Wenn er auf seinem Fahrrad durch die Landschaft fährt, wenn der Fahrtwind seinen Kopf durchpustet und ihn frei macht, dann setzt Hans Oldani sich anschliessend hin und schreibt seine Geschichten in einem Rutsch auf. «Das sind dann meistens die besten», verrät er im Gespräch. Dieses findet im Restaurant Gnadenthal statt: Den Ort, den er sich ausgesucht hat, um fotografiert zu werden, weil es am Wasser ist, weil die Natur spürbar ist. «So viel Aufwand für einen einfachen Schreiberling?», wundert er sich vor dem Termin mit dem Fotografen der Aargauer Zeitung noch.

Hans Oldani ist von Beruf Lehrer, und das seit über 40 Jahren. Er unterrichtete in dieser Zeit sowohl Primar- wie auch Real- und Sekundarschüler. Vor einigen Jahren jedoch pausierte er von seinem Beruf, versuchte sich als Journalist – und entdeckte die Liebe zum Schreiben wieder. «Es ist wie eine Sucht», sagt der 64-Jährige, der schon als Schüler gerne textete. Er begann, wieder regelmässiger zu schreiben. Aber nicht nur redaktionelle Berichte, sondern kurze Geschichten, aus dem Alltag gegriffen, witzig und zugespitzt. «Schmunzelgeschichten» nennt Oldani seine Werke.

Tornado unter der Dusche

Trotz seiner Schreibeslust zog es Oldani nach zwei Jahren als Redaktor beim «Reussboten» in seinen Beruf zurück. «Im Journalismus muss man anderen Menschen auch mal an den Karren fahren», so Oldani, «und auch ab und zu über etwas schreiben, das nicht allen passt.» Damit habe er Mühe gehabt, gibt er zu. «Ich bin eher ein Mensch, der es gerne allen recht machen will.» Seinen «Schmunzelgeschichten» jedoch blieb er treu.

Dutzende hat er bis heute verfasst und die besten davon in ein kleines Büchlein gepackt. Geschichten über effiziente Arbeit am stillen Örtchen, Diskussionen über Speck und Bohnen bei der Krampfaderoperation oder über die Sache mit dem Tornado unter der Dusche. Viele sind auch nach seiner Zeit als Redaktor unter dem Pseudonym «Jean» im «Reussboten» und in der Aargauer Zeitung als regelmässige Kolumnen erschienen.

Lieber Zahnarzt als Urologe

«Ich kann vieles ein wenig, aber nichts richtig gut. Das Schreiben jedoch beherrsche ich einigermassen.» Oldani ist bescheiden. Die Geschichten halten nämlich, was sie versprechen: Sie lassen den Leser nicht nur schmunzeln, sondern oft auch lauthals lachen. «Das Schöne am Schreiben ist, dass man immer wieder etwas verändern kann. Mit der Sprache spielen kann. Es ist auch so, dass ich besser schreibe als spreche», sagt Oldani und lacht.

Der erste Mensch, der seine Geschichten jeweils zu Gesicht bekommt, erzählt er, sei seine Frau. Für ihre Kritik ist er stets dankbar, auch wenn sie streng sei: «Sie achtet besonders darauf, dass es nicht zu schlüpfrig wird», sagt Oldani mit todernstem Gesichtsausdruck. Ein Kriterium, welches sich jedoch bei Oldanis persönlicher Lieblingsgeschichte nur knapp durchgesetzt hat: «Dann lieber zum Zahnarzt …» lautet der Titel der Geschichte, welcher gleichzeitig auch seinem Büchlein den Namen gab. Die Geschichte schildert recht anschaulich einen Besuch beim Urologen.

Es sei schon lange ein Traum von ihm gewesen, ein Buch herauszugeben. Da er jedoch immer noch seinem Beruf als Lehrer nachgeht, sei daraus halt nur ein Büchlein geworden. Der Tatsache, dass heutzutage jedermann ein Buch herausgeben kann, gewinnt Oldani nur Positives ab: «Es ist doch toll, dass jeder schreiben kann, wenn er Freude daran hat. Es ist eine kreative Sache, und es wird ja niemand zum Lesen gezwungen.»

Mit seinen Geschichten bleibt Oldani stets auf der Sonnenseite des Lebens. Das Schreiben über ernste Themen überlässt er lieber anderen. Auf die Frage, ob es noch ein Thema gebe, aus dem er unbedingt eine Geschichte machen möchte, antwortet Oldani: «Eigentlich nicht. Ich hoffe immer darauf, dass mich die Geschichten anspringen».