Die revidierte Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Stadt Baden wartet mit einer aargauischen Novität auf: Im Zentrum soll es möglich werden, Wohnbauten ohne Parkierungsanlagen zu erstellen.

Der Einwohnerrat hat mit 29 Ja zu 18 Nein den Stadtrat beauftragt, den BNO-Paragrafen 62 über «Autoreduziertes Wohnen» mit «Autofreiem Wohnen» zu ergänzen.

Parkplatzpflicht «nicht liberal»

Für Einwohnerrat Hannes Streif vom Team Baden gibt es keinen Grund, im Zentrum, das bestens mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen ist, autofreies Wohnen nicht zu ermöglichen.

«Warum soll ein Eigentümer nicht die Möglichkeit erhalten, auf Parkplätze zu verzichten, wenn er keine braucht, weil er kein Auto hat?», fragt er sich.

«Er muss sich mit Konzept und Grundbucheintrag ja dazu verpflichten.» Der Vorteil liege auf der Hand, so Streif: «Die Strassen werden dadurch entlastet.» Er fordert zudem freie Wahl statt Zwang: «Die Pflicht, Parkplätze im Stadtzentrum zu erstellen, ist nicht liberal.»

Zurzeit wird in Baden an verschiedenen Ort geplant. Die Möglichkeit des autoreduzierten und autofreien Wohnens dürfte darum für diverse Initianten der Projekte Post, Müllerbräu-Areal, Krismer-Hochhaus, Südhaus, Gartenstrasse, Kriesi-Areal und andere interessant sein.

Der Wegfall von Parkplätzen kann die Baukosten und damit auch die Wohnkosten erheblich reduzieren. Je nach Projekt und Erschliessung würden zwischen 30 000 und 45 000 Franken je Parkplatz eingespart.

Bisher hohe Ersatzabgaben

Die revidierte Bau- und Nutzungsordnung, wie sie dem Einwohnerrat vorgelegt worden ist, hätte bereits «autoreduziertes Wohnen» zugelassen, wenn bei einer Überbauung dieses Ziel möglich ist.

Die Zahl der Parkplätze soll man im Zentrum um bis zu 40 Prozent der Pflichtparkplätze, in der Innenstadt und im Gewerbegebiet Dättwil bis 50 Prozent und in den städtischen Aussenquartieren bis 60 Prozent reduzieren können.

Wurden die gesetzlichen Parkplätze bislang nicht erstellt, hatte der Bauherr hohe Ersatzabgaben zu leisten.

Ist autofreies Wohnen im Aargau zulässig? «Ja, kein Problem. Wenn die Bauherrschaft autoarmes Wohnen anbieten möchte, kann sie das, gestützt auf die gültigen Gesetze und Verordnungen», erklärt Simone Rangosch, Leiterin Abteilung Verkehr beim Kanton.

Gestützt auf einen Kommunalen Gesamtplan Verkehr könne eine Gemeinde sogar eine Bauherrschaft verpflichten, autoarmes Wohnen anzubieten, heisst es beim Kanton.

Gemäss Baudepartement liegt autofreies Wohnen in der Kompetenz der Gemeinde, solange Gesetze und Verordnungen eingehalten würden. Der Gemeinderat könne Zahl und Gestaltung festlegen.

Stadtrat Markus Schneider zeigt sich nicht über den Vorstoss, vielmehr über den deutlichen Entscheid des Einwohnerrates überrascht.

«Wir nehmen den Auftrag, autofreies Wohnen im Zentrum zu ermöglichen, entgegen. Wir müssen dabei aber die Zonierung nochmals genau ansehen», erklärt Schneider.