Zürcher Bahnhofstrasse 21 000 Franken.

Mit Unterschrift von Zarli Carigiet

Ein echtes Sammlerstück war das Plakat zum «1. Züri Oberländer Drehorgel-Festival 1963» nicht nur wegen seines Alters, sondern noch viel mehr, weil es von dem darauf abgebildeten Zarli Carigiet handsigniert ist. Eine Dampfmaschine Jahrgang 1914 von Ernst Plank Nürnberg, war mit 1800 Franken angeschrieben; 2300 Franken sollte ein etwa 20 Zentimeter grosser Original Brienzer Bär von 1900 kosten. Der Händler pries ihn in den höchsten Tönen, er sei besonders «fein gehaaret» und eine Woche Arbeit reiche nicht aus, ein solches Tier zu schnitzen, wie eines heute neu gut und gerne 3500 Franken koste. Mindestens ebenso stolz war ein anderer Händler auf seinen Usego-Kaufladen aus Karton, datiert von 1943: Er sei seit 40 Jahren im Geschäft, aber nie zuvor habe er eine Krämerladen von Usego gesehen. Für 250 Stutz war er bereit, sich davon zu trennen.

Sieben Franken für Badener Fotos

Meterweise ordentlich aufgereihte alte Ansichtskarten; alter, neuer, echter Schmuck und Tand; Armband-Taschen-Tisch und Wand-Uhren; Teddybären, Bierhumpen, Petrollämpchen oder für 30 Stutz der sehr bedenkenswerte Ratschlag «Bewahret einander vor Herzeleid, kurz ist die Zeit, die ihr beisammen seid» - in Holz gebrannt und mit Nelken verziert. Nippes von Kitsch bis Krempel - alles wurde bestaunt, begutachtet, gekauft. Nicht selten für weniger Geld als angeschrieben. Tja, so ein Antiquitätenmarkt hat durchaus ein bisschen etwas von einem orientalischen Bazar. Sieben Franken Nachlass habe ich für die «Badenfahrt 1967 « zwischen Buchdeckeln herausgewirtschaftet. Auf den mitreissenden Fotos von Roger Kaysel, dem späteren Gründer des Badener Spielzeugmuseums, habe ich unter anderem Victor Rickenbach, damals Stadtschreiber, entdeckt. Und just vor dem Bernerhaus abgelichtet: Die heute 93-jährige Radsportlegende Ferdi Kübler mit seinem kleinen Sohn auf ihren Velos als Teilnehmer am Corso.

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