«Zustimmen oder widersprechen» ist der Titel der neuen Ausstellung im Wettinger Gluri-Suter-Huus, in der die beiden Künstler Valentin Hauri und Tashi Brauen ihre abstrakten Bildwelten aufeinanderprallen lassen. Gemeinsam haben sie ihre grossformatigen Exponate in Zweierformationen mit einem winzigen Abstand von jeweils acht Zentimetern aufgehängt und verhindern so den «ungestörten» Blick auf eines ihrer Einzelwerke.

Fast nahtlos gehen Brauens monochrome Acrylfarbflächen in die Ölmalereien mit den strengen geometrischen und architektonischen Strukturen von Hauri über. «Durch das Kombinieren unserer Bilder schaffen wir neue visuelle Erlebnisse. Das hat keiner von uns vorher gemacht», meint der in Turgi aufgewachsene, 64-jährige Hauri zur Doppelausstellung mit dem 26 Jahre jüngeren Berner Brauen. Ermöglicht hat das Ausstellungs-Experiment Galerieleiter Ruedi Velhagen, der gerne unkonventionelle Wege beschreitet, um das Publikum zu aussergewöhnlichen Sicht- und Denkweisen herauszufordern.

Kühler Minimalismus

Die feinen Risse, die Brauens Acryltableaux immer wieder durchziehen, sind natürlich kein Zufall, sondern gewollt. «Durch den Riss gibt es eine Faltung im Papier. Es entsteht eine Art Relief auf der glatten Textur. Das fasziniert mich», erklärt Brauen und fügt hinzu: «Risse sind endgültig; einer zu viel, und das ganze Bild ist futsch.»

Bei Hauris Exponaten sticht der kühle und strenge Minimalismus ins Auge. Diese Strenge kommt daher, dass er in der Alla-Prima-Technik, also Nass-in-Nass malt. «Alles entsteht in einem Ansatz und kann nicht korrigiert werden. Deshalb brauchte ich einen exakten Plan, bevor ich mit dem Pinsel die Farbe auftrug.»

Die Inspiration für seine teilweise fast mathematisch berechnet wirkenden, abstrakten Formen holt sich der international anerkannte Aargauer Maler aber aus durchaus sinnlichen visuellen und akustischen Impulsen im Alltag. Im oberen Stockwerk der Galerie Gluri-Suter-Huus sind 49 seiner Studien ausgestellt, die er später in Grossformat umsetzte. Das können Nähte einer Hose sein, ein CD-Cover, Auszüge aus einem handgeschriebenen Brief, ja sogar ein Bibelzitat des Propheten Elijah.

Im Galerie-Raum vis-à-vis, den Brauen bespielt, ziehen den Betrachter leuchtende ultramarinblaue und wiederum monochrome Farbtafeln in ihren Bann. Je länger das Auge darauf verweilt, desto mehr gibt es zu entdecken. Unter der Acrylschicht schimmern schemenhaft Szenen von Ausstellungen und Performances hervor, die Brauen im von ihm 2012 gegründeten Ausstellungsraum Counter Space in Zürich fotografiert und vergrössert hat. Weil sie schemenhaft unter der Farbe verborgen liegen, wird die Fantasie des Betrachters zu eigenen Interpretationen angeregt. Und es ist bei weitem nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. . .

Im untersten Stockwerk des Gluri-Suter-Huus zeigt Tomaz Gnuž den zweiten Teil seiner Gluri-Suter-Ausstellung «Soweit ich kam», der mit Digitaldrucken auf Textil, Blechprofilen und Steinen auf das Scheitern zweier Versuche eingeht, den slowenischen Berg Triglav zu besteigen.