Baden
Autohaus Bauer macht Ende Juni dicht: «Ich sehe den viel zitierten Silberstreifen am Horizont nicht mehr»

Der Badener Garagen-Besitzer Andi Bauer nennt die Gründe für das Aus – und spricht über seinen emotionalen Brief an den Toyota-Boss in Japan.

Pirmin Kramer
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Vor sechs Jahren zog die Garage in den Neubau in Dättwil. Bauer: «Ich dachte, dass dieser Standort unsere Zukunft sichern würde.»PKR

Vor sechs Jahren zog die Garage in den Neubau in Dättwil. Bauer: «Ich dachte, dass dieser Standort unsere Zukunft sichern würde.»PKR

Pirmin Kramer

Bewegter Jahresstart für das Badener Gewerbe: Nach dem Möbelhaus «in!baden» gibt ein weiteres Traditionsunternehmen seine Schliessung bekannt. Das Autohaus Bauer in Dättwil beendet die Geschäftstätigkeit per Ende Juni 2017. Mit dieser Nachricht hat Inhaber Andi Bauer (52) seine 3000 Kunden per Brief und per Inserat im «Badener Tagblatt» überrascht.

«Kaum jemand hat diesen Schritt erwartet, auch meine Kollegen in der Automobilbranche nicht», sagt Bauer. «Ich hätte noch vier, fünf Jahre weitermachen können. Aber den viel zitierten Silberstreifen am Horizont, den kann ich nicht mehr sehen.» Die vergangenen Jahre seien für die Automobilbranche von Veränderungen geprägt gewesen: «Finanzkrise und Frankenschock haben der Branche zu schaffen gemacht. Die Margen sind zu klein geworden für einen mittelgrossen Händler, wie wir es sind. Nur noch die Grossen haben eine Chance, langfristig zu überleben.»

Vor 49 Jahren gründete sein Vater das Unternehmen, Andi Bauer arbeitet seit 32 Jahren im Betrieb, kurz vor der Jahrtausendwende übernahm er die Geschäftsleitung. Vor sechs Jahren erstellte er mit der Immobilienfirma, die sich ebenfalls im Familienbesitz befindet, einen Neubau in Dättwil, an bester Verkehrslage, 25'000 Autos fahren hier täglich vorbei. «Ich dachte, dass dieses Projekt unsere Zukunft als Autohändler sichern würde, aber leider haben sich die Rahmenbedingungen geändert.» Zwar habe das Autohaus auch im vergangenen Jahr einen Gewinn erwirtschaftet; dieser sei aber zu klein ausgefallen, um investieren zu können.

Brief an Firmen-Boss Akio Toyoda

Nun wird er die Firma an Adam Touring verkaufen, die führende Reifen- und Autoservicekette der Schweiz. «Die Firma ist an der Weiterbeschäftigung von Mitarbeitenden interessiert, das ist mir persönlich ein enorm grosses Anliegen. Mein wichtigstes Lebensziel war schon immer, ein guter Mensch zu sein, und ich habe sehr gerne Verantwortung für Mitarbeiter übernommen und sie gefördert.» Am zweiten Firmen-Standort im Gebiet Täfern sei eine Sanierung für einen neuen Mieter geplant, der bald bekannt gegeben werde.

Einen Brief hat Bauer nicht nur all seinen Kunden geschickt, sondern auch nach Japan an seinen obersten Boss – Akio Toyoda, Chef von Toyota, der Automarke, die Bauer jahrzehntelang vertrieb und mit der er sich voll und ganz identifiziert. «In meinem Herzen wird es Toyota immer geben», schreibt er. Es sei das beste Automobil der Welt, betreffend Qualität und Innovation, doch das sei Leuten in der Schweiz leider zu wenig bewusst, schreibt Andi Bauer in seinem Brief Akio Toyoda.

Die Philosophie der Firma ist in den vergangenen Jahrzehnten zu Bauers eigener geworden: Sie lautet «‹Kaizen» – die schrittweise, stetige Veränderung zum Besseren. Nun wird er sich beruflich verändern müssen – er freue sich auf die neuen Freiheiten und die Neuausrichtung. Wie es beruflich konkret weitergeht, wisse er noch nicht. Gut möglich, dass er wieder alle überraschen wird.