Reise
Auf der Seidenstrasse: Wurde es brenzlig, gab er sich als Minister aus

Die Aargauer Familie Arnold ist zurück von ihrer dreimonatigen Reise auf der Seidenstrasse. Keine der vielen Befürchtungen von Verwandten oder Freundin sei eingetreten. Aber mit Polizisten und Soldaten hatten die Arnolds einige Male zu tun.

Martin Rupf
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Tajikistan - Pamir Highway mit Aussicht nach China
26 Bilder
Tajikistan - wilde Bergbäche
Tajikistan - Pamir Highway, karge Gebirgslandschaften auf über 4000 Meter über Meer.
Tajikistan, Pamir Highway, unwegsame Strassen
Packen vor der grossen Reise
Usbekistan - Polizeiattrappe am Strassenrand ;-)
Usbekistan Samarkand - Weltberühmte Moscheen Registan
Iran: Imam-Moschee Isfahan, Mamma Arnold liest aus dem Reiseführer vor
Iran - Riesenradfahren mit Handbetrieb
Iran - Imam-Moschee Isfahan
Iran - Kashan Wüste - Kamele bei unserem Landy
Iran - Nachtessen unter freiem Himmel
Iran - Tabas Salzsee - Andri am Aufgaben machen
Iran - Tabas Salzsee - Übernachtungsplatz
Iran - wildes Campen Takht-e Soleyman
Iran Hamedan - Verkauf von Wolle
Türkei: Das weltberühmte Kapadokien in seiner vollen Pracht
Türkei, Kapadokien: Kinder entspannen
Georgien - Feierabend
Familie Arnold auf Seidenstrasse-Reise

Tajikistan - Pamir Highway mit Aussicht nach China

zvg

Den Traum hatten sie schon lange. Bis sie ihn leben und umsetzen konnten, brauchte es viel Überredungskunst und Organisationstalent. Vor wenigen Tagen ist die Familie Arnold aus Ennetbaden von ihrer dreimonatigen Reise mit dem Land Rover zurückgekehrt.

Dabei befuhren Martina und Claudio Arnold mit ihren Kindern Gian (3), Sereina (6) und Andri (9) nicht etwa kinderfreundliche Regionen wie Skandinavien, Australien oder Nordamerika. Nein, die Reise führte vielmehr durch Länder und Regionen, die man nicht als Erstes mit Familienferien assoziieren würde: Die Route führte über die Türkei, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan, Kasachstan, Russland, Georgien rund um das Kaspische Meer.

«Pläne für eine solche Reise hatten wir schon länger», sagt Claudio Arnold. «Nachdem das Formelle geklärt war – die Schule und sein Arbeitgeber gaben das Einverständnis –, ging es an die Routenplanung.» Die ursprünglichen Ideen Afrika, Schwarzes Meer und Südamerika seien wegen Ebola, Ukrainekrise und Verschiffung ins Wasser gefallen. «So kamen wir auf die Idee, den Hauptteil der sagenumwobenen Seidenstrasse zu befahren.»

Zu diesem Zweck kaufte sich die Familie einen Land Rover und liess diesen umbauen. «Wir hatten zuvor schon andere Land-Rover-Ferien etwa in Botswana, Marokko, Kroatien oder Griechenland gemacht.» Doch das neue Vorhaben sei natürlich eine etwas grössere Schuhnummer gewesen. «Als wir unsere Pläne zum ersten Mal kommunizierten, mussten wir uns von einigen Seiten anhören, diese Reise sei doch viel zu gefährlich – gerade mit Kindern.» Insbesondere bei den Schwiegereltern habe es einige Überzeugungskraft gebraucht, sagt Arnold lachend.

Vermummte Männer kreuzen auf

«Natürlich haben wir uns so sorgfältig und gewissenhaft wie nur möglich vorbereitet und für die Reise sogar ein Satellitentelefon angeschafft, um jederzeit Hilfe holen zu können», so Arnold. Und nicht zuletzt hätten sie immer vor Ort Auskünfte und Infos von Ansässigen oder anderen Reisenden eingeholt.

