BT-Kolumne

Baden-Balladen: Das Laute boomt!

Feuerwerk an der Badenfahrt: Boooom!

Feuerwerk an der Badenfahrt: Boooom!

Simon Libsig Simon Libsig schreckt aus dem Schlaf.

Es ist nun schon einen Monat her, und glauben Sie mir, ich brauchte diese Zeit, um mich zu beruhigen. Eine oder zwei Falten werden wohl zurückbleiben, sicher auch ein Büschel weisse Haare, aber das unkontrollierte In-mich-hinein-Fluchen hat Gott sei Dank aufgehört. Tagsüber jedenfalls. Wenn ich nachts im Bett liege und mir alles wieder einfällt, fabriziert mein Gehirn nach wie vor die mannigfaltigsten Wortkombinationen aus dem Fäkal- und Tierbereich.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Trotz bedecktem Himmel und vereinzelten Regentropfen machten wir einen Familienausflug auf die Baldegg. Wir kutschierten den kleinen Löwen, unterdessen 18 Monate alt, dem Waldrand entlang, als der Regen stärker wurde. Kein Problem, dachten wir, beim Restaurant Baldegg gibt es ein Dach über dem Kopf. Und Schnitzel-Pommes-frites. Mjammjammjam! Tatsächlich war sogar die Gartenbeiz offen. Geschützt unter grossen Sonnenschirmen sassen Familien und Ausflügler beieinander, richtig schön, bei mir kam sogleich eine nostalgische Campingstimmung auf. Wir wollten uns gerne hinzusetzen, und das Schicksal meinte es gut mit uns. Es gab genau noch einen freien Tisch unter dem schützenden Schirm, als wäre er für unsere kleine Familie bereitgestellt worden. Klar, die Stühle waren angelehnt, und die Sitzkissen und Tischsets fehlten, aber das ist ja kein Problem. Wir retteten kurzerhand die schon leicht feuchten Kissen und Gedecke von einem Tisch abseits der Schirme und richteten uns im Trockenen ein.

Dann kam die Bedienung. Vielmehr stapfte sie herbei. Sie hatte eine Mission. Und wohl klare Anweisungen. Ich gehe davon aus, dass sie nur ihren Job machte. Und sie machte ihn gut. Mein freudiges «Schnitzel-Pommes-frites!» ging in ihrem «hier können Sie nicht sitzen! Dieser Tisch ist zu!» unter. Mein «Ja, aber ...» wurde von ihrem «dort ist frei» (sie zeigte auf den Tisch im Regen) und «drinnen haben wir noch Platz» weggefegt. Wir standen auf. Der kleine Löwe blickte uns verwundert an. Zurück in den Regen.

Glücklicherweise gibt es nur ein paar Schritte weiter das Liegehalle-Beizli. Dort finden wir Unterschlupf. Dachten wir. Und es gibt bestimmt eine feine Wurst vom Grill, mit Kartoffelsalat. Mjammjammjam! Wir hievten den Kinderwagen die Treppe runter, und als wir um die Ecke kamen, sahen wir andere Familien und Ausflügler beieinander unter dem Dächlein sitzen. Schön! Sogar der Regen hatte etwas nachgelassen, war nur mehr ein Tröpfeln. Wir begaben uns an einen freien Tisch und fragten die Bedienung sogleich nach der Karte und einem Kindersitz. Kindersitz gäbe es nicht, meinte sie, und verschwand. O.k. Kein Problem. Sitzt der kleine Löwe halt im Kinderwagen an den Tisch. Wenn dann das Essen da ist. Ich hob ihn aus der Kutsche, und er zottelte sogleich los, über die kleine Wiese, ohne zu knurren oder brüllen, aber mit grossen Augen. Zack, stand die Bedienung neben mir. Das Kind müsse sofort von der Wiese weg, sagte sie. Ich erschrak. Ob es eine Gefahr gäbe, die ich (vermutlich vor lauter Hunger) nicht sehen würde, wollte ich wissen. Und wies sogleich darauf hin, dass der kleine Löwe ja in Begleitung über die Wiese stolpere, ich sitze, wie sie sehe, zurzeit alleine am Tisch. Trotzdem zwei Speisekarten, bitte. Sie verschwand.

Kurz darauf kam die Bedienung zurück. Sie hatte eine Mission. Sie tat wie ihr aufgetragen. «Das ist eine Ruhe-Beiz. Wenn das Kind nicht wie andere am Tisch sitzen kann, ist das hier nicht der richtige Ort, bitte gehen Sie.» Ich schaute mich um. Ich sah niemanden, der hier, an diesem Regentag, seine Ruhe suchte. Ich sah leere Tische und vernahm von denjenigen, die besetzt waren, angeregtes Geplauder. Ja, der kleine Löwe war mit Abstand der Jüngste in dieser Beiz, aber er würde hier auch nicht alt werden! Wir zogen ab. Tschüss Restaurant Baldegg. Tschüss Liegehalle-Beizli. Für immer.

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