Musik
Bachs «Johannespassion» kommt nach Baden

Der junge Organist, Dirigent und Chorleiter Marco Amherd führt am Karfreitag Bachs Meisterwerk in kleiner Besetzung auf.

Elisabeth Feller
Merken
Drucken
Teilen
Marco Amherd dirigiert am Karfreitag die «Johannespassion» in der reformierten Kirche Baden. ZVG

Marco Amherd dirigiert am Karfreitag die «Johannespassion» in der reformierten Kirche Baden. ZVG

«Mit 16 habe ich erstmals Johann Sebastian Bachs ‹Johannespassion› gehört. Mir wurde sofort klar: Ich will Dirigent werden.» Drei Jahre später begann er, Orgel und Wirtschaftswissenschaften in Zürich, Freiburg im Breisgau und Toulouse zu studieren – «eine ungewöhnliche Kombination», wie Marco Amherd lachend anmerkt. Spricht er im schönsten Walliserdeutsch über den Schöpfer besagter Komposition, denkt man unwillkürlich an den Bergkanton. Auch Bachs «Johannespassion» ist ein Berg; vielmehr ein Gipfelwerk, das den 29-jährigen Walliser seit der ersten Begegnung nicht mehr losgelassen hat. «Leider steht diese Passion noch immer im Schatten der ausgreifenderen ‹Matthäuspassion›.»

Das leise Bedauern in Amherds Stimme weicht rasch der Begeisterung über die Qualitäten von Bachs zweistündiger «Johannespassion». «Herausragend sind vor allem die raschen Wechsel zwischen kontemplativen und sehr dramatischen Passagen. Bachs Musik ist szenisch.» Sogar opernhaft? «Durchaus.»

Solisten singen auswendig

Deshalb erstaunt es nicht, dass die Aufführung des Werks in Zürich und Baden subtil inszeniert wird. Nicht mit grossen Gebärden, sondern «mit kleinen Bewegungen und Blicken, die sich beispielsweise auf bestimmte Stellen im Raum richten». Anders gesagt: Es findet eine behutsame Verlebendigung statt, die so in grossen Konzertsälen mit einem grossen Ensemble nicht stattfinden kann. Das von Amherd vor anderthalb Jahren gegründete semi-professionelle Ensemble Ripieno ist mit 19 auf Barockinstrumenten spielenden Musikerinnen und Musikern sowie dem Chor mit 24 Sängerinnen und Sängern klein besetzt. Weiter fallen die Besetzung des Continuos mit Cembalo und Orgel sowie das Auswendigsingen der Solisten Tabea Herzog, Barbara Erni, Serafin Heusser, Matthias Helm und Raphael Höhn auf: Dieser hat als Evangelist eine Mammutpartie zu bewältigen.

Das Singen ohne Partitur macht in dieser Aufführung Sinn, «weil dieses den Solisten jene Freiheit erlaubt, die sie für ihre szenisch umgesetzten Passagen benötigen.» Dass Marco Amherd – von 2013 bis 2015 Organist an der St.-Anton-Kirche in Wettingen – die «Johannespassion» erstmals nicht nur in Zürich, sondern auch in Baden dirigiert, freut ihn aus einem besonderen Grund: «Mit Thomas Jäggi an der Orgel und als Co-Organisator, der Sopransolistin Tabea Herzog und der Geigerin Stephanie Haensler machen gleich drei Aargauer bei unserem Projekt mit.» Und das ist eines, für das Marco Amherd vorgängig akribische Detektivarbeit geleistet hat. «Man hat die Partitur vor sich, liest sie, macht sich dazu Gedanken» – und das selbst im Zug.

Marco Amherds Passion für Musik im Allgemeinen und für Chorwerke im Besonderen kennt offenkundig keine Grenzen. Wie gut, dass er seit 2016 Stipendiat im Dirigentenforum des Deutschen Musikrats ist und als solcher mit Rundfunk- und Opernchören arbeiten kann – etwa an der Staatsoper Wien, der Semperoper Dresden und am Westdeutschen Rundfunk (WDR). «Ist das nicht wunderbar?», sagt Marco Amherd – und seine Augen leuchten.

Konzerte und Vorverkauf:

  • Do, 13. April 2017, Johanneskirche Zürich, 19.30 Uhr
  • Fr, 14. April 2017, Reformierte Kirche Baden, 17 Uhr
  • www.ticketfrog.ch/johannespassion-baden