Dass sich eines der sechs Badenfahrt-Festgebiete auf der Hochbrücke befinden wird, stand schon länger fest. Dieser Zeitung liegen nun exklusiv die Pläne hoch über der Limmat vor. «Schuld» daran, dass die Hochbrücke zum Festgebiet mutiere, sei die Schulhausplatz-Baustelle, erklärt Festgestalterin Eliane Zgraggen. So werden die drei Fahrspuren während des zehntägigen Fests auf zwei reduziert und nur vom öffentlichen Verkehr benutzt. Somit verbleibt eine Fahrbahn inklusive Velostreifen mit einer Breite von 8,5 Metern als Festgebiet – Festbesucher können die Brücke auf den beiden Trottoirs Limmat auf- und abwärts passieren.

Auf den Plänen sticht als Erstes der imposante, 111 Meter lange Holzbau des OKs ins Auge, der sich von der Wettinger Seite über den Hauptbogen erstreckt. Zwei Gebäude an den Flanken des Baus behausen zwei Festwirtschaften und fassen den Innenhof wie eine Spange zusammen. «Wir wollten einen spektakulären Raum für die Öffentlichkeit ohne Konsumzwang schaffen», sagt Peter Heusler, OK-Mitglied und Architekt, der zusammen mit dem Festgestaltungsteam und «2×2 Architekten» aus Lenzburg den Bau entworfen hat.

Wie schon beim OK-Bau am Stadtfest 2012 auf dem Theaterplatz soll dieser aber nicht nur ein dekoratives Element sein. «Unser Ziel war es, den Bau weiterzuentwickeln und auch mit Utopien zu spielen», so Heusler. Sich also konkret die Frage zu stellen: «Was wäre, wenn: Wäre es etwa denkbar, dass in ferner Zukunft keine Autos mehr über die Hochbrücke fahren?»

Die Badenfahrt 1947 war das grosse Fest nach dem Kriegsende:

Überdimensionale Leuchtschrift

Rund 500 Quadratmeter misst der öffentliche Raum im Innenhof, der auch Sitzgelegenheiten hat. «Vom 1. Stock bietet sich eine fantastische Sicht über die Stadt, und die teilweise über die Brücke hinausragenden Terrassen werden für einen Höhenrausch sorgen», ist Zgraggen überzeugt. Doch der OK-Bau soll nicht nur wegen seiner imponierenden Erscheinung Festbesucher anlocken. So wird der öffentliche Raum vom OK und auch den beteiligten Vereinen mit kulturellen Darbietungen und künstlerischen Fixinstallationen bespielt.

Das auffälligste Element dürfte nachts die riesige, 18 mal 4 Meter grosse, von Matthias Gubler entworfene Kunstinstallation sein, die unter dem Brückenbogen hängt und an eine LCD-Anzeige erinnern soll. Angelehnt an das Festmotto «Versus» bildet die Anzeige während der zehn Festtage immer eines von insgesamt 100 gespeicherten gegensätzlichen Wortpaaren ab – ein Wort ist «Limmat aufwärts», das andere «Limmat abwärts». Das Spezielle: Um die Wortpaare kann jeder Festbesucher in der Mitte des OK-Baus spielen; immer zwei Spieler stehen sich gegenüber. Entwickelt wurde das Spiel in Zusammenarbeit mit der FHNW Brugg.

Auch das Figura Theaterfestival wird im OK-Bau präsent sein, und zwar mit «Mondoskop».

Dabei handelt es sich um neun mannshohe Kisten, die alten Spielautomaten ähneln. Nach dem Einwurf eines Einfränklers wird ein kleines Theater mit Text, Licht und Bühnenbild in Gang gesetzt – Figurenspieler werden quasi durch Motoren ersetzt. «Wir haben weitere Ideen, wie wir den öffentlichen Raum in Richtung Performance-Kunst und Artistik bespielen wollen», verrät Festgestalterin Zgraggen. Nebst dem OK-Bau mit den beteiligten Vereinen Mondloft und «BlauBlau» werden in Richtung Baden im «MescoBADENien» die antiken Hochkulturen in Baden erlebbar gemacht, und in Herrn Schmidt’s Hafenkneipe weht den Festbesuchern förmlich die Hamburger Meeresbrise durchs Haar.

Wenn Zehntausende Festbesucher auf der Hochbrücke verkehren und festen, stellt sich automatisch die Sicherheitsfrage. «Die Fahrbahn ist mit Betonwänden abgetrennt. Es wird aber Notausgänge geben», sagt Architekt Heusler. Zudem werden Netze angebracht, damit keine Gegenstände auf den Festbesuchern unterhalb der Hochbrücke landen. «Wir setzen aber vor allem auf die soziale Kontrolle und glauben, dass der öffentliche Raum der Sicherheit dienlich sein wird», ist Heusler überzeugt.

Flussrettungsübung: Diese Woche probten Feuerwehr und Rettungsschwimmer beim Limmatsteg für die Badenfahrt.

14. Juni 2017