Mägenwil

Ausgefallene Delikatessen: Sie erobern mit der Welt die Schweiz

Im Lager verpacken Claudio Zimmerli und Andreas Husi die Bestellungen.

Im Lager verpacken Claudio Zimmerli und Andreas Husi die Bestellungen.

Estragon-Rucola-Senf, belgisches Bier aus Wasserkresse oder Linguine aus Italien. Andreas Husi und Claudio Zimmerli verkaufen online ausgefallene Delikatessen. Und die Produkte sind gefragter denn je.

Das Regal an der Wand im Untergeschoss des Gewerbeparks in Mägenwil wirkt noch sehr bescheiden. Es steht genau dort, wo einst Brack.ch seine Elektronikprodukte gelagert hatte.

Für Andreas Husi und Claudio Zimmerli, die Gründer von Ziano.ch, ist dieses eine Regal aber das Herzstück ihres Online-Geschäfts.

In Reih und Glied steht dort das belgische Bier aus Wasserkresse, der Estragon-Rucola Senf aus Niederbayern oder die Linguine aus Italien, die mit der Tinte des Tintenfischs gefärbt sind.

Es sind Kleinstnischen-Produkte, mit denen die beiden 28-jährigen Jungunternehmer Geld verdienen wollen. Seit Anfang April ist ihre Website aufgeschaltet. Dort kann der Kunde Delikatessen aus verschiedensten Ländern bestellen.

«Der Erfolg hat uns überrascht», sagt Andreas Husi. «Wir waren verblüfft, dass vom ersten Tag an Leute bei uns bestellten, denn wir konnten uns gar nicht erklären, woher sie unsere Website kennen», erinnert sich Zimmerli.

Innert sechs Wochen haben über 50 Kunden die Produktebox abonniert. Für knapp 40 Franken pro Box, werden die Abonnenten monatlich mit verschiedenen Produkten überrascht. «Pro Tag erhalten wir zudem im Schnitt 5 Bestellungen – Tendenz steigend», sagt Zimmerli. «Die Leute bestellen für rund 100 Franken.»

Doch wie kann das Konzept neben Coop, Migros, Globus, Manor und den unzähligen kleinen Feinschmecker-Geschäften funktionieren?

Zuerst die pragmatische Erklärung: «Grossisten fragen als erstes, wie viel Geld sie mit einem Produkt verdienen und brauchen dafür enorme Mengen. Wir dagegen arbeiten mit Herstellern, die den breiten Markt gar nicht beliefern können, weil sie von ihrem Produkt nur Kleinstmengen herstellen,» sagt Zimmerli.

Dann geraten die beiden ins Schwärmen. «Wir suchen nach Produkten, die nicht nur einzigartig und neu schmecken, sondern auch originell verpackt sind», sagt Husi.

«Das Wichtigste ist aber, dass die Delikatessen eine Geschichte haben. Wenn man Gäste bekocht, ist es doch grossartig, wenn man erzählen kann, dass die Spaghetti von einem Familienbetrieb in Italien kommen und die Nonna das Rezept nur durch ein lustiges Missgeschick entdeckt hat», sagt Zimmerli.

Das Wasserkresse Bier aus Belgien ist ein typisches Beispiel: Schon die Kelten brauten ihr Bier mit Wasserkresse. Die Herstellerfamilie, die selber Wasserkresse auf ihrer Farm «Sint Lucie» anbaut und Bier braut, hat solange experimentiert, bis sie das Rezept wiederentdeckt hat.

Verwandte helfen degustieren

Trotz des unerwarteten Erfolgs von Ziano.ch, sind Zimmerli und Husi noch lange nicht in der Gewinnzone.

Wie praktisch jeder, der klein anfängt, arbeiten die beiden jungen Männer bis tief in die Nächte hinein; verpacken jede Bestellung noch selber im Keller; verfassen all die Texte, mit denen sie Delikatessen beschreiben; suchen auf der ganzen Welt nach unbekannten Zutaten, Gewürzen, Saucen, Tees oder Spirituosen, und die müssen sie natürlich zuerst selber probieren.

«Beim Degustieren helfen uns aber auch unsere Verwandten», sagt Husi. Schliesslich dürfe man sich nicht nur auf den eigenen Geschmack verlassen.

Dass die beiden fast rund um die Uhr zusammen arbeiten, sei kein Problem. «Wir kennen uns, seit wir vier Jahre alt waren», erzählt Husi.

Die beiden haben als Buben gemeinsam beim FC Trimbach Fussball gespielt. Jahre später haben sie in Olten gemeinsam Wirtschaft studiert und ihre Abschlussarbeit über Brack.ch geschrieben.

«So lernten wir dessen Gründer Roland Brack kennen», erzählt Husi. Weil die beiden schon während des Studiums eine Website betrieben haben, auf der sie «Bubble Tea» aus Taiwan verkauften, lag die Idee, einen Delikatessen-Onlineshop zu gründen, nahe.

«Roland Brack war von der Idee überzeugt und hat das Start-up mitbegründet», sagt Husi. Zudem können die beiden die Räume und das Lager von Brack.ch mitnutzen.

Bis Ziano.ch so erfolgreich ist wie Brack.ch, braucht es allerdings noch so manche Bestellung.

Mehr Informationen unter ziano.ch

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