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«Baden braucht mehr Effizienz und Mut»: Das will Stefan Jaecklin als Stadtrat verbessern

«Ich kann mich gut in Menschen hineinversetzen», sagt Jaecklin, der als Jugendlicher leidenschaftlicher Schauspieler war.

«Ich kann mich gut in Menschen hineinversetzen», sagt Jaecklin, der als Jugendlicher leidenschaftlicher Schauspieler war.

Stefan Jaecklin (FDP) will Stadtrat werden – was der Unternehmensentwickler und politische Spätzünder verändern will.

Stefan Jaecklin ist ein Weltenbummler. Er studierte Wirtschaft in Zürich, Tübingen und Singapur, doktorierte in Genf, lebte viele Jahre in London und New York. In den Hochhäusern Manhattans sass der Partner einer Beratungsfirma den CEO’s von Grossfirmen wie Merrill Lynch oder Credit Suisse gegenüber. Warum, in aller Welt, will einer wie er nun Lokalpolitiker in der Kleinstadt Baden werden?

Der 53-Jährige sitzt im Garten des Restaurants Piazza, lässt seinen Blick schweifen und sagt: «Heute würde ich in keinem anderen Land als in der Schweiz leben wollen, und in keiner anderen Stadt als Baden, wo ich aufgewachsen bin.» Seit 2006 wohnt er wieder in der Stadt, «die ich liebe».

Vor vier Jahren wurde er in den Einwohnerrat gewählt. «Ich bin ein politischer Spätzünder. Aber ich habe erkannt, wie viel Gestaltungsspielraum die Lokalpolitik bietet. Und ich kenne keine Stadt, die so überschaubar und gleichzeitig so weltoffen ist und unternehmerisch tickt wie Baden.» Nach einigen politischen Tumulten sei es ruhiger geworden, «doch es fehlt Baden derzeit an Richtung und Dynamik. Ich will die Stadt strategisch nach vorne bringen».

«In der Verwaltung gibt es zu viele Schnittstellen»

Die Fragestellungen in der Lokalpolitik seien dieselben wie bei Unternehmen: «Man kann viel arbeiten, aber nichts erreichen, wenn man keine oder die falschen Ziele hat. Es geht also auch für die Stadt Baden um die Frage, welche Ziele sie sich setzt.» Jaecklin hat als Einwohnerrat schon mehrere Vorstösse eingereicht, die in diese Richtung gehen; er wünscht sich beispielsweise «eine echte Verwaltungsreorganisation», nicht nur einen Feinschliff.

«In Badens Verwaltung gibt es zu viele Schnittstellen, mehr Effizienz, Weitsicht und Mut wären möglich. Unter Ineffizienz leiden alle: Mitarbeiter, Bürger und Steuerzahler.» Zusammenhänge zu verstehen, sei eine seiner Stärken: «Das mache ich seit über 20 Jahren beruflich.»

Sein wohl bekanntester und erfolgreichster Vorstoss bisher: Er forderte Erleichterungen für das Badener Gewerbe in der Coronakrise. Die Stadt soll den Beizen einen Teil des öffentlichen Raums zur Verfügung stellen, damit sie rentabel wirtschaften und gleichzeitig die Mindestabstände einhalten können. Seine Idee wurde sofort umgesetzt.

Die Gastronomie ist dankbar. Und erstaunlich: In der Stadt herrscht, weil viele Tischchen draussen auf den Trottoirs stehen, ein Dolce-Vita-Flair. Ausgerechnet Jaecklin, der manchmal so gezielt und überlegt von Effizienz und Strategie spricht, dass es für manche vielleicht ein wenig trocken klingt, hat damit so viel zu einer lebenswerten Stadt Baden beigetragen, wie schon lange kein Einwohnerrat mehr.

