Baden

Auf Römer folgen Inder: Das Restaurant «Kanchi» feiert Wiedereröffnung

Ramesh Padmanabhan (links) und Sivakumar Balakrishnan im neu eröffneten Restaurant «Kanchi».

Ramesh Padmanabhan (links) und Sivakumar Balakrishnan im neu eröffneten Restaurant «Kanchi».

Das Restaurant «Kanchi» hat seine Türen eröffnet. Wo früher im beliebten «Porta Romana» Pizza aus dem Holzofen serviert wurde, backen heute indische Köche Naan im Tandoori-Ofen.

Kaum schreitet man durch die «Römische Tür» ist man im indischen Palast angekommen. Ein Duft von Channa Masala, einem Kichererbsencurry, liegt in der Luft. Es wird am Selbstbedienungsbuffet des Restaurants «Kanchi» als Tageslunch angeboten. Seit gut einem Monat hat das «Kanchi» im ehemaligen «Porta Romana» an der Mellingerstrasse in Baden eröffnet. Die Neueröffnung hat eine lange Vorgeschichte.

Vor 24 Jahren nahmen die Dinge in Kerala, im Süden Indiens, ihren Lauf. Dort besuchten Ramesh Padmanabhan und Sivakumar Balakrishnan gemeinsam eine Hotelschule. Während Padmanabhan sich für den Essen und Getränke Service (F&B Service) spezialisierte, gab sich Balakrishnan dem Kochen von authentisch indischen Gerichten hin. Er wurde zu einem angesehenen 5-Sterne-Koch Südindiens. 1996 erhielt er ein Arbeitsangebot als Sous Chef und reiste mit seiner Familie in die Schweiz.

Vorgänger in Luzern

Im Jahr 2000 eröffnete er als Chefkoch das indische Restaurant «Kanchi» in Luzern. «‹Kanchi› bedeutet schön. Wir bieten mit unserer langjährigen Erfahrung authentisch indische Gerichte an, wie es bei anderen Wirten nicht oft der Fall ist», sagt Balakrishnan. Das Lokal entwickelte sich stark und ist nach wie vor bei einheimischen Gästen sowie bei indischen Touristengruppen sehr beliebt. Ein Restaurant hat nicht mehr ausgereicht. «Aufgrund von internationalen Firmen wie ABB oder GE, die viele indische Kontakte haben, herrscht im Raum Baden eine grosse Nachfrage an indischen Lokalen», sagt Balakrishnan, der seit sechs Jahren eng mit der «Indian Association Baden» zusammen arbeitet. Dieser Wunsch blieb nicht unerhört. Balakrishnan hat die Chance ergriffen, als er erfuhr, dass in Baden das ehemalige «Porta Romana» an der Mellingerstrasse leer steht.

Balakrishnan blieb über die Jahre hinweg in Kontakt mit seinem Freund Ramesh Padmanabhan. Nach der Hotelschule arbeitete er sechs Jahre im F&B Service auf einem indischen Kreuzfahrtschiff, danach als Manager von F&B Service sechs Jahre in England und neun Jahre in Dubai.

Als fest stand, dass die Geschäftspartner in Baden ein weiteres «Kanchi» eröffnen können, hat Balakrishnan nicht lange gezögert und seinen langjährigen Freund mit ins Boot geholt. Padmanabhan hat sofort zugesagt und ist für die Neueröffnung im April in die Schweiz gereist. «Wir haben immer über eine Zusammenarbeit gesprochen und nun ist es endlich so weit», meint Padmanabhan. Er ist Hauptverantwortlicher im «Kanchi» Baden und mit seiner langjährigen Berufserfahrung für die Qualitätssicherung zuständig. Ein bis zwei Mal pro Woche fährt Balakrishnan von Luzern nach Baden, um seinen Freund zu unterstützen: «Ich habe die Erfahrung im ersten «Kanchi» gesammelt und weiss, worauf es ankommt. Als Koch kann ich bei Personalmangel auch jederzeit einspringen.»

Mehr als ein Restaurant

Momentan arbeiten zwei indische Köche und zwei Servicemitarbeiter im «Kanchi» Baden. Für den Anfang reiche das aus, doch die Freunde haben Grösseres vor: «Unsere Gäste sollen im «Kanchi» etwas erleben», meint Padmanabhan. Neben den gewöhnlichen Tischen wollen sie traditionell indische Sitzgelegenheiten errichten; gegessen wird am Boden sitzend. Einrichtung, Dekoration und traditionelle Kupferplatten lassen sie aus Indien verschiffen. Gäste reservieren die separate Sitzgelegenheit, erhalten eine individuelle Bedienung und verweilen länger als bei einem üblichen Essen. In Zukunft soll ein Koch für Entertainment sorgen, indem er das Essen im Speisesaal live vor Augen der Gäste zubereitet.

Bis diese Erweiterungen zustande kommen, müssen die Geschäftspartner jedoch erst die Genehmigung durch die Behörden abwarten. Der Aargau sei kein Touristenkanton, weshalb sie keine Erlaubnis erhalten, Köche aus Indien anzustellen. Diese brauche es laut Sivakumar Balakrishnan jedoch dringend: «Nur wer in Indien kochen gelernt hat, kann die Speisen authentisch zubereiten.»

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