Knapp fünf Jahre sind seit der gescheiterten Fusion zwischen Baden und Neuenhof vergangen. Die damals verschmähte Braut – immerhin sagten 93 Prozent der Neuenhofer Ja zu einer Heirat mit der Bäderstadt – hat den Kopf seither aber nicht in den Sand gesteckt. Ein wesentlicher Pfeiler der «Strategie Vorwärts» bildet die Revision der Ortsplanung.

Basierend auf der Annahme, dass die Einwohnerzahl Neuenhofs von heute 8500 bis ins Jahr 2030 auf rund 10 000 anwachsen wird, ist eines der Hauptziele der Revision, dass die Gemeinde qualitativ wachsen kann. Die letzte Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) datiert aus dem Jahr 1998. Gestützt auf das vom Gemeinderat verabschiedete «Räumliche Gesamtkonzept» wurde nun die Gesamtrevision Ortsplanung erarbeitet. Bis Ende Monat liegt dieses noch zur Mitwirkung auf der Gemeinde, Abteilung Bau auf. Das sind die wichtigsten Fakten:

Zentral ist die Quartierentwicklung mit einer guten Siedlungs-, Freiraum- und Architekturqualität. «Das wollen wir vor allem durch Verdichtung erreichen», erläutert Peter Richiger, Leiter der Abteilung Planung und Bau. Damit das Bauland optimal ausgenutzt werden kann, soll die Ausnützungsziffer abgeschafft und die Grenzabstände vereinfacht werden. Die Ausnützungsziffer schreibt bisher vor, wie viel einer Landfläche tatsächlich genutzt werden kann. «Das führt zum Teil zu unbefriedigenden Situationen, weil wegen dieser Ziffer zum Beispiel ein Dachstock nicht ausgebaut werden darf», erklärt Richiger. Zur Qualitätssicherung werde dafür eine neue Grünflächenziffer explizit für die einzelnen Bauzonen definiert.

Ein weiteres Element der Revision ist zudem das Betriebs- und Gestaltungskonzept der Hauptverkehrsachse. Heute trennt die Zürcherstrasse das Dorf regelrecht. Ziel der Revision – es wird für den Abschnitt zwischen den beiden Kreiseln Eich und Landhaus gar eine separate Testplanung durchgeführt – ist es, diesen Raum aufzuwerten und insbesondere für Fussgänger und Velofahrer attraktiver zu gestalten. Ziel ist es ebenfalls, ein heute nicht wirklich existierendes Gemeindezentrum zu gestalten.

Neuenhof will sich – nicht zuletzt im Hinblick auf eventuell wieder aufkommende Fusionsgespräche – zu einem attraktiven städtischen Quartier entwickeln. Aus diesem Grund lässt die neue BNO auch Hochhausstandorte zu (so unter anderem im heutigen Industriequartier, gleich bei der Limmat (Ring- und Industriestrasse).

Weiter wird die ursprüngliche Dorfzone neue definiert, sprich reduziert. «Wir haben den Perimeter wieder etwas verkleinert, damit wirklich nur der alte Dorfkern erfasst ist», sagt Hanspeter Benz.

Das Gebiet Härdli, wo sich heute auch die Tennisplätze und Familiengärten befinden soll von der heutigen Zone für öffentliche Bauten und Anlagen zu einer gemischten Zone «Wohnen und Arbeiten» werden. «Das Gebiet liegt sehr attraktiv und ist durch die S-Bahnhaltestelle hervorragend erschlossen», so Bauvorsteher Hanspeter Benz.

Ein möglicher Ersatzstandort für die Tennisplätze und Gärten könnte am östlichen Dorfrand, auf dem Gebiet Langäcker entstehen. Hier plant die Gemeinde eine Einzonung in eine Sport- und Erholungszone. Dass dieses Gebiet im Siedlungstrenngürtel liegt, sei kein Problem, sagt Benz. «Heute wird hier nur Landwirtschaft betrieben. Mit dem vom Regierungsrat genehmigten Sachplan wird die angestrebte Nutzung unterstützt.» Im Siedlungstrenngürtel ist weiter ein sogenanntes Siedlungsei vorgesehen. In diesem sollen Bauten und Anlagen für den landwirtschaftlichen Betrieb – in Abwägung sämtlicher Interessen und betrieblichen Erfordernissen bewilligt werden können.

Im Dezember dieses Jahres soll die neue BNO dann zur öffentlichen Auflage kommen. «Wir hoffen, dass wir das ganze Paket der Gemeindeversammlung im Sommer 2016 vorlegen können», blickt Benz voraus.