Mellingen
Bachelor-Kandidatin: «Ich hatte im Leben nicht viel Glück mit der Liebe»

«Bachelor»-Kandidatin Olga Michel lästert nicht gerne, studiert Jura und wäre lieber 30 statt 36 Jahre alt. Aufgewachsen ist sie in einfachen Verhältnissen in Donezk, nun will sie in der Fernsehshow die grosse Liebe finden.

Martin Rupf
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Bachelor-Kandidatin Olga Michel
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Auch der Wodka half nicht weiter: Olga Michel ist bei «Der Bachelor» nicht mehr dabei. zvg
3. Folge (heute): Olga entspannt sich mit Yoga am Strand. zvg

Bachelor-Kandidatin Olga Michel

Die zweite Staffel der Verkupplungs-Sendung «Der Bachelor» ist gerade mal 20 Minuten alt, und schon hat Olga Michel ihren ersten grossen Auftritt. Gekonnt schwingt sie ihre langen Beine aus der Limousine und schreitet in ihrem rosaroten Cocktail-Kleid auf Bachelor Vujo Gavric (27) zu. Dieser – offensichtlich sehr angetan vom Auftritt der 36-jährigen Dolmetscherin – wirft ihr einen bewundernden Blick entgegen. «Hallo, ich bin Olga», sagt die gebürtige Ukrainerin mit unverkennbarem russischem Akzent. Mit im Gepäck hat sie eine Flasche Wodka. «In der Ukraine sagen wir: Die Liebe ist kein Feuer, aber wenn man einmal brennt, kann man sie nicht mehr löschen.» Zusammen stossen die beiden an. Und wie war der erste Eindruck? Olga: «Er ist wirklich heiss wie Wodka». Vujo: «Nicht nur der Wodka hat mich umgehauen.»

So tief das Niveau der Dialoge, so hoch die Erwartungen der «Bachelor»-Kandidatin Olga. Sie will in der Sendung nichts mehr als die grosse Liebe finden. Ob sie diese am Ende gefunden hat und ob sie von Vujo die letzte Rose erhält – von ihm also ausgewählt wird –, verrät sie nicht.

Schwere Kindheit in Donezk

Im Gespräch mit der Aargauer Zeitung wird klar, dass sich hinter Olgas aufpolierter und selbstbewusster Fassade eine nachdenkliche und auch verletzliche Persönlichkeit versteckt. «Ich hatte in meinem Leben meistens nicht sehr viel Glück mit der Liebe.»

Aufgewachsen in Donezk, damals in der ehemaligen Sowjetunion, erlebte sie als Teenager, wie die Ukraine 1991 unabhängig wurde. «Ich stamme aus ganz einfachen Verhältnissen. Mein inzwischen verstorbener Vater arbeitete in einer Bergkohlenmine, meine Mutter – eine Russin – war Hausfrau», sagt Michel, die eigentlich Pavlenko heisst. Sich selber würde Michel eher als Ukrainerin bezeichnen. «Ich koche sehr gut; besser als Russinnen», sagt sie lachend.

Olga Michel schloss an der Uni in Donezk das Wirtschaftsstudium ab und hatte grosse berufliche Pläne, «bis ich im Alter von 18 Jahren Mutter wurde. Das war eine schwierige Zeit. Ich war selber noch ein Kind und auch mein damaliger Partner war nicht viel älter als ich», sagt Michel rückblickend. Irgendwann sei die Beziehung auseinandergebrochen. Später habe sie einen Schweizer kennen gelernt, dem sie dann zusammen mit ihrer Tochter in die Schweiz gefolgt sei. Doch auch hier gestaltete sich der Liebesweg steinig, die Beziehung scheiterte erneut. Schliesslich dann vor fünf Jahren die Heirat mit einem Anwalt aus der Region. Eine verheiratete Frau als «Bachelor»-Kandidatin? «Wir haben uns vor rund einem Jahr getrennt, sind aber noch nicht geschieden und arbeiten weiterhin zusammen», hält Michel fest. Dass sie jetzt bei «Der Bachelor» mitmache, sei für den von ihr getrennt lebenden Mann absolut kein Problem.

Tochter hat Mutter angemeldet

Ihre Tochter Kristina habe sie für die Sendung angemeldet. «Ich war diesen Frühling in den Ferien, als mich meine Tochter anrief, sie habe dem TV-Sender meine Bewerbungsunterlagen geschickt», so Michel. «Obwohl ich in meinem Leben immer Schwierigkeiten mit Beziehungen hatte, habe ich schnell an meine Chance geglaubt.» Kurz: Sie sei für eine neue Beziehung bereit gewesen. «Natürlich gab es ein Fragezeichen, ob mir der Bachelor überhaupt gefällt.» Hat er ihr denn gefallen? «Vom Aussehen her – er sieht älter aus, als er ist – fand ich ihn attraktiv.» Und er habe vor allem ehrlich auf sie gewirkt. Nach der Wodka-Begrüssung habe er gesagt: «Du, ich habe das wirklich gebraucht; ich war so aufgeregt.»

