Baden
125 Jahre Villa Boveri: «Die Geschichte von Brown und Boveri ist wichtig für den Kanton und die Schweiz»

Die Wohlfahrtsstiftung der ABB hat Prominenz aus Politik und Wirtschaft zum Jubiläum in die herrschaftliche Badener Villa eingeladen. Der Tenor: Den Gründern Charles Brown und Walter Boveri hat die Region viel zu verdanken.

Claudia Laube
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Landammann und Kulturvorsteher Alex Hürzeler überbrachte die Erinnerung von Kollege Markus Dieth, einem Wettinger, der seine Hochzeitsfotos im stattlichen Park hatte machen lassen – «weil das Wetter besser war».

Landammann und Kulturvorsteher Alex Hürzeler überbrachte die Erinnerung von Kollege Markus Dieth, einem Wettinger, der seine Hochzeitsfotos im stattlichen Park hatte machen lassen – «weil das Wetter besser war».

Severin Bigler

1897 war mit dem Bau der stattlichen Villa Boveri an der Ländlistrasse in Baden der Grundstein für die ABB Wohlfahrtsstiftung gelegt worden. Deren Geschichte ist untrennbar mit Charles Brown und Walter Boveri und der Gründung der Firma Brown Boveri sechs Jahre zuvor verbunden.

«Der erste Auftrag war die Lieferung der elektrischen Anlage für Stromerzeugung und Verteilung des Limmatkraftwerkes unterhalb Baden», erinnerte Stiftungspräsident Yann Moor an den Anfang des Aufstiegs der heutigen ABB. Er sprach am Donnerstagabend im historischen Gartensaal der Villa Boveri zu den geladenen Gästen, die sich für den feierlichen Anlass in Schale geworfen hatten.

Moor charakterisierte die beiden Persönlichkeiten: Während Brown genial und immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen gewesen sei, so sei Boveri der Finanzmann, Volkswirt und Kaufmann gewesen, «ein echter Unternehmer».

Die Villa Boveri wurde in den Jahren 1995 und 1996 umfassend renoviert.

Die Villa Boveri wurde in den Jahren 1995 und 1996 umfassend renoviert.

Severin Bigler

Dabei sei in der damaligen Zeit der weltweiten Industrialisierung ein herrschaftlicher Wohnsitz wichtig gewesen, weshalb Boveri die Villa bauen liess, in der er mit Frau und drei Kindern bis zu seinem Tod 1924 lebte. Sechs Jahre später starb seine Frau, danach standen die Räumlichkeiten 13 Jahre leer. Um eine Überbauung des Grundstücks durch eine firmenfremde Gesellschaft zu verhindern, kaufte die damalige Brown Boveri & Cie die Villa im Jahr 1943 zusammen mit dem rund zwei Hektare grossen englischen Garten.

Die gesamte Anlage wurde in die Wohlfahrtsstiftung für BBC Angestellte eingebracht und fortan als BBC Clubhaus für die Mitarbeiter genutzt. 1995/96 wurde die Villa für 6,5 Millionen Franken renoviert. Die Anlage wird besonders gerne für Hochzeiten, Konzerte und Seminare genutzt und steht für alle offen.

Erster ABB Schweiz-Chef als Überraschungsgast

Landammann und Kulturdirektor Alex Hürzeler (SVP) betonte in seiner Rede, wie wichtig die Geschichte von Brown und Boveri für den Kanton und die Schweiz sei und wie wertvoll, Zeitzeugen wie die Villa Boveri bis heute geniessen zu dürfen. Der Familie Boveri sei zu verdanken, dass die Villa in eine Wohlfahrtsstiftung überging und die Öffentlichkeit sie inzwischen mitnutzen könne. Der Stiftung wiederum sei zu verdanken, dass die Villa und auch der «beneidenswert schöne Park» tadellos unterhalten werden.

Die Wohlfahrtsstiftung sei auch ein Beweis dafür, dass schon früh soziale Verantwortung wahrgenommen und Menschen nicht einfach als Arbeitskräfte abgestempelt wurden. «Die jahrzehntelange Nutzung als Clubhaus war ein grosses Zeichen der Wertschätzung», sagte er.

Stadtammann Markus Schneider erinnerte sich an die Besuche im Park als Primarschüler.

Stadtammann Markus Schneider erinnerte sich an die Besuche im Park als Primarschüler.

Severin Bigler

Stadtammann Markus Schneider (Mitte) stimmte in Hürzelers Loblied mit ein. Er verwies auf seine Zeit als Primarschüler im Schulhaus Ländli, nur wenige Meter von der Villa entfernt. «Wann immer es möglich war, gingen wir in diesen Park. Da war man immer ganz stolz, weil er etwas völlig Einzigartiges ist.» Schneider wünscht sich, dass noch viele Generationen von diesem Juwel mitten in der Stadt profitieren können.

Nach ihm richtete sich auch der vor dem Anlass nicht angekündigte Edwin Somm an die Gäste: Als die BBC mit Asea 1989 fusionierte und zur ABB wurde, übernahm der heute 89-Jährige den Führungsposten der ABB Schweiz. Noch immer käme er in die Villa und erinnere sich daran, «was für zwei Gründerpersönlichkeiten wir hatten».

Er betonte, dass die beiden auf drei wichtige Erfolgspotenziale gesetzt hätten, also Wert auf die Ausbildung gelegt und die Expansion über die Schweizer Grenzen hinweg forciert hätten. Auf das dritte Erfolgspotenzial sei er besonders stolz: «Wir können nur überleben, wenn wir die Weltbesten sind», sagte er. In seiner Zeit seien sie zwar immer die Teuersten gewesen, aber die Technik habe überzeugt: «Und das müssen wir weiterführen.»

Danach folgte ein musikalischer Beitrag von Nachwuchspianist Lukas Nigg und ein Impulsreferat, um den Gästen einen Geschmack davon zu geben, was in und um die Villa regelmässig stattfindet.

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