Baden
Auf einen letzten Schwumm mit dem Stadtammann im Aussenbecken

Nichts, oder besser fast nichts, deutet darauf hin, dass das Thermalbad heute seinen Betrieb einstellen wird. Und trotzdem ist es so. Die az ging auf einen letzten Schwumm mit Stadtammann Stephan Attiger im Aussenbad des Thermalbades.

Roman HUber
Merken
Drucken
Teilen
Ein Bild mit fast schon historischem Wert: Stephan Attiger im Thermalbad.

Ein Bild mit fast schon historischem Wert: Stephan Attiger im Thermalbad.

Alex Spichale

Ein Hauch von Abschied liegt zwar in der Luft, als Stadtammann Stephan Attiger, der zum letzten Badetermin gekommen ist, einzelne Mitarbeitende auf ihren neuen Job anspricht. Und wenn sie zu erzählen beginnen von der schönen Zeit hier unten, spürt man den Kloss in ihrem Hals.

Sauber bis zum letzten Badegast

Auch wenn das Bad hygienisch und sauber gehalten wird bis zur letzten Stunde, bis zum letzten Badegast, so kann es sein Alter nicht leugnen – obschon der Betrieb funktioniert. Nebst schwachem Schwefelgeruch riecht man vor allem den Mief. «Die Eigentümer haben es bereits vor über 20 Jahren verpasst, das Bad zu modernisieren», sagt Attiger, der inzwischen in die Bermuda-Badehose geschlüpft ist. Dusche, Gänge, Boden, enge Garderobenkästen, wo man den Bauch einziehen muss, wenn man aneinander vorbeikommen will, ohne sich zu berühren – das Bad scheint älter zu sein, als die 50 Jahre, die es im 2013 geworden wäre.

Wehmut wäre darum ein falsches Signal, ist Attiger überzeugt. Die Badebetriebe im «Schweizerhof», im Novum Spa «Limmathof», «Hirschen» (Ennetbaden), «Blume» sowie andere Betriebe wie das «Hörnli» haben laut Attiger die Chance, sich neu zu positionieren. Wichtig sei, dass der Publikumsverkehr nicht zusammenbreche. Darum sei seine Kernbotschaft, dass die Schliessung des Thermalbades nur eine Momentaufnahme sei.

Es geht weiter im Bäderquartier

Es wird weiter gebadet, ist Attiger überzeugt. Es sei immer weiter gebadet worden, und das seit der Römerzeit. Dies stimmt Attiger zuversichtlich, dass die Zeit bis zur Eröffnung des neuen öffentlichen Thermalbades dank den bestehenden Badeanlagen im Bäderquartier und deren Wellness-Angeboten gut überbrückt werden könne.

«Jede Epoche hat sich durch Eingriffe manifestiert, die auf ihre Art auch polarisiert haben», sagt Attiger und erinnert an das Grand Hotel. Der Zukunft sieht er gelassen entgegen: Die Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung sei fast reibungsfrei über die Bühne gegangen. Noch mehr habe ihn erstaunt, dass der Gestaltungsplan als wichtigstes Instrument im ganzen Planungsverfahren nur zwei Einwendungen ausgelöst habe. Das zeuge von einer breiten Akzeptanz gegenüber dem Botta-Projekt der Verenahof AG. Der Stadtammann weist nochmals darauf hin, dass sowohl Wohn-/Ärztehaus wie der Längsbau des Bades in ihrer Höhe erheblich reduziert worden seien. «Dass die Architektur den einen gefällt und andern halt nicht, liegt in der Natur der Sache», fügt Attiger an. Das neue Projekt bringe zudem der Stadt die Chance, den Kurplatz zu vergrössern und die Limmatpromenade besser zu erschliessen.

Viel Zeit zum Schwimmen bleibt nicht. Ein paar Minuten noch an den Wasserdüsen, dann geht es für den Stadtammann zum nächsten Termin. «Es tut eben doch wohl», sagt Attiger, bevor er aus dem Bad steigt.