Letzte Woche hatten wohl nicht wenige der 62 Angestellten des Autocenters Baschnagel in Wettingen ein Déjà-vu. Viele von ihnen hatten sich bereits im Frühling 2017 in der Werkstatt versammelt, wo ihnen mitgeteilt wurde, dass der damalige Geschäftsführer René Fischer das Unternehmen den vier Besitzer-Familien abgekauft hatte. Gut zwei Jahre später wiederholte sich jetzt das Szenario. Die drei neuen Eigentümer Esmé Rockmann, Andreas Grossmann und Mario Widmer informierten die Belegschaft, dass ihnen René Fischer das Unternehmen rückwirkend auf Anfang Jahr übergeben hatte.

Die Nachricht dürfte nicht nur viele Angestellte überrascht haben, sondern auch langjährige Stammkunden des 101-jährigen Traditionsunternehmens. Denn der neue Eigentümer gab sich damals noch sehr euphorisch: «Das ist für mich ein sehr emotionaler Schritt. Ich bin sehr froh, eine so tolle Firma mit solch tollen Mitarbeitern übernehmen zu dürfen.» Was ihn nun, nur zwei Jahre nach der Übernahme, zum Verkauf bewogen hat, war von ihm nicht persönlich in Erfahrung zu bringen. 

Carrosserie wird ausgebaut

Dafür sprechen die drei neuen Eigentümer. «Wir übernehmen ein gesundes Unternehmen mit viel Potenzial», sagt Mario Widmer. Für den 46-Jährigen ist es quasi eine Rückkehr, hat er doch bereits von 1992 bis 1999 für das Autocenter gearbeitet und war dabei im Bereich Lackiererei tätig. Anders als Widmer waren die beiden anderen Eigentümer Esmé Rockmann und Andreas Grossmann bereits vor der Übernahme Teil der «Baschnagel»-Familie. Die 37-jährige Betriebswirtschafterin ist seit 2018 in der Firma und zeichnet für die Finanzen und das Personalwesen verantwortlich. Der 51-jährige Grossmann hat gar die letzten 30 Jahre in verschiedenen Funktionen – zuletzt als Stv. des Geschäftsführers –  gearbeitet. «Für uns ist es eine grosse Sache und Ehre, dieses Traditionsunternehmen zu übernehmen und zu führen», so Grossmann. Man sei sich der Bedeutung des Namens absolut bewusst und habe auch gegenüber der ursprünglichen Besitzerfamilie signalisiert, dass man selbstverständlich an den Marken festhalten werde. Rockmann ergänzt: «Wir übernehmen ein voll funktionierendes Unternehmen. Und weil wir an das Potenzial der Garage glauben, haben wir auch schon in die Firma investiert und werden das weiter tun.»

Zu den Gründen, weshalb René Fischer ihnen die Firma verkauft hat, äussern sich die drei Eigentümer nicht. Das sei die Angelegenheit von René Fischer. Nur so viel: «Wir hatten mit ihm immer ein sehr gutes Einvernehmen. Ihm war es wichtig, die Firma mit ihren Angestellten in gute Hände zu übergeben», so Widmer. Fischer habe sich deshalb auch erfreut und erleichtert gezeigt, dass die Last jetzt auf drei Schultern verteilt ist. «Und zwar auf drei Schultern, die sich ideal ergänzen», präzisiert Esmé Rockmann.

Für die rund 62 Angestellten und 9 Lernenden – alle werden weiterbeschäftigt – und die Kunden werde sich vorläufig nicht viel ändern. Grossmann: «Wir wollen für VW-PW und VW-Nutzfahrzeuge in der Region weiterhin der Ansprechpartner Nummer eins sein in Sachen Verkauf, Reparatur, Service und Camper-Vermietung.» Zudem werden man den Bereich Carrosserie und Lackiererei ausbauen, ergänzt Widmer. Nicht realisiert wird hingegen der Showroom in Spreitenbach, wie er noch vor zwei Jahren angedacht war.

Probleme mit Generalimporteur?

Überrascht von der Verkaufsmeldung zeigt sich auch Jürg Koller. Seine Frau Ruth Koller-Baschnagel ist die Tochter – nebst drei weiteren Geschwistern – von Firmengründer Alfons Baschnagel. Er selbst war während 30 Jahren Verwaltungsrat der Autocenter Baschnagel AG. «Ich habe auch erst Anfang letzter Woche vom Eigentümerwechsel erfahren. Die Meldung kam auch für mich überraschend.» Koller habe einen Tag nach dem Austritt von René Fischer kurz mit diesem telefonieren können. «Gesundheitliche Gründe haben ihn zu diesem schwerwiegenden Schritt bewogen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich immer wieder mit dem Generalimporteur Amag aufgerieben hat», mutmasst Koller. Für ihn sei das Autocenter und der Name Baschnagel immer noch eine Herzensangelegenheit. «Deshalb bin ich in erster Linie erleichtert, dass mit den neuen Eigentümern die Zukunft der Garage und die Kontinuität gesichert sind», so Koller.

Auf die möglichen Probleme mit dem Generalimporteur angesprochen, sagt Mario Widmer: «Das kann ich so für uns nicht betätigen. Im Gegenteil: Ich selber war zehn Jahr in beratender Tätigkeit für VW tätig. Wir haben heute ein sehr gutes, ja man kann sagen partnerschaftliches Einvernehmen.»