Baden und Wettingen
Autos, Geburten, Sozialhilfequote – wo die beiden Nachbarstädte anders ticken

Raten Sie mal, wo Frauen häufiger Kinder zur Welt bringen – in Baden oder Wettingen? Antworten auf solche und andere Fragen liefert die neuste Publikation des Schweizerischen Städteverbandes. Mit teils verblüffenden Ergebnissen.

Pirmin Kramer
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Baden tickt in einigen Dingen überraschend anders als Wettingen. Und umgekehrt.

Baden tickt in einigen Dingen überraschend anders als Wettingen. Und umgekehrt.

Sandra Ardizzone

Die meisten Zahlen – beziehungsweise Unterschiede zwischen Baden und Wettingen – lassen sich leicht erklären. So gibt es in der Stadt beispielsweise deutlich mehr Jobs als in der Nachbargemeinde; kein Wunder, haben sich in der Stadt doch Axpo, ABB und General Electric angesiedelt.

Einige Unterschiede sind jedoch durchaus verblüffend. Zum Beispiel wie eingangs erwähnt die Geburtenrate. Sie war in Baden und Wettingen bis vor kurzem noch fast gleich hoch. 2009 gab es in Baden 9,7, in Wettingen 9,0 Geburten pro 1000 Einwohner(innen). Seither gab es in Baden aber offenbar einen Baby-Boom. Die Geburtenrate in der Stadt ist auf 12,3 angestiegen, während sie in Wettingen bei 9,6 liegt.

Diese Entwicklung sei kein Zufall, ist der Zürcher Soziologieprofessor François Höpflinger überzeugt. «Es ist heute in Städten gerade für Doppelverdiener einfacher als auf dem Land, Erziehung und Beruf zu vereinbaren. Dies in erster Linie dank guter Betreuungsmöglichkeiten und Bahnhofsnähe. Darum bevorzugen junge Familien vermehrt die Stadt als Wohnort. Als Folge davon steigt dort die Geburtenrate, während sie in ländlichen Gebieten sinkt.»

Weitere spannende Zahl: Die Sozialhilfequote. «Jahrzehntelang war die Sozialhilfe ein mehrheitlich urbanes Phänomen», sagt Höpflinger. In Wettingen ist die Quote mit 3,5 Prozent höher als in Baden (2,1 Prozent). Auffallend: der starke Anstieg in Wettingen in den vergangenen fünf Jahren (+0,6 Prozent). In Baden stieg die Zahl im selben Zeitraum nur um 0,3 Prozent. Die Verschiebungen hätten mit dem Wohnungsangebot zu tun.

«Einkommensschwache Menschen können sich die Stadt immer weniger leisten. Sie suchen Wohnungen ausserhalb. Darum steigt dort die Sozialhilfequote.» In Baden und Wettingen haben sich die Mietpreise zwar angeglichen. «Aber in Städten gibt es tendenziell mehr Genossenschaftswohnungen als in Gemeinden. Wer wenig Miete bezahlt, kommt eher ohne Sozialhilfe aus.»

Interessanterweise gibt es auf 1000 Einwohner in Wettingen (489) weniger Autos als in Baden (533). Grundsätzlich gilt: Städte haben den geringsten Anteil Personenwagen pro Einwohner, weil in den dicht besiedelten Ballungszentren der öffentliche Verkehr dominiert. Warum haben mehr Badener ein Auto als Wettinger? Die simple Erklärung: «Baden ist eine einkommensstarke Stadt, hier können sich mehr Leute ein Auto leisten.»

Rätselhaft hingegen: Die Aufenthaltsdauer in Hotels. Baden positioniert sich aktuell erfolgreich als Kongressstadt. Die Logiernachtzahlen sind zuletzt um 25 Prozent angestiegen. Baden hat entsprechend ein Vielfaches an Hotelgästen als die Nachbargemeinde. In einer Statistik hat Wettingen aber die Nase vorn: Einmal im Hotel angekommen, übernachten Gäste in Wettingen (3,1 Nächte) im Schnitt einmal mehr als in Baden (2,1 Nächte). Ein Rätsel, für das auch Badens Standortmarketingleiter keine Erklärung hat.