Wir wohnen im dritten Stock in einem alten Haus. Es gibt keinen Lift. Nur 45 knarzende Treppenstufen, die meine Frau und ich unzählige Male pro Tag runterrennen oder hochkeuchen. Gerne auch mit einem schlafenden Baby auf dem Arm. Und einem strampelnden, knapp Dreijährigen unter dem Arm. Behangen mit Laptoptaschen und Einkaufstüten. Spielzeugauto-Kollektion, Stoffaffe und Wäschekorb balancierend. Ich würde also nicht sagen, dass wir übertrieben bewegungsfaul sind. Nur ab und zu sparen wir uns die Treppe. Etwa wenn Gäste kommen. Da es in dem Haus keinen elektronischen Haustüröffner gibt, öffnen wir jeweils das Kinderzimmerfenster und werfen den Hausschlüssel runter zu den Wartenden in den Innenhof. Oft packen wir den Schlüssel sogar noch in eine Plastiktüte. Die raschelt dann durch die Luft, und die meisten meistern es, sie aufzufangen. Es ist noch nie etwas passiert. Bis vorgestern.

Meine Frau klingelte unten. Sie habe den Schlüssel vergessen. Ich solle ihn runterwerfen. Und schnell. Die Kleinen würden frieren. Ich verzichtete auf die Rascheltüte und holte auch nicht den Extra-Schlüssel am Schlüsselbrett, sondern zog sofort meinen Schlüsselbund aus der Hosentasche. Klar fiel mir auf, dass der Nachbar sein Auto im Innenhof geparkt hatte. Und ich sah auch die Äste der Bäume rundherum, die sich bewegten, ich spürte den Wind. Trotzdem traute ich mir den Wurf zu. Ich musste einfach genau zielen.

Der Aufprall auf dem Autodach war erstaunlich leise. In Anbetracht der Delle, die der Schlüsselbund hinterliess. Meine Frau schüttelte nur den Kopf.

Als der Nachbar auch nach dreimal Klingeln nicht öffnete, erinnerte ich mich, dass er etwas von Zugfahren und Ferien gesagt hatte. Das verschaffte mir Zeit. Ich konnte alles wieder gut machen. Ich packte die Spielzeugauto-Kollektion in den Wäschekorb und öffnete das Kinderzimmerfenster. Der Himmel war verhangen. Die Wetterprognosen schlecht. Also gut, für mich. Ich schloss die Augen. Ich betete, dass die Prognosen für einmal stimmen und dass der Nachbar gegen Hagel versichert ist. Dann liess ich die Spielzeugautos auf den BMW herunterprasseln.