Baden
Auf der Suche nach neuen Klangwelten

Die Jubiläumsreihe zu 20 Jahre GNOM bringt Überraschendes und Befremdliches zutage. Den Startschuss – speziell für den Aufführungsort entworfen – gaben unter anderem Komponist Germán Torro-Pérez, Saxofonist Lars Mlekusch und Philosoph Jens Badura.

Ursula Burgherr
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Germán Torro-Pérez, Jens Badura, Lars Mlekusch und Florian Bogner (v.l.) bestritten das erste Konzert der GNOM-Jubiläumsreihe.

Germán Torro-Pérez, Jens Badura, Lars Mlekusch und Florian Bogner (v.l.) bestritten das erste Konzert der GNOM-Jubiläumsreihe.

Ursula Burgherr

Das erste GNOM-Konzert 1993 dauerte fünf Stunden. Nicht ganz so strapaziös ging es beim Eröffnungsanlass des Jubiläumszyklus zu, der einige Exponenten aus den letzten 20 Jahren ins Historische Museum Baden zurückbrachte.

Komponist Germán Torro-Pérez, Saxofonist Lars Mlekusch, Klangregisseur Florian Bogner und Philosoph Jens Badura schufen zum Start unter dem Motto «Aufmerksamkeit» Texte, Musik und Klanginstallationen abseits gängiger Hörgewohnheiten, die sie speziell für den Aufführungsort entworfen hatten.

Zuerst berieselte das technisch verstärkte Rauschen der Limmat das GNOM-Publikum (GNOM = Gruppe für neue Musik Baden). Dann war Jens Baduras Stimme zu hören, der seine selber geschriebenen philosophischen Zeilen las: von Besitzergreifung des Geistes, Zuwendung und Konzentration war die Rede.

Seine Worte wurden wie ein Echo mit immer mehr Hall wiederholt, bis sie nur noch als unverständliche Tonfetzen wahrnehmbar waren und schliesslich ganz versiegten.

Es war oft so still im Raum, dass man bei jeder noch so kleinen Bewegung das Knarren der Stühle hörte. Diszipliniertes Zuhören war angesagt, und eben «Aufmerksamkeit».

Lars Mlekusch – notabene ein gebürtiger Badener der heute in Wien lebt – entlockte seinem Saxofon Töne, die man bisher gar nicht für möglich gehalten hätte. Auch sie wurden in einer Endlosschlaufe repetiert, darüber spielte er neue Themen, bis die Musik zu orchestraler Dichte anschwoll.

Plötzlich: absolute Ruhe. Flussrauschen. Und wieder Mlekuschs Saxofon; diesmal so fein und leise gespielt, dass man jeden seiner Atemzüge hören konnte. «Unsere Konzerte richten sich an Leute, die offenen Mutes sind und sich auf etwas einlassen, das sie noch nicht kennen», meinten GNOM-Organisatoren Hans-Jürg Meier und Dorothea Rust.

Statt Produktionen einzukaufen, wird jedes Werk auf den Ort massgeschneidert, wo es stattfindet – und ist damit ein Solitär.

Auch die Auftretenden der kommenden Abende zeichnen sich durch ihren Forschungstrieb und die Suche nach neuen Klangwelten aus. Entdeckungen und ungewohnte, bisweilen gar befremdliche akustische Erlebnisse sind garantiert.

Weitere Konzerte: Heute, 20 Uhr: «Chruum Chorn Chroone», Sampler Performance von Ronner und Schmucki, Texte Eugen Meier. (Hist. Museum)

Heute, 21.30 Uhr: «SOYUZ21DUO» Konzert von Mats Scheidegger (g), Gary Berger (Live-Elektronik), Wolfgang Lehmann (Video). (Historisches Museum Baden)

8. Juni, 16 Uhr: «Rede – Jubelruf» und «GNOM geht ins Stadtarchiv».

(Hist. Museum Baden)

8. Juni, 20 Uhr: «...non vanno in rime» Musik nach Francesco Petrarca für 16 Stimmen und 2 Lauten mit dem Vokalensemble Zürich. (Sebastianskapelle Baden)

Weitere Jubiläums-Konzerte: www.neuemusik.ch/gnom