Wenn ein Künstler älter wird, nimmt er ein solches Ereignis zum Anlass, eine Jubiläumsausstellung zu veranstalten. Sven Spiegelberg, der in Brugg aufwuchs, aber seit seinem Studium die meiste Zeit in der Halde in Baden verbringt, ist so ein Künstler. Der 60-Jährige zeigt seine neusten Werke im Haus zum Seiltänzer in Baden.

Wie seine frühen sind auch seine neusten Werke sehr farbenfroh und bunt. Oft sind es philosophische Motive, die er in seinen Werken verwendet. Beispielsweise das Rad der Zeit, das sich in vielen seiner Bilder wiederfindet. Oder der Seiltänzer: «Er sucht nach einem Gleichgewicht zwischen Chaos und Ordnung.» Spiegelberg bezeichnet sich selbst auch gerne als Seiltänzer – er sucht sein eigenes Gleichgewicht zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.

«Ich bezeichne die Werke deshalb als meine inneren und äusseren Reisen.» Viele Eindrücke und Erfahrungen sammelte der Künstler im Ausland, als er während des Studiums als Reiseleiter arbeitete. Seine Lieblingsstadt sei Paris, wo er auch zur Kunst gefunden hätte. «Ich habe Literatur und Kunstwissenschaften studiert, nach dem Studium hatte ich dann aber genug vom Bücherlesen.»

Chagall als Vorbild

Oft vermischen sich die Grenzen zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit in Spiegelbergs Werken. So auch in seinen Techniken: «Ich habe meine eigene Mischtechnik entwickelt. Auch wie ich das Fliessende, wie es im Aquarell der Fall ist, auf Plexiglas bringe.» Er möchte die Schwingungen der Zeit aufnehmen und visualisieren.

«Die Freude, eine Grenze zu überschreiten und etwas Neues zu finden», sei eine Herausforderung, der er sich stelle. «Wie man so schön sagt: Die Lösungen von gestern sind nicht die Lösungen von Morgen.» Inspiriert wird er von französischen Künstlern, speziell von Marc Chagall.

Jedem Bild gibt Spiegelberg einen Namen. «Ich taufe die Bilder, wenn sie fertig sind.» Doch sei ein Bild erst ganz fertig, wenn es einen Platz gefunden habe: «Zuerst in der Galerie und später, wenn es in einem Raum ohne Konkurrenz von anderen wirken kann.»

Nebst dem Malen und Gestalten hat der lebensfrohe Geist noch einen Ausgleich, dem er frönt: «Das Töfffahren ist meine zweite Leidenschaft und Inspirationsquelle.» Nicht ganz so schnell wie Sven Spiegelberg mit seiner Harley sind die «Kloten Flyers» auf dem Eis unterwegs, für die er zurzeit an einer Figur arbeitet. Auf seinem iPhone hat er Bilder der halb fertigen Figur.

Mit dem Finger weist er auf den Punkt, wo sich ein Schlittschuh befinden soll. Des Laien Auge aber suchen vergebens im abstrakten Gebilde. Weiter zeigt er unscharfe Fotos der Eishockeyaner. «Um die Logos von den Trikots der Spieler auf meine Figur zu übertragen, habe ich Fotos während ihrer Spiele im TV aufgenommen.»

Der Frühaufsteher (sein Tag beginnt oft um 4 Uhr) arbeitet immer an mehreren Projekten gleichzeitig. So erzählt er auch vom Krampf, 2000 frisch gelieferte Kunstkalender vom Lastwagen in sein Atelier auf dem Bözberg zu schaffen. Dieses Jahr gibt es gar eine Gold-Editon, bei der natürlich sein persönliches Lieblingsbild, der «Time Traveller», nicht fehlen darf. Die Kalender wie auch seine Neujahrskarten und sein Buch verkauft er in einem eigenen Netzwerk, welches er sich über die Jahre aufgebaut hat. Sven Spiegelberg lebt für und von seiner Kunst, was ihn zu einem echten Künstleroriginal macht.

Jubiläumsausstellung

13. /14. /20. /21. Dez.; 3./ 4. /10./ 11. Jan.;

jeweils 11 bis 17 Uhr; Obere Halde 30