Ausbildung
Damit die Schule kein Albtraum wird: Wettinger Tagesschule bringt Kinder mit Lernschwierigkeiten wieder auf Kurs

Die Tagesschule Lernpodium in Wettingen stösst auf viel Dankbarkeit. Doch für die Eltern ist die Schule nicht billig – staatliche Unterstützung erhalten sie keine.

Ursula Burgherr
Merken
Drucken
Teilen
Englischunterricht in der Kleinklasse: Die Schülerinnen und Schüler sind hochkonzentriert.

Englischunterricht in der Kleinklasse: Die Schülerinnen und Schüler sind hochkonzentriert.

zvg

82 Kinder und Jugendliche besuchen zurzeit die Tagesschule des Lernpodiums in Wettingen. «Wir unterrichten Jugendliche ab der 4. Klasse Primarschule sowie in der Oberstufe von der 1. bis 3. Klasse Sek und Bez», sagt Schulleiter Thomas Koemeter auf der grossen Dachterrasse, die zum Ausbildungskomplex gehört.

Vom Unterricht profitieren die Jungen und Mädchen vor allem wegen der Kleinklassen. Oft werden sie wegen Lernproblemen in die Privatschule geschickt. Einige für ein Jahr, andere bis zum Schulaustritt oder Übergang in die Kanti. Zwischen 1500 und 1700 Franken monatlich müssen die Eltern dafür berappen. Staatliche Unterstützung gibt es keine. Das ärgert Koemeter. «Es heisst von Regierungsseite immer wieder, wie dankbar sie ist, dass es Privatschulen wie die unsere gibt. Nur spüren wir das hier nicht. Man kommt weder uns noch den Eltern entgegen.» Auch die Schulbücher müssen aus der eigenen Tasche bezahlt werden.

Was Kinder und Eltern an der Schule schätzen

Ins Lernpodium kommen jedoch bei weitem nicht nur Kinder aus gutbetuchten Familien. Die meisten Eltern schicken ihren Nachwuchs dort hin, wenn er in der staatlichen Schule nicht weiterkommt; und für sie die sinnvollste Lösung eine gute Privatschule ist, um bildungsmässig wieder auf Kurs zu kommen.

In der bunt gemischten Truppe der 10- bis 17-Jährigen werden vor allem die Tagesstruktur und der familiäre Umgang geschätzt. In diesem Ambiente können sich auch Kinder mit Beeinträchtigungen wie Asperger Syndrom oder ADHS entfalten.

Das Lernpodium ist seit 2001 eine staatlich bewilligte Schule und befähigt zu entscheiden, ob ein Primarschulgänger fit ist für den Übergang in die Sek oder Bez. Zum 20-Jahre-Jubiläum gibt es am 18. September 2021 ab 10 Uhr ein Fest.

Schulleiter Thomas Koemeter auf der Dachterrasse des Lernpodiums in Wettingen.

Schulleiter Thomas Koemeter auf der Dachterrasse des Lernpodiums in Wettingen.

ubu

Auch Disziplin steht an der Tagesordnung

Auf vier Etagen verteilen sich 12 Schulräume. «Am meisten Zulauf haben wir in der 6. Primarklasse und der 2. Oberstufe. Viele Eltern mit Sprösslingen, die Lernschwierigkeiten haben, versprechen sich dank uns eine rasche Entscheidungsfindung für den Übertritt in die Oberstufe. Aber wir sind keine Steigbügelhalter. Es ist schwer, nach nur einem Jahr eine Beurteilung abgeben zu können. Uns ist es wichtig, dass sich die Kids langfristig bei uns entwickeln, und wir sie beobachten können», meint Koemeter. Nach einigen Jahren in einer Tagesschule kennt er seine Schützlinge punkto Arbeitshaltung, Intellekt und Flexibilität genau. Auf die Bedürfnisse der verschiedenen Kinder wird im Unterricht extrem Rücksicht genommen. Gleichzeitig steht aber auch Disziplin an der Tagesordnung. «Richtig Schreiben, Lesen, eine saubere Heftführung und Ruhe im Unterricht: solche Kriterien sind uns wichtig. Da fahren wir eher eine konservative Linie», bekundet der 62-jährige Schulleiter, unter dem 17 Lehrkräfte tätig sind.

Angefangen hat der gebürtige Gebenstorfer 1986 mit Sprachkursen und Nachhilfeunterricht in einem kleinen Büro in Wettingen. Noch heute wird beides am Lernpodium angeboten. Das Hauptgeschäft ist aber die Tagesschule. «Zu unterrichten ist eine Berufung», ist Thomas Koemeter überzeugt. Gemäss seiner Mutter hat er schon im Kindergarten erzählt, dass er einmal Lehrer werden möchte.