Baden

Ausgedient: Das wird die letzte Telefonkabine der Schweiz sein

Bis Ende November verschwinden alle Telefonkabinen, die es in der Schweiz noch gibt. (Archivbild)

Bis Ende November verschwinden in der Schweiz alle Publifone. Auch diejenige an der Bruggerstrasse im Badener Kappelerhof wird nicht verschont – sie wird aber als allerletzte abmontiert.

Öffnet man die Türe, fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt, in jene Zeit, als man ohne die Telefonkabine nicht nach Hause telefonieren konnte. Das Innere sieht noch aus wie damals in den 80er- oder 90er-Jahren: Roter Hörer, silbriger Münzkasten und Infotafel an der Wand mit Nummern, die dank des Internets niemand mehr braucht, wie etwa die 164, unter der man die aktuellsten Sportresultate erfährt.

Am Donnerstag teilte die Swisscom mit: Ende Monat wird es in der Schweiz keine Telefonkabinen mehr geben. 1995 gab es noch 58 000. Als allerletzte des Landes wird am 28. November diejenige in Baden abmontiert. Sie steht im Kappelerhofquartier. «Ich kann mich nicht erinnern, dass hier in den vergangenen Jahren jemand telefoniert hat», sagt ein Nachbar, der gerade beim Kiosk einkauft.

Telefonieren geht noch, SMS-Dienst aber nicht: Die Telefonkabine an der Bruggerstrasse in Baden kommt Ende Jahr ins Museum.

Telefonieren geht noch, SMS-Dienst aber nicht: Die Telefonkabine an der Bruggerstrasse in Baden kommt Ende Jahr ins Museum.

Ein Test zeigt: Das Telefon funktioniert noch. Sogar mit der Kreditkarte. Wenn schon ein Anruf, dann einer, der Nostalgie weckt: Wir wählen die eingangs erwähnte 164. Dies bietet sich auch darum an, weil die Kabine ausgerechnet an der Adresse «Bruggerstrasse 164» steht. Noch zu Beginn der 1990er-Jahre war diese Nummer bei Sportfans ziemlich wichtig.

War man beispielsweise in einer Wohnung in den Bergen ohne Ferneseher und Radio, hatte aber keine Geduld, auf die Zeitung am nächsten Morgen zu warten, wählte man diese Nummer. Es funktioniert noch immer! Eine Frauenstimme sagt: «Aktuelle Schlagzeilen: Fussball, Lausanne deklassiert Xamax im Schweizer Cup.» Kaum zu glauben, dass dieser Service im Internezeitalter noch aufrechterhalten wird.

Die Badener Kabine kommt ins Museum

Auf der Türe steht auf einem Kleber: «Telephone und SMS.» Die Zahlentasten des Telefons sind mit Buchstaben versehen, wie damals bei den Handys. Einmal im Leben noch ein SMS aus einer Telefonkabine versenden – diese Chance wollen wir uns nicht entgehen lassen. Doch leider sei der Dienst nicht verfügbar, heisst es auf dem Display.

Was tun? Auf der Infotafel an der Wand wird empfohlen, bei Problemen mit dem Telefon die kostenlose «Störungsannahme» (heisst heute Hotline) unter der 0800 800 800 zu kontaktieren. Wir wissen zwar nicht so recht, für welche Abteilung wir uns entscheiden sollen (Festnetz, Internet oder Handy), erreichen dann irgendwann aber doch eine Mitarbeiterin.

Als wir das Problem schildern, reagiert sie nicht etwa überrascht, sondern fragt als Erstes nach der Nummer der Telefonkabine (056 222 28 99). Es tue ihr leid, der SMS-Service sei leider ausser Betrieb, sagt sie. Wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilt, wird die Badener Telefonkabine ins Museum für Kommunikation in Bern kommen.

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