«Im Februar fragte mich Schulleiter Hanspeter Vogt, der zugleich mein Lehrmeister ist, ob ich Interesse hätte, bei einem Pilotprojekt in Indien mitzumachen», sagt Vinzenz Uhr, der bei der BFS BBB im 4. Lehrjahr als Informatiker steht. Er sei sofort Feuer und Flamme gewesen. Auch seine Eltern hätten sich über das Angebot erfreut gezeigt, aber natürlich Bedenken angemeldet.

Schliesslich sei Indien schon eine etwas andere Welt. Dieses Pilotprojekt, das dem Austausch-Lernenden einen Arbeitseinsatz in seinem Beruf ermöglichte, wurde gemeinsam von der BFS BBB und der Organisation AFS entwickelt. AFS Schweiz ist seit gut 60 Jahren im Bereich von Mobilität und Jugendaustausch tätig und in über 50 Ländern vertreten.

Das überzeugte nicht nur die Schulleitung der BFS BBB, sondern auch die Eltern von Vinzenz. So stand denn der Reise des 18-Jährigen nach Delhi nur noch eins im Wege. «Es gehörte zu meinem Auftrag, eine gute Lösung zu finden, wie ich am Schulunterricht teilhaben und meine Prüfungen problemlos absolvieren kann, damit meine Schulleistungen nicht schwächer werden.»

Zusammen mit seinem Lehrmeister Hanspeter Vogt fand er einen Weg, die Daten kostengünstig nach Indien zu übermitteln. Mittels Kameras und Mikrofonen, die die Lehrpersonen der BFS BBB zuschalten konnten, wurde der wesentliche Teil der Unterrichtsstunde festgehalten, auf eine SD-Karte gespeichert und automatisiert auf einen Server gespielt.

Von dort konnte Vinzenz die Videos und seine Prüfungen herunterladen. Zu den allgemeinen Schulunterlagen hatte er – wie alle anderen Lernenden übrigens auch – dank dem Learning-Management-System der BFS BBB immer Zugriff.

Nun stand dem Koffer packen nichts mehr im Wege. Am 28. Juli gings für den Wohler los Richtung New Delhi, wo er von einer AFS-Betreuungsperson abgeholt und in die Unterkunft gefahren wurde. Auch zum neuen Arbeitgeber Adobe in Noida bei Delhi wurde er beim ersten Mal begleitet.

Danach fuhr er jeweils mit der Rikscha zur Arbeit. Vinzenz’ Aufgabe war, eine neue Website zu entwickeln. Eine nicht ganz einfache Aufgabe für einen Systemtechniker, da das Programmieren nicht zu seinen Hauptfächern gehört. Aber nach drei Monaten war die Website - sozusagen eine Google-Suchmaschine für Online-Spiele - geboren.

Im Moment läuft sie bei Adobe erst intern - das könnte sich aber bald ändern. Nicht nur die Arbeit hat dem 18-Jährigen Spass gemacht, sondern auch der Austausch, den er in der Unterkunft mit anderen Lernenden und Studenten pflegen konnte und die Erfahrungen, die er sammeln durfte.

Pilotprojekt wird analysiert

«Ziel eines solchen berufsbezogenen Einsatzes ist denn auch, die Sprachkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung zu fördern, den interkulturellen Austausch zu ermöglichen und fachliche Kenntnisse in einem andern Arbeitsumfeld zu gewinnen», sagt Mitinitiant Hanspeter Vogt.

Bei der Ausbildung werde allgemein Wert darauf gelegt, dass die Lernenden selber Wege erarbeiteten, wie man an eine Aufgabe herangehen könnte. Ziel des Pilotprojekts sei jedoch auch gewesen, Vinzenz mithilfe geeigneter ICT-Infrastruktur so gut zu unterstützen, dass er seine schulischen Leistungen, nebst dem 80-Prozent-Arbeitspensum, auch weiterhin auf hohem Niveau erbringen konnte. Was wunderbar funktionierte. Das Pilotprojekt wird nun von allen Seiten analysiert - weitere Projekte können folgen.

Wer sich, ob Lehrbetrieb oder Lernender, für solche Auslandseinsätze (ob reine Sprachaufenthalte oder auch Arbeitseinsätze, kurze, mittlere oder lange) während der Ausbildung interessiert, sollte den Informationsabend in der Aula des Gebäudes Martinsberg der BFS BBB in Baden nicht verpassen. Experten von AFS, der Schulleiter Hanspeter Vogt sowie der Indienreisende Vinzenz Uhr stehen gerne Red’ und Antwort.

Informationsabend

17. November, 18.30 Uhr, Aula BFS BBB