Im Kern geht es Jaecklin in der Politik um das Liberale. «Ich bin ein liberaler Mensch durch und durch. Die FDP war mir gesellschaftspolitisch aber lange zu wenig offen.» Als er begann, sich für Politik einzusetzen, habe ihm schon der eine oder andere Topmanager gesagt: «Du spinnst.» Genau so wie zu Beginn der 90er-Jahre, als er für das Masterstudium in Volkswirtschaft nach Singapur zog. «Das machte damals sonst niemand. Ich war der einzige Europäer an der Uni. Und bin heute noch stolz darauf, dieses Abenteuer gewagt zu haben. Die Entwicklung dieses Landes mitzuerleben, war eindrücklich.»

Kann der Stratege auch nur ans Jetzt denken?

Stefan Jaecklin geht seinen Weg konsequent und stets mit Weitsicht. Als die Rekrutenschule bevorstand, entschied er sich, diese mit Westschweizern als Panzeraufklärer zu absolvieren. «Dann lerne ich auch noch gleich Französisch», sagte er sich. Das kommt ihm nicht nur beruflich zugute: Mit seiner Frau, die aus der Gegend von Nîmes stammt, spricht er meist Französisch. Mit den beiden Kindern Roxane (17) und Alik (15) aber Schweizerdeutsch.

Seit 2016 ist Jaecklin selbstständiger Unternehmer und Unternehmensentwickler. Er berät Start-ups und ist selber an einigen beteiligt. Kann der Stratege auch einfach einmal abschalten, nur ans Jetzt denken? «Ich bin ein Naturmensch. Ich jogge und wandere gerne und fahre Ski.»

Als Stadtrat wäre Jaecklin der Chef mehrerer Ressorts. Wie tickt er als Vorgesetzter? «Das Team ist das Wichtigste. Alleine kann ein Chef nichts erreichen. Wenn ein Team weiss, in welche Richtung die Arbeit gehen soll und Erfolg hat, ist dies unheimlich motivierend.» Er könne kritisch sein, aber er werde nie persönlich. Und er könne sich in andere Menschen hineinversetzen. «Als Jugendlicher war ich leidenschaftlicher Schauspieler und hätte beinahe die Schauspielschule besucht.»

Als Stadtrat würde er voraussichtlich das Ressort Planung und Bau übernehmen, das Sandra Kohler betreute, bevor sie Knall auf Fall zurücktrat. «Es ist das wohl interessanteste Ressort überhaupt, Angelpunkt zu jeder anderen Abteilung.» Es handle sich um ein komplexes Ressort, er werde sich «reinfräsen», wie er es nennt, neu reindenken in die Materie, wie er es auch als Unternehmensberater immer wieder von Neuem machen muss.

Als Stadtrat würde er sich für ein weltoffenes, modernes Baden einsetzen. «Baden braucht wieder eine internationale Schule. Und Tagesschulen – diese sollen nicht Ausnahme bleiben, sondern müssen zur Normalität werden.»

Er würde mithelfen wollen, dass sich innovative Firmen ansiedeln, sodass lokale Arbeitsplätze entstehen. Als Elektro-City müsse die Stadt Baden eine führende Rolle bei der nachhaltigen und smarten Energienutzung und Energieproduktion übernehmen, erklärt Stefan Jaecklin weiter.

«Sonst wird Baden zur Provinzstadt degradiert»

Und Handlungsbedarf bestehe in der Stadt bei der Vernetzung: Als Zentrumsstadt für rund 100'000 Leute müsse Baden gut erreichbar sein, sonst verliere sie diese Funktion und würde zur langweiligen Provinzstadt degradiert. Dabei seien alle Verkehrsträger zu entwickeln: «Neue Verkehrskonzepte für den öffentlichen Verkehr und eine Verbesserung des Fahrradverkehrs steigern die Erreichbarkeit der Stadt, auch für den motorisierten Individualverkehr. Die Vernetzung mit den Nachbargemeinden, aber auch die immer wichtigere digitale Vernetzung bieten Entwicklungschancen.»

Wie sieht die mittelfristige Zukunft des Politikers aus? Jaecklin überlegt. Für einmal hat der Stratege keine präzise Antwort bereit. «Stadtrat zu werden, wäre fantastisch. Meine Ideen für die Stadt Baden umzusetzen, wird ein paar Jahre dauern. Was danach kommt, werden wir sehen.»

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