Baden
Aktionswoche «Zusammenleben mit Zukunft»: Region Baden setzt Zeichen gegen Rassismus

Zum ersten Mal lancierte die Fachstelle Integration Region Baden diese Woche eine Aktionswoche zum Thema Rassismus. Begegnungen – online und offline – sollen Vorurteile abbauen.

Rahel Künzler
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Die sogenannte «Schlemmerbox» von Gmeinsam Znacht Aargau wandert von Haushalt zu Haushalt – abwechslungsweise zwischen geflüchteten und einheimischen Parteien.

Die sogenannte «Schlemmerbox» von Gmeinsam Znacht Aargau wandert von Haushalt zu Haushalt – abwechslungsweise zwischen geflüchteten und einheimischen Parteien.

zVg

7000 Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten beschäftigte der Badener Weltkonzern BBC/ABB zeitweise in der boomenden Nachkriegszeit – und machte aus der Kleinstadt schon früh einen Ort der Vielfalt. Heute sind über 100 Nationen in der Stadt Baden vertreten. Diese Diversität sichtbar zu machen und Begegnungen zwischen Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Religion und Kultur zu fördern – das ist das Ziel der Aktionswoche «Zusammenleben mit Zukunft» der Region Baden. Erstmals findet sie diese Woche als Teil der nationalen Aktionswochen gegen Rassismus statt.

An acht Tagen bieten 14 regionale Vereine, Organisationen und Interessensgruppen insgesamt 17 Aktivitäten – darunter Vorträge, Diskussionsabende, Beratungsstunden, Kunstprojekte sowie kulinarische Angebote. Koordiniert wird die Aktion von der Fachstelle für Integration Region Baden. Die Aktionswoche sei bereits für letztes Jahr geplant gewesen, sagt Judith Bühler, Leiterin der Fachstelle. «Wegen Corona mussten wir die Veranstaltungen mit bis zu 150 Personen kurzfristig absagen.» Umso mehr freut sie sich, dass dieses Jahr trotz der schwierigen Umstände so viele Akteure mit an Bord sind. «Gemeinsam erreichen wir eine grössere Ausstrahlung», so Bühler. Sie hofft, die regionalen Angebote über die Aktionswoche hinaus bekanntmachen zu können.

«Das Thema ist noch stark mit Scham besetzt»

Die Anmeldungen für die Veranstaltungen halten sich bisher aber in Grenzen. Dies erklärt Bühler auch damit, dass die Fachstelle erst vor einem Jahr gegründet wurde. Präsenz-Veranstaltungen hätten sie im Vorfeld keine durchführen können, Werbung für die Aktionswoche war nur online und über die Social-Media-Kanäle möglich. Ein Netzwerk an Interessierten aufzubauen, brauche Zeit, so Bühler. Auch wenn Online-Veranstaltungen mittlerweile besser akzeptiert seien, könnten sie den persönlichen Austausch vor Ort für viele nicht ersetzen. «Zudem ist Rassismus ein schwieriges Thema», sagt die studierte Sozialarbeiterin.

«Obwohl die Schweiz ein Migrationsland ist, erlebe ich die Berührungsängste mit dem Thema Rassismus hierzulande als sehr intensiv.»

Dies erklärt Bühler auch damit, dass das Thema in der Schweiz – beispielsweise im Vergleich mit Deutschland – erst jetzt aufgearbeitet wird und noch stark mit Scham besetzt ist. «Niemand möchte ein Rassist oder eine Rassistin sein», so Bühler. Die Anerkennung, dass wir uns in unserem Alltag oft unbewusst rassistisch verhalten, sei jedoch der erste Schritt. Klischees und Vorurteile seien tief in unserer Sprache und in unserem Denken verankert: «Man kann Vorurteile nicht löschen, sondern nur positiv überschreiben – zum Beispiel durch persönliche Erlebnisse.» Jede Begegnung ausserhalb der eigenen «Bubble», die im Rahmen der Aktionswoche zu Stande kommt, erachtet sie deshalb als wertvoll.

«Geflüchtete sind in Coronazeiten besonders isoliert»

Begegnungen zwischen Einheimischen und Geflüchteten fördern – das hat der Verein Gmeinsam Znacht Aargau zum Ziel. Seit 2017 vermitteln Olivia Murphy und Team Abendessen für Geflüchtete bei Menschen, die schon länger in der Schweiz wohnen. Dabei würden nicht nur Lebensgeschichten ausgetauscht. Geflüchtete erhielten gleichzeitig eine Gelegenheit, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und wichtige Kontakte zu knüpfen. Im Rahmen der Aktionswoche eine reine Online-Aktivität durchzuführen, war für die Vereinsmitglieder keine Option. Trotzdem wollten sie ein Angebot beisteuern, weil Geflüchtete durch fehlende Kontaktmöglichkeiten in der Pandemie besonders isoliert seien.

Die zündende Idee kam von der Partnerorganisation «Welcome Dinner Hamburg», welche die Wilkommensessen coronabedingt in einer Box verschickte. Nach dem gleichen Prinzip übergab Murphy am vergangenen Samstag die sogenannte «Schlemmerbox» gefüllt mit einem selbstgemachten Znacht an den ersten Empfänger. Nun wandert die Box von Haushalt zu Haushalt zu insgesamt zwölf Stationen in der Region Baden. Abwechslungsweise wird sie von Geflüchteten und Einheimischen befüllt. «Die Schlemmerbox kann das gemeinsame Abendessen kaum ersetzen», sagt Murphy. Sie hofft, dass der Kontakt bestehen bleibt und ein physisches Treffen bei Gelegenheit nachgeholt wird.

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