Doch selbst dann lasse man sich natürlich auf viel Unbekanntes und Unvorhersehbares ein. «Doch keine der vielen Befürchtungen – Terror, Kriminalität, Krankheit oder Unfall – ist eingetreten.» Zumindest fast nicht. «Wenige Tage vor dem Ende der Reise habe ich mir ein Stück Zahn abgebrochen; mit der Nagelfeile liessen sich die Ecken und Kanten aber abschleifen.» Und das Schlimmste, was seiner Frau passiert sei, war der Moment, als die «Napoletana» kaputtging, weil sie vergessen hatte, Wasser in den Kaffeekocher einzufüllen.

Auch negative Begegnungen seien bis auf ganz wenige Ausnahmen ausgeblieben. Man dürfe nicht vergessen, dass in vielen Ländern ein striktes Alkoholverbot gilt oder Diktaturen für strikte Ordnung sorgen würden. «Nur einmal im Iran wurde es am Abend etwas ungemütlich. Wie so oft waren wir mit unserem Landy von der Hauptstrasse querfeldein ins Hinterland gefahren. Kaum hatten wir einen schönen Platz zum Übernachten gefunden, sahen wir, wie eine Staubwolke immer näher kam. Auf einem Geländewagen näherten sich vermummte Männer mit Maschinengewehren. In einem solchen Moment heisst es einfach Ruhe bewahren, vor allem auch wegen der Kinder.»

Es sei fast unmöglich gewesen, sich mit den Männern zu unterhalten, da diese kein Englisch konnten. «Nach langen Diskussionen, Telefonaten mit Vorgesetzten, Prüfungen der Reisedokumente gaben sie uns klar zu verstehen, dass wir hier nicht übernachten dürfen, worauf wir uns ein neues Nachtlager suchten.»

Natürlich seien sie auf ihrer Reise oft von Soldaten und Polizisten kontrolliert worden. «Doch mit einer Mischung aus Charme und Dummstellen haben wir jede Situation gemeistert.» Man dürfe sich einfach nicht stressen lassen. Manchmal griff Arnold auch zu einem kleinen Trick. Er hatte sich für die Reise extra einen Jux-Ausweis anfertigen lassen, der ihn als «Minister of Department Art and Culture des Government of Ennetbaden» auswies.

«Die Behörden in diesen Ländern sind sehr autoritätsgläubig, das hat je nach Situation nachgeholfen», so Arnold lachend. Aber Schmier- oder Bussgeld hätten sie auf der ganzen 20 000 Kilometer langen Reise kein einziges bezahlt. «Wir wurden zwar x-mal auf Überlandstrassen geblitzt, doch wenn wir angehalten wurden, haben wir einfach die ahnungslosen Reisenden gemimt, über die Route und Kinder gesprochen.»

Kulturell besonders beeindruckt sei die Familie vor allem vom Iran. «Es war sehr eindrücklich zu sehen, wie abgeschottet das Land ist, die Menschen aber gleichzeitig sehr offen, warmherzig und neugierig auf uns Ausländer zugingen. In Sachen Natur waren vor allem Tadschikistan und der Pamir-Highway entlang der chinesischen Grenze unglaublich eindrücklich.» Zum Ende der Reise gönnte sich die Familie noch einen zweiwöchigen Bade-Aufenthalt in Griechenland.

Wie hat sich die Reise auf das Familienleben ausgewirkt? «Die Geschwister haben näher zueinandergefunden. Man lebt schon sehr eng aufeinander und das während 24 Stunden. Zu Hause kann man den Konflikten ausweichen, wenn man zum Beispiel wieder zur Arbeit geht, was hier nicht möglich war. Und: Pärlizeit kannst Du natürlich vergessen; trotzdem hatten meine Frau und ich fast nie Krach.» Auch die Kinder hätten die Reise sehr genossen – Andri sogar trotz täglichen Büffelns –, sich aber wieder sehr auf ihr Zuhause gefreut. Arnold: «Während dreier Monaten lebten wir zu fünft auf acht Quadratmetern, jetzt haben wir wieder ein ganzes Haus zur Verfügung.»