Oberrohrdorf

Auf ihren Segeltouren trotzen diese Abenteurer Stürmen, Packeis – und Eisbären

Jeden Sommer segeln Esther und Andreas Höchli um die Inselgruppe Spitzbergen. Sie verraten, wieso ihre erste Überfahrt eine Reise ins Ungewisse war und weshalb sie immer ein Gewehr dabei haben. Ihre schönsten Fotos und Filme zeigen sie im Kino Sterk.

Als Esther und Andreas Höchli vor neun Jahren zum ersten Mal über die Barentsee von Norwegen nach Spitzbergen segelten, war es eine Reise ins Ungewisse: Sechs Tage segelten die Oberrohrdorfer im Nebel mithilfe des Radars, immer auf der Hut, dem Packeis auszuweichen. «Wir segelten schon zwei Tage entlang der Hauptinsel, ohne sie zu sehen», erzählt Esther Höchli. «Aber plötzlich lichtete sich der Nebel – das war atemberaubend.»

Ihre erste Reise sei mehr als ein Abenteuer gewesen, sagt die 62-Jährige. «Es war eine Expedition.» Die Vorbereitungszeit dauerte zwei Jahre, Informationen über Spitzbergen zu erhalten, war damals enorm schwierig. Zudem mussten die Höchlis Seekarten auftreiben und unzählige Formulare ausfüllen, um die Bewilligung zur Überfahrt vom norwegischen Staat zu erhalten.

Sie brauchten ein Gewehr

«Wir mussten auch nachweisen, dass wir ein Gewehr an Bord haben», sagt Andreas Höchli (62). «Man darf ausserhalb der grösseren Orte nur mit geladenem Gewehr an Land gehen – wegen der Eisbären, die extrem gefährlich sind.» Das Gewehr hätten sie bis jetzt noch nie benützen müssen: «Wir sahen schon einige Eisbären, aber immer aus sicherer Distanz.»

Der Eisbär ist aber nicht die einzige Gefahr: Das Packeis, das zum Teil vom Nordpol bis nach Spitzbergen reicht, kann das Segelboot zermalmen oder gegen Land drücken. «Deshalb muss man die Eiskarte immer genau im Auge behalten», sagt der selbstständige Anwalt. Es kam auch schon vor, dass viel mehr Eis auf dem Meer trieb als vorhergesagt: «Als wir einmal um die nördlichste Spitze der Hauptinsel segelten, waren wir 28 Stunden in einem Eisfeld – bei dichtem Nebel.» Die Mitternachtssonne sei in solchen Fällen von grossem Vorteil, da man im Hellen segeln könne. Unter höchster Konzentration lotsten sie die Aluminiumjacht mit ihrem Sohn und einem Freund sicher durch das Eisfeld.

Das tückische Wetter

Eine weitere Herausforderung ist das Wetter: Es kann blitzartig umschlagen vom schönsten Wetter zu dichtem Nebel oder stürmischen Winden. «Wir mussten schon eine Woche in einer Bucht warten, bis wir weiter segeln konnten», sagt Esther Höchli. «Ein fixes Programm ist deshalb nicht möglich.» Hinzukommt, dass man völlig auf sich alleine gestellt ist, wenn man den Hauptort Longyearbyen auf Spitzbergen verlässt. «Man muss genug Medikamente, Vorrat und Ersatzmaterial dabei haben, um für alle Fälle gewappnet zu sein», sagt die Hausfrau. Und ihr Mann ergänzt: «Man muss so unterwegs sein, dass man sich in erster Linie selbst helfen kann.»

Der Norden hat die Familie Höchli schon immer fasziniert: Vor ihrer ersten Reise nach Spitzbergen segelten sie entlang der skandinavischen, schottischen und irischen Küste oder waren in der Ostsee und in Schweden unterwegs. Zuerst steuerten sie ein gemietetes Segelboot; 2002 kauften sie ihr eigenes, 43 Fuss (ungefähr 13 Meter) langes Boot. «Die karge Natur, die Berge, die Weite, die Einsamkeit – man ist weit entfernt vom grossen Rummel. Das fasziniert uns», sagt Esther Höchli. Seit 2005 verbringen sie den ganzen Sommer an der Packeisgrenze auf Spitzbergen – bei rund sieben Grad Celsius. Dass sie seither kaum mehr Hitzetage erleben, stört sie nicht: «Die sommerlichen Temperaturen vermissen wir nicht», sind sie sich einig. «Mit dem Film können wir unsere Faszination für den Norden weitergeben.»

«Ein Sommer in Svalbard – Impressionen: Do, 3. April, bis Mi, 9. April, jeweils um 18 Uhr, Kino Sterk, Baden.

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