Heute vor 22 Jahren

Baden besiegt Basel und träumt vom Aufstieg in die Nationalliga A

Das Spiel fand am 8. April 1998 im Stadion Esp in Baden statt.

Mario Casamento jubelt über seinen Treffer ins Lattenkreuz gegen den FC Basel.

Das Spiel fand am 8. April 1998 im Stadion Esp in Baden statt.

Am 8. April 1998 feiert der FC Baden einen seiner schönsten Siege: 3:1 gegen den FC Basel in der Auf-/Abstiegsrunde. Die Aargauer träumen danach vom Aufstieg. Für Basel, mit Stars wie Adrian Knup und Maurizio Gaudino im Kader, geht der Abstiegskampf erst richtig los.

Die Fussballschweiz ist im Frühling 1998 im Vergleich zu heute eine komplett andere. Teams, die im Jahr 2020 das Mass aller Dinge sind, spielen nicht um den Einzug in die Champions League, sondern in der Auf-/Abstiegsrunde: YB kickt in der Nationalliga B und will aufsteigen. Der FC Basel, nach einer katastrophalen Qualifikation auf Rang 11, tut sich weiterhin schwer und kämpft um den Ligaerhalt.

Am 8. April, einem Mittwoch wie heute, reist Basel mit seinen Stars Maurizio Gaudino (Ex-Frankfurt) und Adrian Knup (Ex-Stuttgart) nach Baden. Die Vorfreude ist riesig: 3450 Fans kommen ins Stadion Esp - Saisonrekord. Der "Blick" berichtet: "Vor dem Stadion herrscht kilometerlanger Stau. Vor dem Wurststand wartet man eine Stunde. Tönt nach Fussball-Provinz -  doch nur eine Mannschaft spielte amateurhaft: Basel!"  

Knup schiesst Basel auf "holpriger Mischwiese" in Führung

Der ehemalige Schweizer Nationalspieler Adrian Knup schiesst den A-Ligisten bereits in der sechsten Minuten in Führung. "Mit einem herrlichen Schuss aus 17 Metern", so die Basler Zeitung. Der FCB habe die Partie auf der "holprigen Mischwiese" zunächst recht souverän kontrolliert. Danach baut Basel den "harmlosen, aber sicher nicht ganz formatlosen Gegner" mit unzähligen Ballverlusten auf. Sechs Minuten vor der Pause gleicht Abdelaziz Dnibi für Baden aus. "Aus 18 Metern geschossen, der Ball aufgesetzt, und dennoch war's eine Überraschung, dass ihn Stefan Huber nicht parierte", so die Basler Zeitung. 

Aufstiegstraum - dank Sponsor und mit Petar Aleksandrov

Baden hat in dieser Saison ohne Zweifel eine der stärksten Mannschaften der Vereinsgeschichte. Im Sturm das Duo Petar Aleksandrov, der nach einem unschönen Abgang in Luzern einen neuen Anlauf nimmt, und Gabriel Okolosi (Ex-Basel). Beide kamen in der Winterpause, ebenso wie der brasilianische Manndecker Adriano. Wie kann sich Baden diese Stars leisten? Ausgerechnet Baden, das seit der Amtsübernahme des Präsidenten Gian-Pietro Bettoni im Jahr 1990 nie Budgets von mehr als einer Millionen Franken hatte? Der "Blick" enthüllt: Die drei Spieler wurden dem Club gratis zur Verfügung gestellt. Wie übrigens auch die Ausländer Abdelaziz Dnibi (Mar) und Anderson (Bra). Keine Leihsumme, keine Lohnkosten. Geldgeber: Ein nobler Sponsor namens Robert Zeiser, Chef von Lipo-Möbel, Spielervermittler und Millionär. In Zeisers Firma arbeitet seit einem halben Jahr: Baden-Präsident Bettoni. 

Ein Foto aus dem Jahr 1998: Badens Präsident Gian-Pietro Bettoni (links) mit Aarau-Präsident Ernst Lämmli.

Ein Foto aus dem Jahr 1998: Badens Präsident Gian-Pietro Bettoni (links) mit Aarau-Präsident Ernst Lämmli.

Dieser hat genug von der Nationalliga B: "Eine Frustliga. Zuwenig zum Leben, zuviel zum Sterben. Ich habe acht Jahre auf die Aufstiegschance gewartet. Da muss ich doch alles versuchen."

Basler Fans werfen Cola-Flaschen und Totomat-Tafeln 

In der zweiten Halbzeit führt sich der Gast "selbstgerecht" auf, so die Basler Zeitung. Baden, das Heimteam, erzielt zwei Tore: Mario Casamento in der 56. sowie Stéphane Lüthi in der 71. Spielminute schiessen Baden zum 3:1-Sieg. Die Basler Fans sind schon während des Spiels frustriert, werfen Cola-Flaschen und Totomat-Tafeln auf den Rasen. "Peinlich - arrogante Bebbi gehen in der Provinz unter", titelt tags darauf der "Blick". 

Nüchtern berichtet derweil die "Aargauer Zeitung": "Dank Herz und Kampfbereitschaft wieder im Aufstiegsrennen", so der Titel. Trainer Claude Ryf und Präsident Gian-Pietro Bettoni sind sich am Schluss des Spiels  einig, dass eine Mannschaft mit Herz und Persönlichkeit die letzte Chance auf einen Platz in der Nationalliga A gepackt habe.

Doch der zweite Aufstieg in die höchste Spielklasse nach 1985 bleibt ein Traum. Zwar holt Baden zwei Wochen später auswärts im "Joggeli" einen Punkt (0:0), beim bis dato letzten Duell gegen Basel, geht bei den restlichen Spielen der Saison aber meist als Verlierer vom Platz. Und der FC Basel? Schafft den Ligaerhalt erst im letzten Spiel dank einem 3:0 gegen Solothurn (vor 36'500 Fans). Ein Jahr später steigt Mäzenin Gigi Oeri ein - mit ihr beginnt die erfolgreichste Ära des Vereins. Baden steigt 2005 in die 1. Liga ab. 

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