Kultband
«Baby Jail» bringen das Royal zum Beben

Nach 18 Jahren steht die Kultband «Baby Jail» wieder auf der Bühne. Im Rahmen ihrer Reunion-Tour besuchten die Zürcher am Wochenende das Royal in Baden und überzeugten mit ihrem Punk-Schlager-Mix.

Sandra Ardizzone
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Wiedervereinigung: «Baby Jail» standen im Royal nach 18 Jahren Pause wieder auf der Bühne.

Wiedervereinigung: «Baby Jail» standen im Royal nach 18 Jahren Pause wieder auf der Bühne.

Am Samstag kehrte das Badener Kulturlokal Royal zu seinen Wurzeln zurück – wenn auch nur für einige Minuten. Bevor die Kultband Baby Jail die Bühne betrat, eröffnete sie den Abend mit einer Vorführung ihres neusten Videoclips. Auf der ehemaligen Kinoleinwand sprangen die vier Musiker als Kuh, Biene, Huhn und Schwein verkleidet herum und sangen dazu ihren neusten Hit «Ländlerworkshop». Die Videosequenz machte Hoffnung auf eine farbige Show voller Überraschungen. Als die Musiker die Bühne dann in Strassenkleidern betraten, war zunächst eine Enttäuschung zu spüren, die allerdings nach wenigen Liedern heller Begeisterung wich. Spätestens bei ihrem grössten Hit «Tubel Trophy» hatten Baby Jail das Publikum in ihren Bann gezogen.

Vor vollem Haus spielten die Zürcher ganze zwei Stunden lang Hits aus ihrer langen Karriere. 1984 waren sie erstmals gemeinsam aufgetreten, ihr Besuch im Royal fand im Rahmen der Reunion-Tour statt. Nach 18 Jahren standen Baby Jail im Frühjahr erstmals wieder gemeinsam auf der Bühne. «Wir hatten Lust, mal wieder Konzerte zu spielen», erklärt Frontmann Boni Koller. «Es sollte allerdings keine reine Nostalgie-Tour werden. Deshalb haben wir auch neue Lieder geschrieben und zeigen einen Mix aus vielen Jahren Baby Jail.»

Mit ihrer rockigen Musik, die eine Mischung aus Punk und einer Prise Schlager ist, brachten Baby Jail das gesamte Royalpublikum zum Tanzen. Dass viele Zuschauer im Alter der Musiker waren, fiel auch dem Sänger auf. «Es fühlt sich an wie ein Klassentreffen von Leuten, die schon vor 20 Jahren unser Konzerte besuchten», sagt Koller.

Die Texte der Band sind manchmal etwas makaber, meist politisch angehaucht und fast immer provokativ. Eine Mischung, die beim Publikum am Samstag sehr gut ankam. Egal, ob die Lieder auf Englisch, Schriftdeutsch oder Mundart gesungen wurden. Überragend waren Gitarrist Nico Feer und Schlagzeuger Aad Hollander. Letzterer machte kurzerhand das gesamte Royal zu seinem Instrument, indem er mit seinen Drumsticks auf den Treppen, Wänden und sogar auf einem Kickboard trommelte.

Mit dem Konzert zeigte das Royal einmal mehr, welche Bereicherung es für die kulturelle Szene der Stadt Baden darstellt. In kaum einem anderen Lokal in Baden wäre der Auftritt von Baby Jail denkbar gewesen, zumal die Band es vorzieht, in alternativen Lokalen wie der Reithalle in Bern zu spielen. Das Royal hat es den Zürchern aber angetan: «Es ist besonders schön hier. Die Beleuchtung ist toll und der gesamte Saal hat etwas Magisches an sich», so Koller. Es war ein verrückter, lustiger Abend, der einzig durch die etwas übertriebenen drei Zugaben getrübt wurde.

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