Da staunte Christian Dorer, Ex-Chefredaktor der «Nordwestschweiz», nicht schlecht, als er vor kurzem mit einem Mietauto durch Schässburg fuhr. Statt in einer Stadt im Nordwesten von Rumänien fühlte er sich fast wie in Baden. Der Grund: Vor ihm kreuzte ein alter Stadtbus der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden Wettingen RVBW die Strasse. Der nebenamtliche Busfahrer wurde neugierig und machte daraufhin das Depot ausfindig, wo er auf weitere alte RVBW-Busse traf.

«Die Busse sind seit rund elf Jahren in Rumänien im Einsatz», sagt RVBW-Direktor Stefan Kalt. Es handelt sich um Busse aus den 90er-Jahren, welche die gesetzliche Altersgrenze erreicht haben und in der Schweiz nicht mehr zugelassen sind. «Wir haben die Fahrzeuge zwischen 2006 und 2009 nach Schässburg geliefert, als wir neue Busse angeschafft haben», sagt Kalt. Bei der Überführung hatten die Fahrzeuge rund eine Million Kilometer zurückgelegt. «Die künftigen Chauffeure haben wir in Sachen öV und Technik geschult. Auch haben wir den Verantwortlichen noch alle vorhandenen Ersatzteile mitgegeben.»

1,6 Mio. Kilometer weit gefahren

Dass die ausrangierten Fahrzeuge in Schässburg ein zweites Leben führen, ist auf ein Patenschaftsprojekt zurückzuführen. Dieses wurde unter dem damaligen Stadtammann Josef Bürge initiiert. «Seit vielen Jahren unterstützt Baden im Rahmen der Städtepartnerschaft Schässburg», sagt Bürge. Dazu gehöre auch die Auslieferung von RVBW-Bussen. «Statt auf dem Schrotthaufen zu landen, erfreuen sie die dortige Bevölkerung.»

Dass dem so ist, hat auch Dorer erfahren, als er mit einem rumänischen Angestellten sprach. Er habe ihm erzählt, dass man nach wie vor sehr zufrieden mit den Bussen sei, die mittlerweile rund 1,6 Millionen Kilometer zurückgelegt haben. Die Fahrzeuge seien robust und hätten fast keine Elektronik.

Derzeit zirkulieren in der rumänischen Stadt zehn Fahrzeuge, davon zwei normale und acht Gelenkbusse. Doch in Zukunft könnten es mehr werden, wie RVBW-Direktor Kalt sagt: «In rund zwei bis drei Jahren wird die RVBW neue Fahrzeuge beschaffen. Es ist gut möglich, dass wir die Busse wieder nach Rumänien überführen.»