«Turner» – in Anlehnung an den englischen Maler William Turner – lautete das Projekt des Badener Architektur-Büros Burkard Meyer, das auf dem Areal «im Sand» an der Rebbergstrasse hätte realisiert werden sollen. Geplant war eine Überbauung, bestehend aus zehn Terrassenhäusern mit 4,5 bis 6,5 Zimmern. Weil mit dem Projekt einer der letzten Rebhänge hätte geopfert werden sollen, war es dem Eigentümer Martin Bölsterli ein grosses Anliegen, eine in die Landschaft eingepasste Überbauung zu erreichen. Aus diesem Grund führte er einen privaten Architekturwettbewerb durch (die az berichtete). Im Sommer 2014 bewilligte der Gemeinderat das Projekt. Doch wird die Überbauung nicht realisiert, wie die «Ennetbadener Post» schreibt. Das Grundstück sei verkauft worden, die neuen Besitzer wollen ein anderes Projekt zur Genehmigung einreichen.»

Wieso hat Martin Bölsterli das Grundstück verkauft und somit auch die Pläne «seiner» Wohnüberbauung begraben? «Es waren wirtschaftliche Gründe, die mich dazu veranlasst haben», sagt Bölsterli. Auf Nachfrage präzisiert der 73-jährige Ennetbadener: «Als ich die Marktstudie machen liess, waren die Bedingungen für das Siegerprojekt noch gut.» Doch es habe sich schliesslich gezeigt, dass sich die Rahmenbedingungen – tiefe Hypozinsen, verknüpft mit strengeren Auflagen seitens der Banken – verschlechtert hätten. «Ursprünglich war es unser Ziel, erst mit der Realisierung des Projekts zu beginnen, wenn wir die Hälfte der Wohnungen verkauft haben», erklärt Bölsterli.

Doch die Nachfrage sei nicht so gross wie erhofft gewesen, worauf die Erkenntnis gereift sei, dass man das Projekt wohl umplanen müsse. «Schon der Entscheid, diese Parzelle, wo sich heute immer noch meine Reben befinden, zu verkaufen, war nicht einfach», sagt Bölsterli. Noch schwerer sei ihm der Entscheid zum Verkauf gefallen. «Der Käufer hat mir aber zugesichert, dass er sich der speziellen Lage absolut bewusst sei und die Überbauung der Parzelle dementsprechend angehen werde.»

Neu 14 Wohneinheiten geplant

Beim Käufer handelt es sich um die KMP Architektur AG mit Sitz in Wettingen. Zum Kaufpreis möchte sich Geschäftsführer René Müller nicht konkret äussern. «Wir haben einen marktkonformen Preis bezahlt». Schon konkreter äussert er sich aber zum angedachten Bauvorhaben, das aus einer Projektstudie hervorgegangen ist. «Wir planen eine klassische Terrassenhaus-Überbauung mit drei Baukörpern.» Insgesamt seien 14 Wohneinheiten angedacht – also vier mehr als beim ursprünglichen Projekt. «Das hat zur Folge, dass die Wohnungen etwas kleiner und dadurch auch preislich attraktiver werden», ist Müller überzeugt.

Die 5,5-Zimmer-Einheiten werden eine Bruttogeschossfläche von gegen 170 Quadratmetern aufweisen und die 4,5-Zimmer-Einheiten etwa 150 Quadratmeter. Und was wird man für die in etwa zahlen müssen? Müller: «Über die Verkaufspreise können wir beim heutigen Projektstand noch keine Aussage machen. Diese werden sich nach den Kosten und dem Markt richten.»
Einen grossen Unterschied zum Vorgängerprojekt bildet die Anordnung der Häuser. Wären diese parallel in den Hang gebaut worden, sollen die drei Baukörper nun dem Hangverlauf entsprechend längs, also in der Falllinie, angelegt werden. «Dazwischen wird es einen Abstand von rund 15 bis 20 Metern geben, wo theoretisch weiterhin Reben angepflanzt werden könnten», sagt Müller. Jeder Baukörper würde zudem über eine eigene Tiefgarage verfügen, «wodurch die einzelnen Frequenzen tiefer sein werden». Ziel sei es jetzt, das Vorprojekt im Sommer der Baukommission der Gemeinde vorzulegen und gegen Ende Jahr die Baueingabe zu machen, sagt Müller.

Emotionale Angelegenheit

Martin Bölsterli freut sich derweil, dass es den 16er-Jahrgang seines «Bö-Weins» noch geben wird. «Bis das Land bebaut wird, darf ich dieses beziehungsweise die Reben noch nutzen.»
Für ihn war und ist die Überbauung eine emotionale Sache. Diesen Rebberg kaufte einst sein Urgrossvater. Dann nahm dort die Familie Wohnsitz. Das stattliche Wohnhaus, das der erfolgreiche Badener Architekten Walter Bölsterli in dritter Generation selber baute, gilt als architekturgeschichtlich bemerkenswertes Wohnhaus. Alle drei Häuser auf dem Areal bleiben stehen. «Das war mein Wunsch», sagt Martin Bölsterli.

Und auch wenn sein Rebberg dereinst verschwinden dürfte, wird der «Bö-Wein» noch ein paar Jahre an diesen erinnern. «Dank seiner guten Alterungsfähigkeit werde ich sicher noch bis Ende dieses Jahrzehnts den eigenen Wein trinken können», gab Martin Bölsterli vor drei Jahren zu Protokoll.