Baden
«Die Einsamkeit ist das Hauptproblem»: Auf diesen Begegnungsbänken sollen Menschen ins Gespräch kommen

Katharina Barandun und Yvonne Brogle wollen mit ihren «Begegnungsbänken» Menschen zusammenbringen.

Ursula Burgherr
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Katharina Barandun (links) und Yvonne Brogle präsentieren eines ihrer «Begnungsbänkli» – hier auf dem Theaterplatz Baden.

Katharina Barandun (links) und Yvonne Brogle präsentieren eines ihrer «Begnungsbänkli» – hier auf dem Theaterplatz Baden.

Bild: Ursula Burgherr

Das Bänkli auf dem Theaterplatz war schon immer da. Nur, dass ab März ein gelbes Logo auf ihnen prangt mit der Aufschrift «Grüezi – Begegnungsbank». «Ein kleiner und hoffentlich wirkungsvoller Anstoss, um Menschen zu animieren. Wir möchten sie auffordern, miteinander ins Gespräch zu kommen und einander zuzuhören», bekunden die beiden Initiantinnen Katharina Barandun und Yvonne Brogle.

Eine weitere Begegnungsbank befindet sich in Wettingen an der Ecke Matten- und Altenburgstrasse sowie in Schlieren auf der Piste 52. Die Orte sind sorgfältig ausgesucht, sollen weder zu isoliert noch zu exponiert sein. Barandun:

«Die Idee kam uns während des ersten Lockdowns. Die Sitzgelegenheiten im Freien boten oft noch die einzige Möglichkeit, unter Einhaltung des nötigen Abstands Kontakte zu knüpfen.»

Begegnungsbänke gibt es auf der ganzen Welt. Das Konzept ist nicht neu. Aber Barandun und Brogle sind die ersten, die das Projekt in die Region bringen und mit einem Pilotversuch an den Start gehen.

Katharina Barandun ist Siedlungscoach und fördert den Dialog zwischen Menschen in immer dichter werdenden Stadt- und Freiräumen. Yvonne Brogle arbeitet als interkulturelle Projektleiterin in der Stadtbibliothek Baden. Gemeinsam veranstalten die beiden Frauen seit Jahren «Living Librarys». Personen werden zu lebendigen Büchern und erzählen Geschichten aus ihrem Leben und ihrer für die Zuhörer oftmals fremden Kultur. «Die Einsamkeit ist das Hauptproblem, das uns in unseren verschiedenen Tätigkeiten immer wieder begegnet. Und wir bringen beide leidenschaftlich gerne Menschen zusammen.»

Barandun und Brogle wollten der Bevölkerung mit den Begegnungsbänken ein bewusst niederschwelliges Angebot unterbreiten. Jeder kann mit einem Buch die Frühlingssonne geniessen. Vielleicht setzt sich jemand dazu und es ergibt sich ein Gespräch. «Natürlich könnte das auch auf anderen Bänken geschehen. Das Projekt soll so weit wie möglich ausstrahlen. Mit unserem Logo geben wir den Leuten lediglich einen Impuls», bekunden die zwei.

Katharina Barandun und Yvonne Brogle bringen beide gerne Menschen zusammen.

Katharina Barandun und Yvonne Brogle bringen beide gerne Menschen zusammen.

Bild: Ursula Burgherr

Sie sind in engem Kontakt mit den Integrationsstellen und Quartiervereinen, in denen die Begegnungsbänke stehen. «Wir diskutieren, wie das Ganze noch mehr in die Öffentlichkeit portiert werden könnte.» Vielleicht bringt jemand mal spontan Kaffee und Kuchen vorbei? Oder es findet eine Lesung statt? Aber auch nur ein kleiner Wortwechsel kann von grosser Bedeutung sein. «Das Angebot ist beliebig ausbaubar. Wichtig ist das Gefühl, wahrgenommen zu werden», sagt Barandun.

Eigentlich wäre am 20. März ein Einweihungsevent für die Begegnungsbänke mit einer Theatergruppe vorgesehen. Doch wegen Corona musste die offizielle Kick-off-Veranstaltung verschoben werden. So startet das neue Projekt nun still und leise. Anfang März werden noch Flyer verteilt mit Adressen von verschiedenen Fach- und Integrationsstellen, bei denen sich einsame Menschen in Notlagen konkrete Hilfe holen können. «Wir sind zudem dabei, die Dargebotene Hand Baden und Wettingen (Tel. 143) ins Boot zu holen», erzählt Brogle.

Ebenfalls sind sogenannte «Bankgöttis» und «Bankgotten» vorgesehen. Mit ihnen und den Quartiervereinen soll im Herbst ausgewertet werden, wie die Begegnungsbänke angenommen wurden, was sie bewirkt haben und ob das Projekt weitere Bahnen ziehen soll. «Bis jetzt sind wir mit unserem Vorhaben auf offene Ohren gestossen. Die Sensibilität für Menschen, die allein oder in schwierigen Situationen sind, und das Bedürfnis, zu helfen, ist auf vielen Seiten vorhanden. Das inspiriert uns», freuen sich Brogle und Barandun.

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