Zu diesen Ergebnissen kamen Studenten der Höheren Fachschule für Tourismus Graubünden, die im Rahmen eines Intensivseminars nach Baden gereist sind und sich eine Woche lang mit der Tourismusentwicklung auseinandergesetzt haben.

Im Vordergrund standen Themen wie Angebotsoptimierung, Steigerung der Hotelauslastung, Nachhaltigkeit und Werbekonzepte.Die Studenten erhielten die Möglichkeit, sich vor Ort ein Bild zu machen und führten Interviews und Befragungen durch. Auf diese Weise lernten sie die Stadt besser kennen.

Nun wurden die ersten Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Grundvoraussetzung für Touristen ist schon mal vorhanden: «Wir fühlen uns wohl hier», sagte der Dozent der Studierenden, Michael Tamàs. Probleme, mit denen Baden zu tun hätte, seien aber beispielsweise ausbleibende Hotelgäste an Wochenenden, die Positionierung als nachhaltige Hotels und das fehlende junge Publikum am Bluesfestival.

Auch das Historische Museum Baden wünscht Verbesserungsvorschläge. Der «Melonenschnitz», der Neubau des Museums, soll von Februar bis Herbst 2015 wegen Umbauarbeiten geschlossen bleiben. Das Problem liegt darin, dass die Sonderausstellungen im Neubau im Allgemeinen bekannter sind als die Ausstellungen im Landvogteischloss.

Auf Hochzeitspaare setzen

Das Rätsel der ausbleibenden Hotelgäste am Wochenende wurde gelöst: Die Stadt ist stark vom Businesstourismus geprägt. Die Zahlen zeigen, dass Badener Hotels von Montag bis Donnerstag gut ausgelastet sind. Ab Freitag nimmt die Gästezahl jedoch wieder ab. Weiter wird noch immer mit Wellness geworben, was jedoch mit dem aktuellen Angebot nur noch teilweise übereinstimmt.

Um auch am Wochenende Gäste nach Baden zu locken, könnte man laut den Bündner Studenten auf den Hochzeitstourismus setzen. Dafür habe Baden mit seinen vielen Lokalitäten, die für Feste gemietet werden können, sowie der idyllischen Natur und den historischen Gebäuden gute Voraussetzungen. Unter dem Motto «Baden ist. Romantik» könnte die Stadt speziell für Hochzeitspaare zugeschnittene Packages anbieten. Auch für Polterabende und Junggesellenabschiede sei Baden mit zahlreichen Bars und Ausgangsmöglichkeiten attraktiv.

Mit Strassenkonzerten werben

Um junges Publikum ans Bluesfestival zu locken, schlugen die Studenten vor, im Vorfeld Strassenkonzerte als Werbung zu organisieren. Damit soll die Attraktivität des Festivals gesteigert werden. Wie aus Befragungen auf der Strasse hervorging, fehlt es dem Blues in den jüngeren Generationen an Bekanntheit.

Deshalb sei auch das Interesse am Festival gering. Es biete sich eine Werbestrategie an, die auf Jung und Alt zugeschnitten ist, sowie eine Zusammenarbeit mit dem Jugendsekretariat. Möglich wäre auch eine Kooperation mit anderen lokalen Events, wie dem «One of a Million»-Festival: Das Bluesfestival könnte Gastkonzerte am «One of a Million» durchführen, und umgekehrt.

Lernen– erleben– geniessen

Um den Besucherstrom auch während der Umbauarbeiten im Neubau des Historischen Museums Baden aufrechtzuerhalten, sollen neue Angebote entstehen. Aus Passantenbefragungen durch die Studierenden ging hervor, dass der Bekanntheitsgrad des Landvogteischlosses verbessert werden kann. Würde man Familien und Schulklassen als Zielgruppen wählen, könnte man vermehrt interaktiv arbeiten.

Multimediale Tische mit Touchscreen sollen Kindern und Jugendlichen spielerisches Lernen ermöglichen. Auch mit Hilfe neuer Werbemittel soll Aufmerksamkeit erregt werden. 3D-Aufkleber, die ums Eck gehen, sollen in der Stadt mehr auffallen und Flyer-Wettbewerbe sollen den Ehrgeiz und das Interesse von Primarschulklassen wecken.

Nachhaltigkeit verbessern

Auch das Hotel du Parc war ein Auftraggeber der Studenten. Der Auslöser dafür war das Swissness-Konzept vom Restaurant «Elements», das sich im Hotel befindet. Seit Juni 2014 verwendet das «Elements» vor allem regionale Produkte. Nun möchte das Hotel die Nachhaltigkeit im ganzen Betrieb verbessern.

Die Studenten fragten die Hotelgäste, was ihnen wichtig sei. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Leute bereit sind, für regionale Produkte 10 Prozent mehr zu zahlen. Auf einen täglichen Wechsel der Frottiertücher könnten die Hotelgäste dagegen gut verzichten. Die Studenten schlugen vor, individuelle Wärmeregler zu installieren, damit unbelegte Zimmer nicht unnütz beheizt werden, sowie Durchlaufbegrenzer in den Wasserhähnen einzubauen.

Die Studenten werden die Ergebnisse aus dem Intensivseminar in ihren Semesterarbeiten vertiefen. Im Dezember werden diese dann den Auftraggebern vorgelegt. Sie erhalten die Chance, von den Resultaten und kreativen Ideen der Studenten zu profitieren und das bisher noch ungenutzte Potenzial der Stadt zur Entfaltung zu bringen.