Baden
Ausbruch aus Bezirksgefängnis: Warum ging eigentlich der Alarm nicht los?

Nach dem erneuten Ausbruch prüft der Kanton sicherheitstechnische Massnahmen. Nach wie vor ist unklar, warum die zwei Insassen sich so einfach mit Leintüchern abseilen konnten. Die Alarmanlage funktionierte entweder nicht oder war ausgeschaltet.

Roman Huber
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Ein Bauarbeiter hat das Leintuch-Seil fotografiert. Keystone

Ein Bauarbeiter hat das Leintuch-Seil fotografiert. Keystone

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Eigentlich galt das Bezirksgefängnis in Baden als ziemlich sicher. Diese Meinung hat sich seit dem Ausbruch zweier Inhaftierter in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli jedoch schlagartig geändert. «Die Details zum Ausbruch sind immer noch Gegenstand laufender Abklärungen», erklärt Michael Hafner, stellvertretender Leiter Justizvollzug beim Kanton.

Am frühen Morgen sind die Spuren des Ausbruchs noch zu sehen: Die rumänischen Häftlinge seilten sich ab

Am frühen Morgen sind die Spuren des Ausbruchs noch zu sehen: Die rumänischen Häftlinge seilten sich ab

Leserfoto «20 Minuten online»

Die beiden Rumänen, die immer noch flüchtig sind, konnten für ihren Ausbruch einen Gitterstab durchtrennen. Wie ihnen dies gelingen konnte, sei immer noch Gegenstand der Abklärungen, heisst es beim Kanton. Hierzu mussten sie sich entweder in der Zelle einen harten Gegenstand zunutze gemacht haben, oder sie waren von aussen in den Besitz eines solchen gekommen. Danach gelangten sie in den Zwischengang im Dachgeschoss und zu den Lukarnen, deren Fenstergitter sie ebenfalls durchtrennten.

Alarmanlage ausgeschaltet?

Die Frage, wie ihnen das gelingen konnte, ohne dass der Ausbruch bemerkt wurde, wollte man beim Amt für Justizvollzug nicht beantworten. Begründung: «Zu sicherheitstechnischen Fragen werden keine Auskünfte erteilt.» Da jedoch der Gefängnisbereich im Bezirksgefängnis mit einer Alarmanlage ausgerüstet ist, muss angenommen werden, dass diese entweder nicht funktionierte oder ausser Betrieb war. Möglicherweise wurde sie ausser Betrieb gesetzt beziehungsweise konnte sie ausgeschaltet werden.

Die weitere Schilderung des Ausbruchs hingegen ist nachvollziehbar. Die Flucht über das Dach und mittels zusammengeknüpfter Bettwäsche die Gebäudefassade hinunter erscheint zwar als gefährlich und beinahe halsbrecherisch, dürfte jedoch relativ einfach gewesen sein. Laut Angaben von Michael Hafner haben die Flüchtigen die ihnen zur Verfügung stehenden Garnituren an Bettwäsche verwendet, um ihre Abseilkonstruktion zu erstellen. Nicht im Spiel war der neben dem Gebäude stehende Baukran, der ausserhalb der Arbeitszeit unbedienbar ist.

Bereits vor fünf Jahren, als Anfang 2011 gleich drei Insassen auf demselben Weg fliehen konnten, wurden Massnahmen getroffen. Dazu Hafner: «Nach dem Ausbruch 2011 wurden die Türen im Zwischengang zu den Lukarnen verstärkt und alarmgesichert. Zudem werden regelmässig Sicherheitsprüfungen durch externe Experten und jährliche Alarmchecks durchgeführt.»

Sicherheitslücke besteht

Offensichtlich besteht beim Bezirksgefängnis in Baden dennoch eine Sicherheitslücke. Darum wird der Ausbruchhergang auch genau geprüft. «Ob und welche Massnahmen nun mittelfristig getroffen werden, ist noch offen», kommentiert Hafner die Situation. Darum werde ein Handlungsbedarf im Bezirksgefängnis Baden sowohl im baulichen wie im betrieblichen Bereich derzeit auch geprüft. «Der entsprechende Bericht liegt aber noch nicht vor», sagt Hafner. Über die getroffenen Sofortmassnahmen würden verständlicherweise keine Ausführungen gemacht. Hafner bestätigt jedoch, dass solche getroffen worden seien.

Laut Angaben des Kantons hat es im Bezirksgefängnis Baden derzeit 34 Zellenplätze. Davon seien 29 belegt. Die Aufenthaltsdauer der Insassen ist sehr unterschiedlich und bewegt sich laut Hafner zwischen wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Von den beiden Rumänen fehlt laut Kantonspolizei jede Spur. Sie dürften sich laut Kapo bereits ins Ausland abgesetzt haben.

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