Baden
Achtung Rutschgefahr: Hier wird die Stadt im Winter zuerst geräumt – und diese Tipps gibt der Werkhofleiter

Die Strassen, Trottoirs und Velowege in Baden werden nach einem klaren Konzept von Schnee und Eis befreit. Werkhofleiter Thomas Stirnemann verrät, warum es trotzdem vorkommen kann, dass jemand auf dem Hosenboden landet, und was er sich wünschen würde.

Sarah Kunz
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Rund um den Bahnhof in Baden ist Vorsicht geboten: Eine Eisschicht überzieht den Platz.

Rund um den Bahnhof in Baden ist Vorsicht geboten: Eine Eisschicht überzieht den Platz.

Daniel Weissenbrunner

Ein falscher Schritt, den Fuss ein wenig zu hektisch vor den anderen gesetzt, um der eisigen Kälte zu entfliehen, und schwupps, landet man auf dem Hosenboden. Derzeit ist draussen besondere Vorsicht gefragt. Denn trotz Winterdienst sind in Baden einige Stellen vereist oder nach wie vor von einem weissen Kleid bedeckt. Dass die Strassen jetzt, wo der erste Schnee gefallen ist, glatt sind, kann auch der Werkhof nicht hundertprozentig verhindern.

Auf jeden Fall bestreitet Leiter Thomas Stirnemann vehement, dass zu wenig gesalzt oder die Strassen zu unsorgfältig geräumt worden seien: «Wir sind seit dem vergangenen Freitag unermüdlich am Salzen, am Schneeschippen und am Strassenräumen, um alle Durchgangsstrassen und Verkehrswege begeh- und befahrbar zu halten», sagt er und fügt an:

Werkhofleiter Thomas Stirnemann.

Werkhofleiter Thomas Stirnemann.

Archivbild: Sandra Ardizzone
«Aber auch wenn wir noch so bestrebt sind, der Bevölkerung die bestmöglichen Strassenverhältnisse und die höchstmögliche Sicherheit zu bieten – vereinzelt vereiste Stellen gibt es immer.»

Um nun nachvollziehen zu können, weshalb die Rutschgefahr in gewissen Stadtteilen nach wie vor hoch ist, muss man verstehen, nach welchem Konzept die Strassen in Baden geräumt werden. Wie der Werkhof vorgeht, ist öffentlich auf dessen Website unter der Sparte Winterdienst einsehbar.

Nicht alle Strassen und Wege werden gesalzen

Demnach ist das Stadtgebiet in drei Dringlichkeitsstufen eingeteilt. Oberste Priorität haben Hauptverkehrsstrassen, Strassen mit öffentlichen Buslinien, Strassen zu Bahnhöfen, Spitälern, Polizei und Feuerwehr, wichtige Fussgängerverbindungen, Treppenanlagen und Radwege. Sind diese Strecken freigeräumt, folgen Quartierstrassen, Fussgängerverbindungen zu öffentlichen Gebäuden und öffentliche Parkplätze. Anschliessend werden alle übrigen Verkehrsflächen auf öffentlichem Grund vom Schnee befreit.

Dabei unterscheidet der Werkhof zudem zwischen Schwarz- und Weissräumung. Schwarzräumung heisst, dass zusätzlich zum Pflügen auch Salz eingesetzt wird. Weissräumung bedeutet, dass ohne Einsatz von Salz geräumt wird. Die Zuordnung der einzelnen Strassen, Fuss- und Radwege erfolgt gemäss dem vom Stadtrat verabschiedeten Winterdienstkonzept vom 18. Oktober 2010 auf Basis verschiedener Grundsätze.

So werden Hauptverkehrsstrassen und Sammelstrassen sowie wichtige Fuss- und Radwegverbindungen, Personenüber- und -unterführungen, Treppenanlagen, Bushaltestellen und Fussgängerübergänge schwarz geräumt. Die Räumung erfolgt dabei vom Zentrum aus Richtung Aussenquartiere.

Nicht stark belastete Quartierstrassen, Trottoire und Gehwege sowie Parkplätze werden hingegen ohne Salzeinsatz geräumt. Trottoire werden in der Regel dem Standard der sie begleitenden Fahrstrasse angepasst. Bei Strassen ohne Streueinsätze wird jeweils eine Trottoirseite schwarz geräumt und bei lange anhaltenden Schneefällen vorerst nur eine Gehwegseite.

Es braucht die Bereitschaft der Bevölkerung

Das Konzept stellt also beispielsweise sicher, dass aus jeder Richtung in die Stadt mindestens eine Veloverbindung schwarz geräumt wird. Weil aber nicht überall Salz verwendet wird und sich durch auslaufendes Wasser immer wieder vereiste Stellen bilden können, sind die Strassenverhältnisse im Winter – besonders bei Minustemperaturen und Schneefall wie jetzt – einfach schwieriger als im Sommer.

Auch im Bäderquartier überzieht eine Eisschicht die Strassen.

Auch im Bäderquartier überzieht eine Eisschicht die Strassen.

Bild: pkr

Dass man sich in dieser Jahreszeit im Verkehr anders verhalte, sei in den Bergen selbstverständlich, sagt Stirnemann. In der Stadt fehle dieses Verständnis jedoch teilweise: «Es erstaunt mich, dass viele den Anspruch haben, die Strassen ganzjährig und ohne Einschränkungen benutzen zu können», sagt er. «Dabei ist es einfach keine gute Idee, im Winter mit dem Velo und dem Kinderanhänger durch die Stadt fahren zu wollen. Egal, wie regelmässig, wie viel und wie oft wir salzen.»

Daher brauche es auch die Eigenverantwortung und Bereitschaft der Bevölkerung. Das heisst: gutes Schuhwerk anziehen, Winterpneus montieren und die Geschwindigkeit anpassen. Stirnemann ist überzeugt: «Nur, wenn alle mitmachen, haben wir auch im Winter sichere Strassen.»