Niederrohrdorf
Autor wollte in seinem Krimi «keine normale Leiche»

Der Seklehrer und Alt-Vizeammann Max Mayer aus Niederrohrdorf hat seinen ersten Krimi geschrieben. Mit dem Schreiben eines Krimis hat sich der 58-Jährige einen Traum verwirklicht.

Erna Jonsdottir
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Max Mayer ist Autor des Krimis «Zufall», der auch auf dem Rohrdorferberg und dem Mutschellen spielt.

Max Mayer ist Autor des Krimis «Zufall», der auch auf dem Rohrdorferberg und dem Mutschellen spielt.

Alex Spichale

Im Kellerraum der Kreisschule Mutschellen riecht es nach Putzmittel und Blut. In der Liftkabine bietet sich den Kriminalpolizisten Marc Looser und Ernst Gartner ein grauenhafter Anblick - die Leiche einer enthaupteten Lehrerin. Weshalb der Täter die Frau ersticht und sie anschliessend postmortal durch den hydraulischen Lift köpfen lässt, bleibt vorerst ein Rätsel. «Ich wollte keine normale Leiche», sagt Max Mayer über das brutale Vorgehen des Mörders.

Der 58-Jährige ist der Autor von «Zufall» – ein Krimi, der unter anderem auf dem Rohrdorferberg und auf dem Mutschellen spielt. Mit dem Schreiben eines Krimis hat Mayer einen Traum verwirklicht. Und: «Ich wollte einfach wissen, ob ich so was überhaupt schaffe.» 500 Stück hat Mayer im Eigenverlag drucken lassen. «150 habe ich verkauft und rund 200 verschenkt.»

Obwohl er in Baden seine Vorschuljahre verbracht hat und seit über fünf Jahrzehnten in Niederrohrdorf wohnt – sein Akzent verrät bereits nach den ersten Sätzen eine andere Herkunft. «Hört man das noch?», fragt der Ostschweizer aus Ermatingen und lacht. «Als ich in den Bezirk Baden kam, fuhr die Eisenbahn in Baden noch über den Schulhausplatz und Niederrohrdorf war noch ein Bauerndorf», fügt er an.

Einsam in einem Bergdorf

Die Ideen für seinen ersten Krimi kamen ihm aber nicht in seinem Haus auf dem Rohrdorferberg, sondern im Bündnerland. Ohne Plot fuhr er Mitte Oktober 2013 in sein Ferienhaus in Tschamut. «Ich wollte erleben, wie es einwintert.» Er sei begeisterter Krimileser, die Bücher vom norwegischen Musiker und Autor Jo Nesbø möge er am liebsten. «Ich wollte aber keinen düsteren Krimi schreiben, wie man ihn aus dem hohen Norden kennt.» Während zweier Monate in einem einsamen Bergdorf zu leben, sei jedoch sehr inspirierend gewesen. Sechs Wochen nach seiner Ankunft in den Bergen lag das Skript auf dem Tisch. Eine kurze aber intensive Zeit – «schlimm war der Anfang», erinnert sich Mayer. Nach der ersten Hürde sei die Zeit dann wie im Flug vergangen.

Erfunden hat er längst nicht alles. Viele Szenen widerspiegeln seine eigenen Erfahrungen, auch wenn etwas überspitzt und örtlich verändert. Humorvoll schildert der Alt-Vizeammann Szenen aus dem Gemeindehaus und verbindet sie mit kleinbürgerlichen Problemen sowie nationaler Politik. Mayer kam 1998 in den Gemeinderat von Niederrohrdorf. Zwölf Jahre später trat er als Einziger für die Wiederwahl an und wurde zum Vizeammann ernannt. Kurz nach seinem Amtsantritt 2010 gab er aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt. «Ich hatte eine Entzündung des Herzmuskels und musste mein ganzes Leben umkrempeln.»

Sein Job als Oberstufenlehrer und sein Amt im Gemeinderat hatten ihn über die Jahre zu sehr belastet. «Als Gemeinderat übernimmt man in der Regel auch die Verantwortung von Kommissionen.» Trotzdem sei es eine schöne Zeit gewesen. «Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt und diverse Projekte geholfen zu realisieren, wie die Haltestelle Heitersberg, den Aufbau des Zivilschutzes und der Spitex sowie den Umbau des Gemeindehauses.» Während dreizehn Jahren erlebe man vieles. «Als sich meine Eltern 1962 in Niederrohrdorf ein Haus kauften, machten die einheimischen Bauern Politik, die Zugezogenen mussten sich anpassen.» Niederrohrdorf habe sich in den letzten Jahren enorm entwickelt.

«Sexting» an der Schule

Der Fundort der Leiche in seinem Krimi ist übrigens auch kein Zufall: Mayer unterrichtet seit 34 Jahren an der Kreisschule Mutschellen als Seklehrer. Eine Leiche gab es dort zwar noch nie – dennoch thematisiert er Probleme aus seinem Lehreralltag wie das «Sexting». «Girls werden enorm von den Jungs unter Druck gesetzt.» Die Digitalisierung habe die Gesellschaft verändert und bringe vor allem für Jugendliche viele Gefahren mit sich. «Die meisten Jungs wissen nicht, dass sie sich mit dem Versenden von Pornos strafbar machen.»

Leider funktioniere das mit der Erziehung heute nicht mehr überall. Mayer, der selber drei erwachsene Kinder hat, will seinen Beruf als Lehrer in fünf Jahren niederlegen. Nicht etwa, weil ihm das Unterrichten keinen Spass mehr macht oder ihn die gesellschaftlichen Probleme erdrücken. «Ich möchte noch reisen gehen so lange ich gesund bin.» Doch das ist nicht alles: An Weihnachten will er mit dem Schreiben seines zweiten Krimis beginnen. «Die nächste gruslige Leiche habe ich bereits im Kopf», sagt er und lacht. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.