Rund einen Monat verbrachte Olga Michel auf einer thailändischen Insel – die genaue Zeitspanne darf sie nicht verraten, da dies Rückschlüsse auf den Ausgang der Sendung erlauben würde. Zusammen mit 19 Frauen, die um die Gunst des Bachelors buhlten. «Ich sah schon am Flughafen, dass das keine Konkurrentinnen sind für mich», sagt Michel. «Wir ukrainischen Frauen ziehen uns immer schön an. Die Frauen am Flughafen waren alle ungeschminkt und sahen aus wie Rucksacktouristinnen.» Erst als die Frauen dann geschminkt und elegant gekleidet waren, habe sie gesehen: «Aha, da gibt es schöne Frauen.» Auf der anderen Seite sei sie wahrscheinlich sofort in der Ostblock-Schublade gelandet.

Tochter ist zufrieden mit dem Auftritt

Apropos Schublade: Sind die Frauen sich selbst in der Sendung oder sind sie nicht viel mehr dazu angehalten, dass Dummchen, die Tussi, die Naturverbundene oder die Intrigantin zu spielen? «Nein, grundsätzlich durften wir uns selber sein.» Aber natürlich habe das TV-Team ab und zu Ideen gehabt. «Es war aber uns überlassen, ob wir diese annehmen; gezwungen wurden wir zu gar nichts», sagt Michel. Die Emotionen in der Sendung seien immer echt. «Das Einzige, was mich genervt hat, wenn wir gefragt wurden, ob wir über andere Frauen schlecht denken. Ich wollte nicht über jemanden lästern.»

Zwei Folgen sind jetzt ausgestrahlt, und Tochter Kristina ist zufrieden mit dem Auftritt ihrer Mutter: «Sie kommt natürlich rüber, auch wenn sie manchmal etwas schauspielert.» Und Vujo, bald ihr Stiefvater? «Hm, ich denke nicht. Er ist zu jung; geht sicher noch oft an Partys und ist sicher nicht bereit, eine Familie zu gründen», sagt die Tochter. Ob sie denn wirklich nicht wisse, ob ihre Mutter die letzte Rose erhalten habe? «Nein, ich weiss es tatsächlich nicht. Aber meine Mutter ist aufgestellt aus Thailand zurückgekehrt; ich denke die Chance stehen nicht schlecht, dass sie gewonnen hat.»

Nächste Prüfung im Studium

Letzte Rose hin oder her: Würde Olga wieder an der Sendung teilnehmen? «Es war eine tolle Erfahrung. Die Sendung hat mir auch geholfen, mich von einer anderen Seite zu zeigen.» Denn sie führe ein eher langweiliges Leben. «Ich arbeite immer viel und bin viel zu Hause.» Klar habe es auch Einschränkungen gegeben. «Wir mussten während der Aufnahmen unser Handy abgeben und wir dürfen bis nach Abschluss der Sendung keine öffentliche Beziehung führen. Sonst wäre ja klar, dass diejenige nicht gewonnen hat», so Michel. Und Zickenkriege? «Solche gab es fast keine.» Aber sie sei natürlich immer froh gewesen, wenn wieder eine Frau die Heimreise habe antreten müssen. Gleichwohl würden die Frauen heute untereinander alle einen guten Kontakt pflegen. Dass sie jetzt von wildfremden Männern auf Facebook für einen gemeinsamen TV-Abend angefragt wird, störe sie nicht. Womit sie schon viel mehr Mühe hat: «Es nervt mich, dass ich mein Alter verraten muss. Denn normalerweise sage ich, dass ich 30 bin; jede Frau will etwas jünger sein als in Wirklichkeit.»

Bald schon steht für Olga Michel die nächste Bachelor-Prüfung an – im Jurastudium. Sollte es mit der Juristerei nicht klappen, wird sie vielleicht eines Tages eine grosse Schriftstellerin. Kürzlich hat sie ihren ersten Roman «Der goldene Gral» fertig geschrieben und in der Ukraine drucken lassen.

Und in der Liebe – mit oder ohne Vujo? «Ich lasse es auf mich zukommen. Wenn ich den richtigen Mann finde, sind auch weitere Kinder nicht ausgeschlossen.»