Auswertung
Babyboom oder Babyflaute? So viele Geburten zählen die Spitäler in Baden und Leuggern im Corona-Jahr

Im Kantonsspital Baden und im Spital Leuggern wurden im vergangenen Jahr zwar weniger Babys zur Welt gebracht. Einen spürbaren Corona-Einfluss erkennt man dort aber nicht. Dafür hat Corona einen anderen Effekt auf die Mütter gehabt.

Philipp Zimmermann
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Janis Manuel kam am 1. Januar im Kantonsspital zur Welt – 1641 Babys waren es im Vorjahr.

Janis Manuel kam am 1. Januar im Kantonsspital zur Welt – 1641 Babys waren es im Vorjahr.

zvg

Während des Lockdowns verbrachten Herr und Frau Schweizer viel mehr Stunden gemeinsam zu Hause. Zu einem Babyboom hat dies in den Regionen Baden und Zurzibiet genauso wenig geführt wie zu einem spürbaren Rückgang.

Dem Wunsch, Eltern zu werden, konnte die sich Jahresbeginn anbahnende Coronapandemie offenbar nichts anhaben. Das zeigen zumindest die neuen Geburtenzahlen vom Kantonsspital Baden (KSB) und dem Spital Leuggern zum Jahr 2020.

Wenige Absagen von deutschen Müttern

Im KSB erblickten 1641 Babys das Licht der Welt; in Leuggern waren es 732. Beim KSB sind das 36 Geburten weniger als im Vorjahr, in Leuggern deren 54. «Die Geburtenzahl von 2020 entspricht den Erwartungen. Von einer Geburtenflaute infolge Covid kann keine Rede sein», folgert Omar Gisler, der Sprecher des KSB. Dem pflichtet Leuggerns Spital-Direktor René Huber bei. Er verweist auf andere Spitäler, wo die Geburtenzahl gestiegen ist. Das Spital in Muri verzeichnet etwa ein Rekordjahr. «Vielleicht handelt es sich um ein schwächeres Geburtenjahr», sagt Huber.

Über die letzten fünf Jahre gesehen sind die Geburtenzahlen in Baden und Leuggern stabil auf hohem Niveau. Im Jahr 2015 waren es im KSB 1651 Geburten, in Leuggern 664. Im folgenden Jahr verzeichnete das KSB sogar 1721 Geburten, Leuggern verzeichnete im 2018 mit 793 Geburten einen Spitzenwert. Das Spital im Zurzibiet ist bei werdenden Müttern aus Deutschland sehr beliebt. Das war mit 256 Geburten (-25) auch im Jahr 2020 so.

«Beim Lockdown im Frühling kam es zu wenigen Absagen von geplanten Geburten aus Deutschland. Dies war vor allem der Verunsicherung der werdenden Mütter begründet; respektive durch die erschwerten Besuche durch die Väter während des Spitalaufenthaltes», sagt Huber. Gisler und Huber gehen auch nicht davon aus, dass die Geburtenzahl im neuen Jahr wegen Corona wesentlich sinken wird. «Ob der am 1. Januar 2021 eingeführte Vaterschaftsurlaub mittel- bis langfristig etwas an der Geburtenstatistik ändert, wird sich zeigen», ergänzt der KSB-Sprecher.

Ein positiver Aspekt für Mütter und Neugeborene

Die Covid-Massnahmen waren in den Spitälern dennoch spürbar. «Sowohl für die schwangeren Frauen als auch für das medizinische Personal sind Geburten aufgrund der Covid- Massnahmen eine Herausforderung respektive besonders anstrengend», sagt Gisler. Doch man könne der Situation auch positive Aspekte abgewinnen. Aufgrund der Einschränkungen bei den Besuchen könnten sich die Mütter im Wochenbett beispielsweise ungestört und damit intensiver auf das sogenannte Bonding (den Aufbau der Beziehung) mit ihrem Baby konzentrieren und «die erholsame Ruhe zu zweit geniessen», so der KSB-Sprecher.

«Wir haben in Leuggern dieselben Erfahrungen gemacht», sagt René Huber. «Aufgrund der Schutzmassnahmen waren die Herausforderungen bei der Geburt grösser. Die Ruhe im Wochenbett hingegen hat für Mutter und Kind sowie auch für das Personal nur Vorteile gebracht.» Die dadurch mögliche Konzentration auf das Kennenlernen von Baby und Mutter habe auch das Stillen der Kinder verbessert. «Zudem fühlten sich die Mütter beim Spitalaustritt erholter.»

Auf den Schweizer Wochenbettabteilungen und Pränatalstationen ist aktuell eine Person pro Patientin und Tag zugelassen. Geschwisterkinder der Neugeborenen sind nicht erlaubt und müssen sich gedulden, bis ein Kennenlernen möglich wird. Diese Covid-Massnahmen bestehen wegen des Schutzes von Wöchnerinnen und Personal.